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Warum der heimische Wald massiv unter Druck ist

Welche Rolle Trockenheit, Borkenkäfer und Schneebruch für die Zukunft unseres Waldes spielen.
Zwei Waldarbeiter fällen mit einer Kettensäge einen mit einem roten Kreuz markierten Baum.

Österreich ist eines der waldreichsten Länder Europas. Rund 48 Prozent der gesamten Staatsfläche – 4,02 Millionen Hektar – sind bewaldet, mit etwa 3,5 Milliarden Bäumen.

Der Wald hat viele Aufgaben – der Zuwachs des Waldes unter Aufnahme großer Mengen CO2 wird jährlich sogar an Brüssel und UNO gemeldet und von Österreichs Treibhausgas-Ausstoß subtrahiert. In guten Waldjahren wie zuletzt 2001 konnten so über 20 Millionen Tonnen von den Gesamtemissionen, die derzeit bei etwa 67 Millionen Tonnen liegen, abziehen.

Ein kleiner brauner Borkenkäfer sitzt auf einem Stück Baumrinde.

Doch der Wald könnte längst gekippt sein – so unglaublich das auch ist: In den Jahren 2018, 2019, 2023 und 2024 war Österreichs Wald eine Emissionsquelle, er hat unterm Strich also mehr CO2 an die Atmosphäre abgegeben, also durch den Zuwachs im Holz aufgenommen wurde. „2025 dürfte es etwas besser aussehen“, sagt Manfred Lexer vom Institut für Waldbau der Uni für Bodenkultur. Doch wie konnte der Wald überhaupt von einem Klimapuffer zu einer CO2-Schleuder werden? Der Hauptgrund, erklärt Lexer, sei die „ungeplante Holznutzung durch Störungen“. Dazu zählen extreme Wetterereignisse wie Stürme und Schneebruch, aber allen voran der Fichtenborkenkäfer.

Österreichs Wald ist Treibhausgas-Emittent

Hinzu kommt ein simpler biologischer Effekt: In schlechten, weil zu trockenen Jahren wachsen die Bäume schlichtweg weniger. Es wird weniger neue Holzbiomasse produziert und damit weniger CO2 gebunden. Wenn dann durch Schädlinge und Stürme massenhaft Bäume absterben oder entnommen werden müssen, kippt die Bilanz ins Negative – der Wald gibt in Summe mehr Kohlenstoff ab, als er aufnimmt.

Genau dieses Szenario droht auch heuer wieder. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig schlug per Aussendung Alarm: Der trockenste März und April seit Beginn der Messgeschichte habe den Wäldern massiv zugesetzt. Das gewaltige Niederschlagsdefizit schwächt die Bäume und schafft ideale Bedingungen für die Ausbreitung des Borkenkäfers. Der Schwärmflug des „Buchdruckers“ – der gefährlichsten und bedeutendsten Käferart in Österreich, die die Fichte als Bruthabitat bevorzugt – ist bereits in vollem Gange.

Ein Borkenkäfer in einem Stück Holz mit Fraßgängen.

Waldforscher Lexer erklärt das tödliche Zusammenspiel so: Je wärmer, desto schneller startet und verläuft der Reproduktionszyklus des Schädlings. Sein Wirtsbaum, die Fichte, ist ein Flachwurzler und leidet extrem unter trockenen Böden. Fehlt das Wasser, können die Fichten sich kaum mit Harz wehren, dass bei eingeschränkter Kohlenstoffbindung dann vom Baum nicht mehr als „Überflussprodukt“ bereitgestellt werden kann.

Was also tun? Bei den ersten Anzeichen eines Befalls müssen die betroffenen Bäume sofort gefällt und rasch aus dem Wald abtransportiert werden.

Die langfristige Rettung des Waldes ist ungleich komplexer. Österreich setzt auf einen massiven Waldumbau hin zu widerstandsfähigeren, klimafitten Mischbeständen anstelle der Fichtenwälder. Das ist ein Generationenprojekt, „das geht nicht von heute auf morgen“, betont Lexer.

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