Versorger schlagen Alarm: Immer weniger Trinkwasser in Österreich
Das Wasser musste abgekocht werden.
Zusammenfassung
- Grundwasserstände sinken, Wasserversorger warnen vor Versorgungsengpässen und fordern höhere Förderungen.
- Klimawandel, steigender Wasserbedarf und zunehmende Dürreperioden verschärfen die Situation, besonders in bisher weniger betroffenen Regionen.
- Wasserversorger verlangen eine Erhöhung der Kofinanzierung auf mindestens 150 Millionen Euro jährlich, um Versorgungssicherheit und Wertschöpfung zu sichern.
Die Wasserversorgung in Österreich gerät verstärkt unter Druck. In fast ganz Österreich fallen die Grundwasserstände. Eine Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace im vergangenen Jahr ergab, dass 60 Prozent der Messstellen einen niedrigen Wasserstand aufweisen.
Und das Problem breitet sich aus: War bis vor einigen Jahren hauptsächlich Ostösterreich betroffen, trocknet nun auch der Westen des Landes vermehrt aus. Und das, obwohl es dort rund drei Mal so viel Niederschlag gibt wie im Osten.
Dürreperioden und Starksommer belasten die Wasserversorgung
Schuld sind die Folgen des Klimawandels. Schneearme Winter und trockene Sommer bringen kaum Wasser in den Kreislauf. Auch dass der Niederschlag vermehrt in Form von Starkregenereignissen auftritt, helfe den heimischen Wasserversorgern nicht, sagt Nikolaus Sauer, Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), dem KURIER. "So rinnt das Wasser gleich wieder in der Donau ab. Wir brauchen Wasser, das in den Regionen bleibt, um die Wasserversorgung zu sichern."
In den vergangenen Jahren seien die Grundwasserstände sogar teils so tief gewesen, wie in den vergangenen 100 Jahren nicht. Und die Herausforderungen würden immer größer werden. "Das macht uns als Wasserversorger doch ein bisschen Angst, was da auf uns zukommt", so Sauer.
Wasserbedarf steigt in Landwirtschaft und wegen Rechenzentren
Gleichzeitig würde der Wasserbedarf immer weiter steigen, etwa weil mehr Rechenzentren gebaut werden, die mit Wasser gekühlt werden. Aber auch die Landwirtschaft könnte wegen häufiger auftretender Dürreperioden einen höheren Bedarf an Bewässerung haben.
Allein für Niederösterreich könnte der Bedarf bis zum Jahr 2050 je nach Schätzung um 25 bis 37 Prozent steigen, wie ein Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2024 ergab. Das Grundwasserangebot in dem Bundesland, das in Teilen zu den trockensten Gebieten Österreichs gehört, könnte sich bis dahin um 14 Prozent verringern.
Um die Versorgung langfristig sicherzustellen, fordern die heimischen Wasserversorger eine Aufstockung der Kofinanzierung seitens des Bundes. Investitionen werden nämlich großteils von den Wasserversorgern (meist Unternehmen, die im Allein- oder Mehrheitseigentum der öffentlichen Hand liegen) unter Förderung durch Bundesmittel getätigt.
Wasserversorger verlangen 150 statt 69 Millionen Euro jährlich
Die Gelder zur Kofinanzierung sollten von aktuell 69 Millionen Euro auf mindestens 150 Millionen Euro jährlich erhöht werden "für den Werterhalt von bestehenden Anlagen", so die Forderung. Gleichzeitig soll der Bund zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen, um Anlagen an die zunehmenden Herausforderungen wegen des Klimawandels anzupassen.
Dies würde "Investitionen erheblichen Umfangs" bedeuten, so die Studie. Etwa für die Modernisierung alternder Infrastruktur oder moderne Aufbereitungstechnologien. Auch überregionale Verbundleitungen gewinnen an Bedeutung, wenn Wasser von regenreichen in niederschlagsarme Gegenden transportiert werden soll.
"Über die Wasserversorgung wird nicht viel gesprochen, solange der Wasserhahn fließt. Aber wir Versorger zählen zur kritischen Infrastruktur. Investitionen in die Trinkwasserversorgung stärken die langfristige Versorgungssicherheit", sagt Sauer.
Nikolaus Sauer, ÖVGW-Vizepräsident und Sprecher des Wasserfachs
Die eingesetzten Fördermittel würden zur Konjunkturstärkung beitragen und Arbeitsplätze sichern, denn die Wasserversorgung ist in Österreich ein großer Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2024 hat der Sektor als wesentliche Vorleistung für nahezu alle anderen Wirtschaftssektoren eine Bruttowertschöpfung von 12,5 Milliarden Euro generiert, so eine Studie des Economica-Instituts. Verbunden seien mit dem Sektor außerdem rund 97.400 jährliche Beschäftigungsverhältnisse.
Zum Werterhalt der Infrastruktur müssten 4,3 Milliarden Euro investiert werden
Zusätzlich zur errechneten Wertschöpfung kämen noch Investitionen in die Wasserversorgung. 2024 seien das rund 449 Millionen Euro gewesen, die in Österreich für einen Wertschöpfungseffekt von rund 305 Millionen Euro gesorgt hätten. Die Studie untersucht zudem, wie sich die Investitionen bis 2030 entwickeln könnten und kommt zu dem Schluss, dass höhere Investitionen in Zukunft wünschenswert wären.
Werden die Investitionen aus 2024 linear fortgeschrieben, ergebe sich bis 2030 ein Gesamtinvestitionsbedarf von 3,14 Milliarden Euro. Damit ließe sich die Trinkwasserversorgung grundsätzlich aufrechterhalten, sagt Studienautor Christian Helmenstein. Um die langfristige Nutzung der Infrastruktur sicherzustellen und den "Wert der Versorgung zu erhalten", brauche es aber Investitionen von rund 4,3 Milliarden Euro.
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