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Klimastatusbericht: Bis 2050 um 23 Prozent weniger Grundwasser

Studie zeigt mögliche Verluste von bis zu 600 Millionen Euro jährlich; ausreichendes Budget für Maßnahmen sei dringend notwendig.
Mehrere Sprinkler bewässern ein großes, in Reihen bepflanztes Feld bei Sonnenuntergang.

Die Klimakrise beeinflusst in Österreich zunehmend die Verfügbarkeit und die Qualität des Grundwassers. Besonders stark zu bemerken sei das bei geringerem Niederschlag in Form von Schnee. Auch bleibe das gefallene Weiß weniger lange liegen, wie es am Montag im aktuellen Klimastatusbericht hieß. Das führt auf Dauer in der Landwirtschaft zu Problemen.

Die veränderte klimatische Lage und die damit verbundenen steigenden Temperaturen sowie höheren Verdunstungsraten führten zu neuen Niederschlagsmustern. So kommt es häufiger zu Extremwetterereignissen. Wasser versickert auch weniger in tiefen Bodenzonen, was zur Folge hat, dass weniger Grundwasser neu gebildet wird.

Starkregen fließt laut der Analyse der Expertinnen und Experten oft rasch oberflächlich ab. Geringe Niederschläge werden in der Vegetationsperiode von Pflanzen in Anspruch genommen oder verdunsten. Zusätzlich gehe durch das Abschmelzen der Gletscher langfristig eine weitere Wasserreserve verloren. "Diese Entwicklungen verringern die Neubildung von Grundwasser und verschärfen die Situation vor allem in sensiblen Regionen", hieß es in dem Bericht.

Weniger Grundwasser zur Verfügung

Viele Regionen müssten sich darauf vorbereiten, dass künftig weniger Grundwasser zur Verfügung stehe. Prognosen zufolge könnten die verfügbaren Ressourcen bis 2050 um bis zu 23 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig wird aber der Wasserbedarf voraussichtlich um bis zu 15 Prozent ansteigen, was die Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, die Industrie und die Energieproduktion betrifft. Der Wasserbedarf kann sich in der Landwirtschaft bis 2050 beinahe verdoppeln.

Der Bericht wird alljährlich im Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie aller neun Bundesländer durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der Geosphere Austria durchgeführt. Er will aufzeigen, welche Anpassungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen, um negative Folgen in den am stärksten betroffenen Bereichen zu verhindern oder abzumildern. Ergänzt wird der Bericht um eine Studie vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die die erheblichen wirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden aufzeigt.

Klimawandelanpassungen dringend erforderlich

Die WIFO-Studie in Zusammenarbeit mit der AGES mache zudem auf die großen volkswirtschaftlichen Risiken bei zunehmenden Dürreperioden in der Landwirtschaft aufmerksam. Die Auswirkungen würden Zuliefer- wie auch Verarbeitungsbetriebe treffen: Je nach Szenario könnten jährlich bis zu 600 Millionen Euro an Wertschöpfung verloren gehen und bis zu 9.300 Arbeitsplätze gefährdet sein, hieß es in dem Bericht. Klimawandelanpassungen seien daher dringend erforderlich.

Die Studie mache deutlich, dass auch "ein wasserreiches Land wie Österreich vor wachsenden Herausforderungen steht", erklärte Herbert Formayer, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie (BOKU). Besonders in intensiv genutzten Regionen könnten die Entwicklungen zu saisonalen Engpässen führen. "Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, sind vorausschauendes Wassermanagement, Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen und konsequenter Klimaschutz dringend erforderlich."

WWF fordert Biodiversitäts-Milliarde

Die Naturschutzorganisation WWF fordert angesichts des Berichts und der sich verschärfenden Klimakrise einen konsequenten Ausbau naturbasierter Lösungen sowie eine Biodiversitäts-Milliarde, finanziert durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen.

2025 warm, sehr warm und deutlich zu trocken

Im Vorjahr war es in Österreich laut Analysen sehr warm und mit 1.700 Sonnenstunden auch sehr sonnig sowie deutlich zu trocken. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge lag bei 881 Millimeter. Mit einer Durchschnittstemperatur von plus 7,9 Grad zählt es zu den achtwärmsten Jahren seit Beginn der Messungen.

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