Klarsicht-Eierverpackungen: Know-how aus NÖ soll in der Slowakei gelandet sein

© Ovotherm

Prozess
10/16/2013

Spionagekrimi in Firma: Prokurist soll Know-how verkauft haben

Ehemaliger Manager einer Verpackungsfirma steht diese Woche vor Gericht.

von Patrick Wammerl

Hunderte Millionen Eier weltweit stecken in recycelbaren Klarsichtverpackungen eines Wiener Neudorfer (NÖ) Unternehmens. Durch ein Patent war die Firma Ovotherm jahrelang Weltmarktführer. Dass das Handelsunternehmen ausgerechnet durch Betriebsspionage ins Wanken geriet, hätte sich Geschäftsführer Franz Hofer niemals träumen lassen.

Ab Donnerstag sitzt ein früherer Prokurist der Firma wegen Untreue und Weitergabe von Betriebsgeheimnissen am Landesgericht Wr. Neustadt auf der Anklagebank. Der Schaden übersteigt eine halbe Million Euro. Das Strafmaß beträgt bis zehn Jahre.

Ovotherm ließ den Großteil der Eierverpackungen von einem slowakischen Hersteller fertigen. „Der Lieferant war auch gering am Unternehmen beteiligt, und hat natürlich mitbekommen, dass 2009 ein Rekordjahr für die Firma war. Anscheinend wollten sie mehr vom Kuchen abbekommen“, schildert Ovotherm-Anwalt Dominik Konlechner.

Denn im darauffolgenden Jahr trieb ein Wirtschaftskrimi den Betrieb beinahe in den Ruin. Innerhalb von drei Monaten brachen die Umsätze ein, und der frühere Prokurist verließ trotz Spitzengage von monatlich 7500 Euro völlig überraschend die Firma.

Plastiksackerl

Die Geschäftsleitung hatte zunächst keine Ahnung, was dahintersteckte, bis Franz Hofer an einem bitterkalten Dezembertag 2010 nach einem Termin in der Slowakei ein Sackerl auf seinem Auto fand. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt waren darin brisante Spionage-eMails. Aus dem Schriftverkehr ging hervor, dass der 45-jährige Prokurist Geschäftsgeheimnisse wie Kundenkontakte und Daten, sowie an die 30 Kundenaufträge direkt an den slowakischen Lieferanten weitergeleitet haben soll, so die Anklage. „Was für ein Zufall, dass er ein paar Tage später bei den Slowaken angestellt wurde“, sagt Konlechner.

Untermauert werden die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft von einer Belastungszeugin. Die Ovotherm-Verkaufsleiterin für Frankreich gestand bereits, im Auftrag des Prokuristen wichtige Aufträge am eigenen Unternehmen vorbeigeschummelt zu haben. Auch andere Mitarbeiter seien vom Prokuristen zur Kündigung überredet worden.

Insgesamt 20 der 40 Arbeitsplätze gingen verloren. Mittlerweile schreibt die Firma wieder ständig steigende Umsätze, sagt Hofer.

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