Trinkwasser für Haringsee: EVN-Leitung kommt ab 2026
In Haringsee wird im Herbst 2026 mit dem Bau der öffentlichen Trinkwasserleitung begonnen. Bürgermeister Roman Sigmund (vorne, Mitte) lud zur Infoveranstaltung, die Walter Gröblinger (r.) moderierte. Experten standen für Fragen zur Verfügung (v.l.): Michael Weigl (Netz NÖ), Ziviltechniker Johann Steinbacher, Helmut Brandl (EVN-Wasser) und Norbert Pinsolitsch (A1).
"Ich hab" gar nicht gewusst, dass es noch Gemeinden gibt, die kein öffentliches Trinkwassernetz haben. Ich war überrascht, als ich mein Haus vor elf Jahren gekauft habe", sagt eine Wienerin mit Zweitwohnsitz in der Gemeinde Haringsee im Bezirk Gänserndorf. Sie selbst trinke das Wasser nicht. "Das geht nicht, die Nitratwerte sind viel zu hoch, ich nehm" mir immer Wasser aus Wien mit", schmunzelt sie und bringt das Problem der Marchfeldgemeinde auf den Punkt.
"Eigentlich müsste überall draufkleben: Kein Trinkwasser", bestätigte Bürgermeister Roman Sigmund (ÖVP) bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend in Haringsee, zu der etwa 300 Interessierte gekommen waren. Wie berichtet, gibt es im Gemeindegebiet Hausbrunnen, aus denen das Wasser gespeist wird. Doch das Wasser ist verunreinigt, im Kindergarten und der Schule sind Wasserspender aufgestellt.
Neuer Zeitplan: Baustart im Herbst 2026
Sigmund beschäftigt das Problem fast schon seit seiner gesamten Amtszeit. 2013 wurde er damit konfrontiert, dass es keine Umwidmung in Bauland mehr geben werde, bis die Gemeinde über eine öffentliche Trinkwasserleitung verfüge. Dafür liegen alle Genehmigungen und Beschlüsse vor. Laut ursprünglichem Zeitplan sollte 2024 alles fertig sein. Doch Corona, andere Krisen und Kriege verzögerten das Projekt.
Der Bürgermeister stellte den neuen Zeitplan vor: "Im Herbst 2026 beginnen wir mit dem Abschnitt 1, Haringsee. Die Bauzeit beträgt eineinhalb Jahre", so der Bürgermeister. Danach wird in den Katastralen Fuchsenbigl und Straudorf gebaut, je ein Jahr Bauzeit wird hier prognostiziert.
"Ja, es kostet für jeden etwas und ja, es ist für jeden Arbeit", macht er kein Geheimnis daraus, was auf seine Bürger in den nächsten Jahren zukommen wird. "Es brennt der Hut, wir müssen uns der Verantwortung stellen." Es gehe bei dem Projekt um sauberes Trinkwasser und darum, die Versorgung sicherzustellen. Denn 2022 war es so trocken, dass schon einige Brunnen versiegt sind.
Projekt Trinkwasserversorgung ist auf Schiene
Seitens der Gemeinde sei alles auf Schiene. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die FPÖ gegen den Bescheid, mit dem der Initiativantrag der Freiheitlichen zurückgewiesen wurde, Einspruch erhoben hat. Zur Erinnerung: Die Freiheitlichen sammelten Unterschriften, um eine Volksbefragung zu erwirken. Die Bürger sollen entscheiden, ob die Gemeinde Wasserwerk und Leitungen selbst errichten soll, oder - wie beschlossen - mit der EVN-Wasser zusammenarbeitet.
Diese Variante kostet 5,2 Millionen Euro. Davon werden 40 Prozent vom Land NÖ gefördert, 10 Prozent vom Bund. Um die Kosten für die Gemeinde und somit für die Bürger zu reduzieren, hat Sigmund eine "Irrsinns-Idee" geboren, wie er sagt: Er holte "Art4Art" und die Vereinigten Bühnen mit ins Boot. "Sie haben einer Co-Finanzierung von über einer halben Million Euro zugesagt", verkündete er bei der Veranstaltung. Die Verträge seien in trockenen Tüchern.
Bessere Preise für die Bürger
Die Kosten waren es, die die Bürger am meisten interessierten. Diese werden für jeden genau berechnet. Und zwar mit besseren Zahlen, als noch 2020 angenommen. Die einmaligen Anschlussgebühren richten sich nach verbauter und bewohnter Fläche auf den Grundstücken. 2020 war geplant, den Quadratmeter mit 11 Euro zu multiplizieren. Heute sind es nur noch 6,50 Euro. Darauf ist der Bürgermeister sehr stolz.
"Das Wasser der EVN ist mit so viel Chemie aufbereitet, da dreht"s mir den Magen um", meldete sich ein Gemeindebürger zu Wort und erhielt Applaus. Nachsatz: "Das könnt"s den Bauern auf die Felder schütten, aber net mir zum Trinken geben." Helmut Brandl von der EVN-Wasser schüttelt den Kopf. Das Wasser werde ohne Zusätze von Chemie filtriert, die EVN-Wasser nutze flächendeckend moderne UV-Desinfektionsanlagen, um das Wasser zu reinigen, das mit zehn bis zwölf deutschen Härtegraden in die Haushalte geliefert werde.
Anschlusszwang, mit Ausnahme
Müssen sich alle Bürger ans neue Ortswassernetz anschließen? "Es besteht ein Anschlusszwang, wenn man im Versorgungsgebiet ist", betont Sigmund. Aber: Kein Zwang ohne Ausnahme. "Wer sein Wasser selbst aufbereitet, muss sich nicht anschließen." Allerdings werde das Wasser dann regelmäßig von der Behörde überprüft, zudem koste eine Wasseraufbereitungsanlage um die 20.000 Euro.
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