Polizei bei der Feier zu Enthüllung des Gedenksteines.

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Wilderer
09/17/2014

Morde in Annaberg: Gedenkstein für die Opfer

Alois Huber tötete drei Polizisten und einen Sanitäter. Für sie wurde heute ein Gedenkstein errichtet.

In Annaberg (Bezirk Lilienfeld) ist am Mittwoch jener drei Polizisten und eines Sanitäters gedacht worden, die vor einem Jahr von dem als Wilderer verdächtigen Alois H. (55) erschossen worden waren. Für die Opfer wurde ein Gedenkstein errichtet und enthüllt. Zu einer Feldmesse und Segnung fanden sich nach Polizeiangaben etwa 1.000 Menschen, unter ihnen auch Angehörige, ein.

Innenministerin Johann Mikl-Leitner (ÖVP) rief bei der Gedenkfeier am Mittwoch zum "niemals Vergessen" auf. "Der 17. September 2013 war einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der österreichischen Blaulichtorganisationen", erinnerte sie. Der Gedenkstein sei "eine Stätte, die uns an Menschen erinnert, die sich für uns eingesetzt haben".

Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP), in Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) bei der Feier, fand ähnliche Worte. "Der Gedenkstein macht deutlich, dass wir das Verbrechen nicht vergessen und verdrängen, sondern den Opfern ein würdiges Andenken bewahren." St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng nahm die Segnung vor. Er sehe die Stätte als "Einladung zum Gebet ein".

Der 7,5 Tonnen schwere Gedenkstein, der an die Opfer des Amoklaufs erinnern soll, "die in Ausübung ihrer Pflicht am 17. Sept. 2013 ihr Leben lassen mussten", wie zu lesen ist, hat seinen Platz an der Kreuzung B20/B28. Die notwendige Fläche ist vom Land Niederösterreich zur Verfügung gestellt worden.

Neben Mikl-Leitner waren u.a. auch der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, der Präsident des Roten Kreuzes NÖ, Willibald Sauer, und LHStv. Karin Renner (SPÖ) nach Annaberg gekommen. Vor der Feierstunde fand ein gemeinsamer Sternmarsch von Rettungskräften und Polizisten statt.

Es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Vor einem Jahr, am 17. September 2013, sind drei Polizisten, ein Sanitäter und ihr Mörder in Niederösterreich ums Leben gekommen, als Fahnder einen Wilderer suchten. Alois Huber durchbrach kurz nach Mitternacht in Annaberg (Bezirk Lilienfeld) eine Straßensperre und eröffnete das Feuer.

Auf der Flucht kam der 55-Jährige mit dem Auto von der Straße ab und prallte gegen einen Zaun. Huber schoss dann in einen Streifenwagen und tötete einen 38-jährigen Cobra-Beamten. Ein zufahrendes Rettungsfahrzeug geriet ebenfalls ins Visier des Schützen, ein 70-jähriger Sanitäter wurde tödlich getroffen. Auf seiner weiteren Flucht zu Fuß stieß Huber bei Lassinghof auf eine Streife und feuerte auf die im Wagen sitzenden Beamten. Der 51-jährige Lenker kam ums Leben, der Wilderer zog den Toten aus dem Auto und warf ihn auf die Straße. Er tötete auch den zweiten Polizisten (44) und fuhr im Streifenwagen mit der Leiche zu seinem Anwesen in Großpriel bei Melk. Dort verschanzte er sich.

Ein Großaufgebot an Beamten, darunter Dutzende Cobra-Kräfte, umstellte in der Folge den Vierkanthof. Auch drei Panzer des Bundesheeres rückten an, Hubschrauber wurden angefordert. Immer wieder schoss Huber aus dem Haus. Erst Stunden später drangen Beamte in den Hof ein.

Bilder vom 17. September 2013

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

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foto mit Alois Huber werden von Nachbarn auf der G…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

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Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

polizei

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH: BLUTSPUREN

Police stand near the villages of Grosspriel and K…

Geheimraum im Keller

In einem Geheimraum im Keller stießen sie schließlich auf die verbrannte Leiche des Täters. Huber hatte Feuer gelegt, bevor er sich mit einem Kopfschuss tötete. (den ausführlichen Bericht mit Hintergründen, Reaktionen und Interviews lesen Sie hier)

Monatelange Ermittlungen waren die Folge. In dem Geheimraum stieß die Polizei auf ein enormes Waffenarsenal, unzählige Jagdtrophäen und andere gestohlene Gegenstände. Fast drei Monate nach der Bluttat, am 19. Dezember, war die Sicherstellung der gestohlenen Gegenstände, u.a. 305 Schusswaffen, Munition, 90 Hirsch- und etwa 500 Reh- sowie 100 weitere Jagdtrophäen, abgeschlossen. Insgesamt wurden Alois H. 108 Straftaten in mehreren Bundesländern zugerechnet, der Schaden wurde mit 9,8 Millionen Euro beziffert.

Die Flucht des Alois Huber:

Evaluierungsbericht

Für die Polizei ist der Fall abgeschlossen: Ende Mai wurde ein Evaluierungsbericht vorgestellt. Der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, sagte zum Jahrestag der Bluttat: "Wir haben alles erhoben, was für uns von Interesse war." Der Fall sei für die Exekutive eine Novität gewesen: "Es bleibt jemand am Tatort und sucht bewusst diese Konfrontation - mehrfach", schilderte Kogler das Geschehen. Alois Huber habe ein "atypisches Verhalten" an den Tag gelegt. Durch den Selbstmord des 55-Jährigen seien aber letztlich nicht alle Fragen zu beantworten gewesen.

Eine Folge des Evaluierungsberichts war die Neubewertung der Tragepflicht der Schutzwesten: Anders als zuvor habe man eindeutig festgelegt, "bei gefahrengeneigten Tätigkeiten zumindest die leichte Schutzweste zu tragen", ergänzte der Leiter der Einsatzkommandos (Eko) Cobra, Bernhard Treibenreif. Es sei denn, wesentliche einsatztaktische Überlegungen sprechen dagegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Empfehlungen aus dem Evaluierungsbericht soll in Kooperation mit dem Bundesheer umgesetzt werden. Dabei geht es um die Verfügbarkeit gepanzerter Fahrzeuge, wie es in dem Bericht angesprochen wurde. Kogler will auch, dass in Zukunft bei bestimmten Einsatzlagen immer ausgebildete Rettungssanitäter dabei sind. Mit den Rettungsorganisationen sollen darüber hinaus entsprechende Prozesse für die Zusammenarbeit überlegt werden.

Zudem kritisierte ein Gutachter die von der Polizei verwendete Munition als nicht mehr "zeitgemäß". Die Polizei habe den Wilderer trotz der Abgabe Dutzender Schüsse nicht stoppen können.

Ungereimtheiten?

Für die FPÖ birgt der Evaluierungsbericht hingegen einige Ungereimtheiten. Die "öffentliche Darstellung ist widersprüchlich zu den internen Ergebnissen", sagte Bundesrat Werner Herbert, gleichzeitig auch Vorsitzender der Freiheitlichen Exekutivgewerkschaft AUF. Eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft wurde angekündigt.

Gedenkstein für die Opfer

Am Mittwoch wird für die Opfer von Alois Huber ein Gedenkstein errichtet. Dem Festakt werden hochrangige Vertreter des Innenressorts ebenso wie des Roten Kreuzes beiwohnen, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager. Der 7,5 Tonnen schwere Gedenkstein, der an die Opfer erinnern soll, wird seinen Platz an der Kreuzung der B20/B28 in Annaberg haben. Zur Enthüllung des Steines ist auch ein gemeinsamer Sternmarsch von Rettungskräften und Polizisten geplant.

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