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Sorge in Mödlinger Innenstadt: Viele Geschäfte stehen leer

Schließungen, keine Nachfolger. ÖVP sieht Schuld bei rot-grüner Stadtregierung, die wirft der Volkspartei vor, die Stadt schlechtzureden.
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Geschäftesterben in der Innenstadt, während Einkaufszentren an der Peripherie boomen. Ein Problem, das viele Kommunen seit Langem plagt. In Mödling war diese Entwicklung in vergangenen Jahren noch eher abgemildert. Seit mehreren Jahren konnte man sogar die niedrigste Leerstandsquote österreichweit vermelden.

Mittlerweile bereiten aber auch hier zahlreiche Geschäftsschließungen der Stadtpolitik Kopfzerbrechen. Die ÖVP macht dafür die rot-grüne Rathaus-Koalition verantwortlich - diese wirft der Volkspartei im Gegenzug parteipolitische Motive vor.

Wirtschaftsbund-Stadtobmann Matthias Pfeiler spricht von „spürbarem Druck auf den lokalen Handel, der mittlerweile in fast jeder Straße unserer Innenstadt sichtbar ist". Aufgabe als Oppositionspartei sei es "sachlich auf diese Fehlentwicklungen hinzuweisen". Pfeiler meint: "Wenn die Stadtregierung uns vorwirft, wir würden alles nur schlechtmachen, verkennt sie die Realität auf den Einkaufsstraßen."

Leerstände in der Innenstadt

Denn mittlerweile seien "auch traditionelle Top-Lagen und langjährige Leitbetriebe" betroffen. So hat etwa die Mode-Marke Benetton ihre Filiale am Mödlinger Freiheitsplatz aufgelassen, das traditionsreiche Herrenmode-Haus Schiller wird mit Juli wegen Pensionsantritts geschlossen, Nachfolger wurde keiner gefunden. Leer stehen außerdem die "Klosterbar", die „World of Art“ sowie die angrenzende "Boutique Choice". Das “Stehachterl” und ein ehemaliger Juwelier an der Hauptstraße kommen hinzu - dort schloss auch der Second-Hand Laden des Roten Kreuzes seine Pforten. In der Brühlerstraße verlor die Innenstadt mit dem Geschäft "Kunst & Handwerk" auch den Postshop.

"Keine Nachnutzung zeigt sich zudem bei markanten, ehemaligen Flächen wie jenen von dem TV-Shop am Deutsch Platz, der Boutique Krammer sowie dem bekannten Standort Waldi“, kritisiert Wirtschaftsbund-Obmann Pfeiler. Er sieht die Gründe dafür in "den anhaltenden Diskussionen rund um die Ausweitung der Blauen und Grünen Zonen". Diese würden "die Kaufmannschaft massiv belasten". Weder eine Ausweitung der "blauen" Kurzparkzonen, noch eine Einführung neuer "grüner Zonen" werde abgelehnt. Man fordere "ein professionelles, aktives Leerstandsmanagement, anstatt durch ideologische Parkplatz-Streichungen neue Barrieren für den Handel aufzubauen."

"Gratis-Parkplätze für Kunden"

ÖVP-Stadtparteiobmann Gert Zaunbauer, einst Wirtschaftsstadtrat, meint: “Es tut weh, mitansehen zu müssen, wie der Leerstand langsam, aber stetig sich wie ein Krebsgeschwür in der Mödling-Meile ausbreitet. Schmerzhaft vor allem, da Mödling in meiner Zeit als Wirtschaftsstadtrat vier Mal in Folge den Titel 'geringster Leerstand Österreichs' ausgezeichnet wurde. Die Grün-Rote Stadtregierung verärgert mit den kostenpflichtigen Grünen und Blauen Parkplatzkonzepten Wirtschaft und Bürger gleichermaßen. Die parallel stattfindende und der rein ideologisch-getriebene Parkplatz-Abbau verschlimmert die Situation zusätzlich. Es müssen Gratis-Parkplätz für Kunden und für Angestellte unserer Betriebe geschaffen, nicht abgebaut werden.”

Zwei Männer stehen vor einem Geschäft

Die Mödlinger Wirtschaftsbund-Funktionäre Johannes Stephan Schriefl und Matthias Pfeiler (r.) vor der geschlossenen Benetton-Filiale am Freiheitsplatz.

Von Betrieben werde bemängelt, dass "eine klare Strategie zur Attraktivierung des Standorts und zur aktiven Betriebsansiedlung durch die aktuelle Stadtspitze derzeit fehlt", so Pfeiler. Der städtische “Parkplatz-Kahlschlag” durch einen Ausbau von Grüninseln, Vergrößerung von Baumscheiben oder "das Aufstellen von kaum verwendeten Leih-Bike-Boxen" würden die Parkplatzsituation zusätzlich verschärfen.

Auch das von Bürgermeisterin Silvia Drechsler (SPÖ) geplante „Naschmarkt“-Konzept am Freiheitsplatz sehe man kritisch. Ein Umbau des Platzes, der einen Wegfall von Parkplätzen zur Folge hätte, sei "aus Sicht vieler Unternehmer der absolute Todesstoß für zahlreiche Betriebe in der Fußgängerzone".

"Parteipolitische Motive"

SPÖ-Klubsprecher Stephan Schimanowa bezweifelt dies. "Denn Mödling ist nach wie vor die Stadt mit den niedrigsten Leerstand. Hier geht es nicht um echte Sorge um Mödling, sondern um parteipolitische Motive", sagt er. "Man will die Stadt schlechtreden, damit sich der Herr Zaunbauer als Retter präsentieren kann, der er aber nicht ist."  

Schließungen oder das Fehlen von Nachfolgern hätten in vielen Fällen "nichts mit der Stadt zu tun", meint Schimanowa. "Benetton sperrt zum Beispiel nicht nur in Mödling, sondern Filialen in ganz Österreich, zu." Die ÖVP liste auch Leerstände auf, die schon unter ÖVP-Bürgermeistern und Wirtschaftsstadträten existiert hätten. Und die Schließung von Geschäften habe "sicher nichts mit unseren Plänen zur Parkraumbewirtschaftung zu tun", ist der SP-Sprecher überzeugt. "Das widerspricht allen Erfahrungen."

Die geplante Ausweitung der Kurzparkzonen hänge direkt mit dem Bestreben der Stadtregierung zusammen, ein neues Parkdeck in der Innenstadt zu bauen: "Rund um ein solches Parkdeck muss es Kurzparkzonen geben, damit es angenommen wird. So viel wirtschaftlicher Hausverstand ist auch dem Herrn Zaunbauer zumutbar."

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