Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand in der Fabrik

© Einsatzdoku

Chronik Niederösterreich
04/28/2020

Millionenbrand: Zündler soll auch Tod von Baby verschuldet haben

Weil nach dem gewaltsamen Tod seines Sohnes gegen den 23-Jährigen ermittelt wurde, soll dieser die Mayr-Melnhof Fabrik angezündet haben.

von Patrick Wammerl

Ein Großbrand hatte im Februar in der Mayr-Melnhof-Papierfabrik im Bezirk Neunkirchen einen Schaden von neun Millionen Euro verursacht. 200 Arbeitsplätze stehen seither auf dem Spiel. Brandermittler des nö. Landeskriminalamtes um Chefinspektor Erich Rosenbaum haben nun das Rätsel um das Feuer gelöst und einen mutmaßlichen Brandstifter ausgeforscht. Ein Mitarbeiter hat am Montag gestanden, das Feuer in der Fabrik gelegt und damit einen Millionenschaden verursacht zu haben. Und der Verdacht gegen Fabian A. (23) wiegt noch viel schwerer. Auch im Zusammenhang mit dem Tod seines Kindes wird gegen den Laderfahrer ermittelt, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl.

Es war am 16. Jänner dieses Jahres, als es in der Wohnung von Fabian A. und seiner Frau im Bezirk Neunkirchen zu einem dramatischen Zwischenfall kam. Der vier Monate alte Ben-Daniel hatte das Bewusstsein verloren und wurde von seinem Vater gerade reanimiert, als die Mutter von einer Besorgung nach Hause kam. Der Säugling wurde in kritischem Zustand mit dem ÖAMTC-Notararzthubschrauber ins SMZ-Ost nach Wien geflogen, wo er Tage später starb.

Knochenbrüche und Hirnblutung

Aufgrund von diagnostizierten Knochenbrüchen und Hirnblutungen äußerten die Ärzte im Krankenhaus sofort den Verdacht der schweren Kindesmisshandlung. Die Klinik schaltete die Polizei ein und erstattete Anzeige. Der Bub hatte deutliche Anzeichen eines Schütteltraumas. „Wir haben danach die Obduktion des Kindes angeordnet,  das schriftliche Gutachten dazu ist noch ausständig. Die Eltern verantworteten sich bisher in den Einvernahmen leugnend. Es wird wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt“, erklärt Habitzl.

 

Nur kurze Zeit nach der Tragödie ist der unter Tatverdacht stehende Vater erneut ins Visier der Kriminalisten geraten. Während der Erhebungen zum Tod seines Kindes hatte Fabian A. in der Nacht zum 23. Februar Schichtdienst in der Mayr-Melnhof Papierfabrik, als gegen 22.45 Uhr ein verheerendes Feuer die 4000 Quadrameter große Lagerhalle des Betriebes in Schutt und Asche legte. Wie die Ermittlungen von Spezialisten des Landes- und Bundeskriminalamtes sowie der Kriminaltechnischen Zentralstelle (KTZ) ergaben, hatte jemand in dem Abschnitt der Lagerhalle Feuer gelegt, wo sich die Docks zur Be- und Entladung der Lkw befinden.

Den Druck nicht augehalten

Bei der Überprüfung aller Personen, die in besagter Nacht an der Entladestation zu tun hatten, stießen die Kriminalisten auf Fabian A.. Wie Bilder der Videoüberwachung zeigen, war er vor dem Feuer als 23-jährige Laderfahrer in dem Bereich unterwegs. Konfrontiert mit den belastenden Beweisen legte der Tatverdächtige am Montag ein umfangreiches Geständnis gegenüber den Brandermittlern ab. Weil gegen ihn nach dem Tod seines Sohnes ermittelt wurde, habe er den Druck nicht mehr ausgehalten, so die Verantwortung des jungen Mannes. Deshalb, so sein Geständnis, hat er in der besagten Nacht mit einem Feuerzeug und Karton mehrere Paletten in der Fabrik in Brand gesteckt. "Er ist dann an seinen Arbeitsplatz zurückgegangen und hat den Feuerwehreinsatz abgewartet", sagt ein Brandermittler.

Für den Leiter des nö. Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner, war es die ausgezeichnete kriminalistische Arbeit seiner Ermittler, die schließlich zu dem Geständnis führte. „Ermittlungen nach Brandstiftungen sind kriminalistische Feinarbeit auf hohem Niveau. Umso mehr freut es mich, dass meine Ermittler diesen Fall mit sehr hoher Schadenssumme aufklären und den Täter festnehmen konnten.“

Fabian A. wurde in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft wird die Untersuchungshaft beantragen.

Anwalt bestreitet Vorsatz

Laut dem Anwalt des Beschuldigten steht die Brandlegung klar außer Zweifel. „Nach dem Tod von Ben ist der Druck für ihn einfach zu groß geworden. Er wollte aber sicher keinen Großbrand verursachen, sondern mit einem kleinen Feuer Aufmerksamkeit erzeugen“, sagt Verteidiger Dietmar Krammer. Was die Vorwürfe wegen des toten Säuglings anbelangt, weißt der 23-Jährige jede Schuld von sich. „Das Kind hatte seit der Geburt gesundheitliche Probleme und wurde immer wieder ohnmächtig. So auch an dem Tag. Er hat den Buben unter telefonischer Anweisung der Rettungsleitstelle reanimiert und immer wieder geschüttelt, damit er zu sich kommt. Die Verletzungen können nur daher rühren“, so Krammer. Ein Vorsatz, das Kind zu verletzten, habe sicherlich nie bestanden.

Brandstifter bekam vier Jahre

Das Feuer in der Mayr-Melnhof-Fabrik hatte Erinnerungen an das Jahr 2009 wach werden lassen. Damals hat ein Brandstifter wochenlang das Unternehmen in Atem gehalten und nach sechs Brandstiftungen einen Großteil der Mayr-Melnhof -Papierfabrik in Schutt und Asche gelegt. Ein 23-jähriger Feuerwehrmann und Mitarbeiter des Betriebes wurde schließlich gefasst und damals zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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