Chronik | Niederösterreich
29.09.2017

Missbrauchsfall: Demo vor Stift

Plattform fordert vollkommene Aufklärung des Falls aus dem Jahr 1993.

Die "vollständige Aufklärung und eine angemessene Entschädigung des Opfers" fordert die Plattform "Betroffene Kirchlicher Gewalt" in der Causa eines Missbrauchsfalls aus dem Jahr 1993 im Stift Klosterneuburg. Dazu soll heute, Freitag, ab 13 Uhr eine Demonstration am Rathausplatz in Klosterneuburg vor der Gemeinderatssitzung stattfinden.

"Obwohl so viele Fakten am Tisch liegen, mauert und vertuscht die Kirche und entzieht sich ihrer Verantwortung", meint Sepp Rothwangel, Obmann der Plattform. Man mutmaßt Ungereimtheiten in der Causa. Das Stift solle die Verbrechen anzeigen und den Betroffenen Entschädigungen zahlen. Laut Rothwangel gebe es die Tendenz, "wenn so etwas passiert, dass es unter den Teppich gekehrt wird, um den Anschein zu wahren." Er geht davon aus, dass es rund um den Fall noch weitere Opfer gibt.

Auch der Gemeinderat der Stadt Klosterneuburg wird aufgefordert, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Gemeinderätin Teresa Arrieta, Obfrau der Bürgerliste PUK, verlangt in einem offenen Brief, dass der Propst die Widersprüche aufklären möge und sich der Gemeinderat zur moralischen Verantwortung des Stifts äußern solle. Vorgeworfen wird Propst Backovsky, dass er den Täter gedeckt und dessen berufliches Weiterkommen in Deutschland als Pfarrer gefördert habe. "Die Widersprüche zwischen dem, was das Stift, und dem, was die Mitbrüder erzählt haben, klaffen auseinander. Es ist die Pflicht des Gemeinderats – im Interesse des Ansehens der Stadt – sich mit dem Probst auseinanderzusetzen", sagt Arrieta. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) möchte keine Stellungnahme abgeben.

Opferschutz

Im Stift Klosterneuburg habe man nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls von 1993 alles getan, um der Sache nachzugehen, meinte dazu Sprecher Walter Hanzmann am Donnerstag. Alte Protokolle wurden ausgehoben, aus denen hervorging, dass der damalige, 1997 verstorbene Propst Gebhard Koberger unmittelbar reagiert und den betreffenden Augustiner-Chorherren suspendiert hatte.

Hanzmann verwies unter Hinweis auf ein Sechs-Augen-Gespräch auf den Aspekt des Opferschutzes, der nun verletzt werden könnte: Mutter und Sohn wollen unbedingt anonym bleiben, hätten jetzt aber Sorge, dass ihre Namen bekannt würden. Die Dame habe ihm versichert, dass sie 1993 den Schutz ihres Kindes sicherstellen wollte, was nach ihrem Gespräch mit Koberger und dem ebenfalls verstorbenen Dechant durch die Entfernung des Geistlichen aus dem Kloster geschehen sei. Sie habe den Fall aber – ebenfalls zum Schutz des Buben – nicht anzeigen wollen.