Chronik | Niederösterreich
15.04.2012

Musik und Essen verbinden Kulturen

Durch ein Caritas-Projekt haben sich eine mongolische Bratsche-Spielerin und eine Pensionistin aus Wiener Neustadt kennen und schätzen gelernt.

Wenn bei Gertrude Schrammel in Wiener Neustadt gekocht wird, dann hat das manchmal einen exotischen Touch. Die gefüllten Teigtaschen mit Faschiertem werden dann zum Beispiel in Tee gekocht – getreu einem mongolischem Rezept. „Das ist nicht unbedingt unser Geschmack“, gibt Schrammel zu. „Aber die Teigtaschen schauen wunderbar aus. Wie Blumen.“ Essen verbindet. Auch Kulturen. Am Herd der Familie Schrammel steht diesmal Delgermaa Dagvasuren. Die zweifache Mutter aus der Mongolei ist seit rund drei Jahren eine enge Freundin von Gertrude Schrammel.

Gefunden haben sich die beiden Frauen über ein Caritas-Projekt namens „Neuland“. Einheimische und Asylwerber werden dabei „zusammengespannt“ und lernen voneinander. „Sonst hätten wir uns wohl kaum kennen gelernt“, gibt Schrammel zu. Und auch Dagvasuren war skeptisch: „Ich hatte Angst. Ich habe damals noch nicht so gut Deutsch gesprochen.“ Doch bei einem Kennenlern-Abend war schnell klar: Da stimmt die Chemie. „Trude ist fast so wie eine Mutter“, schwärmt Dagvasuren. Ins Reden kam man über die Musik. Schrammel spielt Harmonika. Supermarkt-Mitarbeiterin Dagvasuren Bratsche. Nicht nur das Essen, auch die Musik verbindet.

Orchester

Orchester „Ich habe schon in der Mongolei in der Oper gespielt“, erzählt Dagvasuren. „Und Österreich ist ja berühmt für seine Musik.“ Durch die Vermittlung ihrer österreichischen Freundin ist die Mongolin nun Teil des Wiener Neustädter Orchesters. Die Mongolin ist seit 2004 in Österreich. Aktuell hat sie den rechtlichen Status einer „subsidiär Schutzberechtigten“. Was soviel heißt wie: Wenn sich die Zustände in ihrem Land verbessern, muss sie wieder zurück. Doch in der Zwischenzeit darf sie in Österreich bleiben – und hier auch arbeiten. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Wiener Neustadt. „In meiner Heimat ging es mir nicht gut. Mein Mann ist früh gestorben“, erzählt sie. Lange Zeit habe sie Depressionen gehabt und als alleinstehende Frau in der Mongolei war sie schutzlos. „Ich musste weg.“ In Österreich hat sie das Lachen wieder gelernt. Und sie lacht wieder viel und laut. Und sie macht Gedanken über die Kultur ihrer Wahlheimat. „Warum bringt hier der Osterhase die Eier?“ Eine Frage, die auch Gertrude Schrammel nicht beantworten kann.