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Chronik Niederösterreich
10/15/2021

Mobilitätswende: Was Niederösterreich von Hamburg lernen kann

Hamburg will den Autoanteil drastisch reduzieren, stattdessen sollen das Öffi-Netz und Radwege ausgebaut werden. Was kann NÖ daraus lernen?

von Johannes Weichhart

Hamburg hat sich ein Ziel gesetzt. Ausgerechnet in der zweitgrößten Metropole Deutschlands, wo die Zahl der zugelassenen Pkw und Lkw in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, soll die Mobilitätswende gelingen. Bis 2050 will die Hansestadt klimaneutral sein, bis 2030 im Hamburger Verkehr mehr als 1,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Unterm Strich bedeutet das, dass der Umweltverbund (Öffis, Rad- und Fußverkehr) am Ende des Weges 80 Prozent betragen muss.

Der "Hamburg-Takt"

Kann das Projekt der rot-grünen Regierung gelingen? „Ja“, sagt Staatsrat Martin Bill, Chef der Behörde für Verkehr & Mobilitätswende. Wenn er über das Vorhaben berichtet, dann fällt überraschend selten der Begriff „Klimaschutz“. Bill glaubt, dass man die Bürger auf andere Weise begeistern muss. „Mobilität hat etwas mit Freiheit zu tun. Uns muss es gelingen, dieses Freiheitsgefühl durch den öffentlichen Verkehr zu erzeugen.“ Das heißt, dass man künftig ohne Auto innerhalb von fünf Minuten ein alternatives Mobilitätsangebot bekommen soll. Titel: Der „Hamburg-Takt“.

Unter den aufmerksamen Zuhörern des Staatsrates, der am ITS Weltkongress spricht, sind auch nö. Landesrat Ludwig Schleritzko, Wolfgang Schroll, Geschäftsführer des Verkehrsbundes Ost-Region und Verkehrsplaner Werner Pracherstorfer. Sie reisten in den Norden Deutschlands, um sich Ideen für NÖ zu holen. Klar ist allen Beteiligten, dass es zum Gelingen der Mobilitätswende einer gewaltigen Kraftanstrengung bedarf – sowohl finanziell als auch in der Kommunikation.

Radschnellwege

Alleine in den Ausbau der Radwege sollen bis zu 80 Millionen Euro investiert werden. Dazu wurde ein insgesamt 300 Kilometer langes Radschnellwegenetz entwickelt, das sich an eine halbe Million Pendler richtet. Die Pläne liegen laut Koordinatorin Susanne Elfferding auf dem Tisch, nun gehe es an die Umsetzung. Gleichzeitig schreckt man nicht davor zurück, die Parkgebühren deutlich zu erhöhen.

Immer stärker setzt Hamburg auch auf E-Busse, bis 2030 soll die gesamte HVV-Flotte von rund 1.700 Bussen auf emissionsfreie Antriebe umgestellt sein. Ein Thema, das bei Schleritzko und Schroll auf besonderes Interesse stößt. Denn auch in NÖ soll bei der Personenbeförderung stärker auf grüne Energie gesetzt werden. 2022 startet am Schweinbarther Kreuz (Bezirk Gänserndorf) deshalb eine Elektro-Bus-Linie. Die Ausschreibungen sind bereits abgeschlossen, das Projekt werde in weiterer Folge laufend evaluiert. Ein wichtiges Signal: Immerhin fallen 40 Prozent des Öffi-Angebots im Bundesland auf Busstrecken.

Welche Eindrücke nimmt Schleritzko von seiner Reise mit? „Wenn es um die Mobilitätswende geht, dann sind wir ebenfalls schon sehr weit. Auch wir bauen Radwege und den Öffi-Verkehr aus“, sagt der Mobilitätslandesrat im KURIER-Gespräch.

Allerdings sei Niederösterreich ein Flächenbundesland und deshalb mit einer Großstadt nicht vergleichbar. „Es braucht den richtigen Mix an Angeboten. Klar ist, dass es ganz ohne Auto bei uns nicht gehen wird.“

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