Chronik | Niederösterreich
04.10.2018

Nach tödlichem Hundebiss: Landesrat Waldhäusl lädt zu Rundem Tisch

Keine Maulkorbpflicht für "Tiere, die keinen entsprechenden Schaden anrichten können". FPÖ für bundesweit einheitliche Regelung.

Nach dem tödlichen Biss eines Rottweilers, dem ein Kleinkind in Wien zum Opfer gefallen ist, will der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl ( FPÖ) Experten und Politiker zu einem Runden Tisch in Sachen Maulkorbpflicht laden. Die FPÖ sprach sich für eine bundesweit einheitliche Regelung aus. Vier Pfoten warnte am Donnerstag in einer Aussendung vor "unüberlegter Anlassgesetzgebung".

Von Waldhäusl, der am Dienstag eine generelle Beißkorbpflicht in Niederösterreich gefordert hatte, hieß es am Donnerstag: Es sei eine breite Diskussion darüber notwendig, welche Hunde ab welcher Körpergröße an welchen Plätzen Maulkorb tragen müssen. Bei dem für Oktober geplanten "Hunde-Sicherheitsgipfel" sollen gemeinsam sinnvolle und nachhaltige Lösungen für diese Thematik diskutiert werden.

Oberösterreichisches Modell?

"Richtungsweisend könnte etwa das oberösterreichische Modell sein, wonach jene Plätze genau festgelegt sind, wo Leine UND Maulkorb getragen werden müssen", so der Tierschutzlandesrat. In dem Bundesland muss der Aussendung zufolge in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Schulen, Kindergärten, Horten und sonstigen Kinder-Betreuungseinrichtungen, auf gekennzeichneten Kinderspielplätzen sowie bei größeren Menschenansammlungen wie Einkaufszentren, Freizeit- und Vergnügungsparks, Gaststätten, Badeanlagen während der Badesaison und bei Veranstaltungen Hunde angeleint und mit Maulkorb geführt werden. Waldhäusl sprach von einer "Lösung, wie sie auch für Niederösterreich sinnvoll sein und natürlich auch jederzeit erweitert werden könnte". Damit würde auch die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der sogenannten "Listenhunde" fallen, teilte er mit.

"Tiere, die keinen entsprechenden Schaden anrichten können, sollen von einer Maulkorbpflicht natürlich ausgenommen sein", sagte Waldhäusl - bei der Festlegung der Körpergröße müsse "der Hausverstand" walten. Mittelfristiges Ziel müsse eine bundeseinheitliche Lösung sein.

Die FPÖ-Bundestierschutzbeauftragte Philippa Strache sprach sich am Donnerstag in einer Aussendung gegen eine generelle Leinen- und Beißkorbpflicht für alle Hunde aus, FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky für eine "differenzierte Lösung". Vor dem von Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) angekündigten Runden Tisch mit den Landestierschutzreferenten plädierte Strache für eine bundesweit einheitliche Regelung. Die Tierschutzbeauftragte könne sich auch eine Art "Hundeführerschein" für alle Hundebesitzer vorstellen.

 

Der von der Bundesministerin angekündigte Runde Tisch muss nach Ansicht von Vier Pfoten klären, "wie sich die Experten konkret nicht nur die Verschärfung, sondern auch die Umsetzung des Gesetzes in der Praxis vorstellen". "Unser genereller Eindruck ist, dass viele Hundehalter mit der Haltung von Hunden überfordert sind. Was wir daher absolut befürworten, ist ein allgemeiner, verpflichtender Hundeführerschein", sagte Vier-Pfoten-Kampagnenleiterin Martina Pluda.

An öffentlichen Plätzen sei eine Leinen- und Beißkorbpflicht sinnvoll. "Allerdings ist eine generelle Pflicht für Hunde eine massive Einschränkung für Hunde, aus Tierschutzsicht ist das nicht vertretbar", sagt Pluda. Ein Alkohollimit sei zwar zu begrüßen, aber es sei in der Praxis kaum durchführbar. Eine Ausweitung der Listenhunde mache keinen Sinn. "Der Rassetyp bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund gefährlich ist", so Pluda: "Oft hat dies mehr mit dem Besitzer und seinem Mangel an Verantwortung für das Tier zu tun. Das Problem sitzt eigentlich immer am anderen Ende der Leine."