Familie Abu El Hosna will alle Nachbarn und den Bürgermeister zu einem Fest einladen.

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Chronik Niederösterreich
08/15/2019

Muslimische Familie darf Haus doch kaufen: Skepsis der Nachbarn bleibt

Muslimische Familie kauft Haus, obwohl sie sich nicht willkommen fühlt. Die Nachbarn bleiben skeptisch.

von Bernhard Ichner

"Wir sind überrascht, damit haben wir nicht gerechnet", sagt Khalid Abu El Hosna sichtlich erfreut. Der KURIER trifft ihn und einen Teil seiner elfköpfigen Familie im Garten jenes Hauses im Weikendorfer Ortsteil Dörfles (Bezirk Gänserndorf), das die staatenlosen Palästinenser bald ihr Eigen nennen dürfen.

Wie berichtet, hatte die Grundverkehrsbehörde den Hauskauf am Mittwoch genehmigt. Was nicht zuletzt die nö. FPÖ empört. Das Land NÖ sei vor einer Medienkampagne in die Knie gegangen und lasse seine Landsleute im Stich, kritisiert der blaue Kommunalsprecher Dieter Dorner.

Begründet wurde die Genehmigung jedenfalls mit dem „dringenden Wohnbedürfnis“ der Flüchtlingsfamilie, die zurzeit "als Überbrückungslösung vorübergehend auf beengtem Raum in einer Wohnung eines Bekannten in 1200 Wien (Brigittenau, Anm.)" wohne und dort „einen monatlichen Mietzins“ bezahle.

Von „unterschiedlichen Kulturkreisen der islamischen sowie der westlichen Welt“, die nach Ansicht des Weikendorfer ÖVP-Bürgermeisters Johann Zimmermann gegen den Zuzug der muslimischen Familie sprechen, ist in dem Bescheid nichts zu lesen.

Nun darf Familie Abu El Hosna, die sich mit Anwälten gegen die „zutiefst diskriminierende“ Ablehnung wehrte und aktuell von Ex-SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar vertreten wird, das Haus also kaufen. Warum sie trotz aller Ablehnung noch immer nach Weikendorf ziehen will, erklärt Vater Khalid so: „Wir haben keine andere Alternative.“

Nachbarschaftsfest

Man wolle nun einmal ein leistbares Haus in NÖ kaufen – und da sei es egal, wohin man ziehe. „Nach all den Medienberichten kennt man unseren Namen überall. Mit offenen Armen empfängt uns wahrscheinlich auch keine andere Gemeinde“, meint Abu El Hosna. Man könne also auch gleich hier bleiben. Die Kinder sollen hier in die Schule gehen.

Und der Vater kündigt an: „Sobald wir eingezogen sind, veranstalten wir ein großes Fest, zu dem wir alle Nachbarn einladen – und auch den Bürgermeister.“ So wolle man die Leute davon überzeugen, „dass wir liberale Muslime sind und dass wir Österreich lieben“. „Ich bin ausgebildeter Lehrer und kein Terrorist“, sagt der neunfache Vater, der in seiner ehemaligen Heimatstadt Gaza an der Pädagogischen Hochschule Englisch unterrichtete.

Als nächstes werde der Kauf abgewickelt. Dafür nahmen Khalid Abu El Hosna und zwei berufstätige Söhne einen Kredit auf. Das Geld und der Kaufvertrag liegen seit Monaten bei einem Notar auf. „Die Finanzierung ist gesichert“, bestätigt der Sohn der Hausverkäuferin.

Gerüchteküche

„Das mag für den Hauskauf gelten, aber was ist mit den Gemeindeabgaben? Können sie sich die auch leisten?“, rätselt indes eine Nachbarin, die mit dem Zuzug der Abu El Hosnas wenig Freude hat, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Wie andere in der Nachbarschaft auch fürchtet sie, dass die Palästinenser die Ruhe in Dörfles stören könnten. Von kulturellen Unterschieden ist da die Rede und davon, dass die künftigen Nachbarn nicht glaubwürdig wären. Man habe schon viel gehört, erzählt ein Herr aus Dörfles, der anonym bleiben will. Dass der Vater mit einem Restaurant Schiffbruch erlitten habe. Und, dass die Familie ihre Miete in Wien nicht bezahlt hätte. „Was soll man davon halten?“

„Privatsache“

Khalid Abu El Hosna bestreitet weder die Schließung des Lokals noch den Streit um die Miete. „Was hat das aber mit dem Hauskauf zu tun?“, meint er. „Gilt für uns nicht der Datenschutz? Das ist doch meine Privatsache.“

Da stimmt ÖVP-Vizebürgermeister Robert Jobst (der im Gegensatz zu Ortchef Zimmermann mit Journalisten spricht) dem künftigen Mitbürger zwar zu. „Wirtschaftliche Rückschläge können jedem passieren. Und auch der Mietstreit ist mir wurscht“, sagt der Politiker, der Informationen über die Familie sammelte und den Gemeinderat informierte.

"Böses Blut"

In einem kleinen Ort, wo jeder jeden kenne, hätten viele aber nun einmal Angst vor Fremden, sagt Jobst. Deshalb erwarte er sich von Zuzüglern absolute Aufrichtigkeit.

Die Familie hätte zwar nicht alles offenlegen müssen - "das müssten österreichische Zuzügler ja auch nicht". Und Zimmermanns Stellungnahme sei zwar „ein Murks“ gewesen - die Abu El Hosnas hätten nach Ansicht Jobsts aber nicht gleich die Medien einschalten müssen. „Das hat nur für böses Blut gesorgt. Ohne die ganze Aufregung hätte die Behörde ganz genauso entschieden.“

Kommende Woche stimmt der Gemeinderat darüber ab, ob man die Entscheidung der Grundverkehrskommission vor dem Landesverwaltungsgericht bekämpfen wird.