Gemeinsam gegen den Amtsschimmel: Hilfe bei der Integration
Gabriele Tauscher (re.) unterstützt seit Herbst 2025 Migranten bei der Integration. Das Projekt läuft im Bildungszentrum von Pischof
Sozialversicherungsnummer, Geburtsurkunde, Meldezettel, E-Card, ID-Austria, Personalausweis – wer in Österreich lebt, braucht viele Dokumente und dafür noch mehr Behördenwege. Schon für Einheimische ist das schwierig. Für Menschen, die erst seit Kurzem im Land sind, ist es eine fast unüberwindbare Hürde.
Sprachvermittlung und Berufsberatung
Unterstützung finden Migranten oder Asylwerber seit 15 Jahren bei der Integrationsberatung des Caritas Bildungszentrums in Wiener Neustadt. „Wir helfen bei Anträgen, Behördenprozessen, Sprachvermittlung und Berufsberatung. Bei dem, was notwendig ist, wenn man in Österreich ankommt“, erklärt Teamleiterin Christina Pischof.
Doch Beratung alleine ist oft nicht ausreichend. Seit einigen Jahren gebe es Bedarf nach umfangreicherer Hilfestellung, meint Pischof. Und diese leisten bei dem Projekt „Treffpunkt Miteinander“ seit März 2025 Freiwillige – von der Studentin bis zur Pensionistin.
Sortieren und Begleiten
„Die Klienten brauchen umfassende Unterstützung, was die Beratung alleine nicht leisten kann“, erklärt die Chefin. Etwa das Sichten der Dokumente. „Sie kommen mit einem Stapel zur Beratung, doch alleine das Ordnen bräuchte 20 Minuten.“ Zeit, die dann abgeht. Hier springen nun Iman Elkhaled, Gabriele Tauscher und ihre 21 Kollegen ein. Sie übernehmen Vor- und Nachbereitung der Beratungstermine, agieren als Dolmetscher oder begleiten Migranten zu den Ämtern. Zudem recherchieren die Freiwilligen zu Neuerungen und Änderungen bei Abläufen und Rechtslage. „Sie helfen, die Tipps aus der Beratung praktisch umzusetzen“, sagt Pischof.
Vielfach ist die Sprachbarriere schuld, dass Migranten trotz umfassender Beratung Probleme bei der Integration haben. Sprachkenntnisse seien sehr basal, Behördentexte aber sehr kompliziert. Zudem sei ihre Kultur eine andere, Prozesse und Vorgänge unbekannt. „In Syrien gibt es diese Behördenwege nicht“, erklärt Elkhaled. Da brauche ein Neugeborenes etwa nur eine Geburtsurkunde.
Das Projekt bringt nicht nur einen Benefit für die Betroffenen selbst, auch Behördenmitarbeiter werden dank Dolmetsch oder paraten Unterlagen entlastet. Und: „Man gewinnt eine neue Perspektive“, sagt Tauscher. „Ich habe gewusst, dass der Amtsschimmel reitet. Aber wie extrem, wusste ich nicht.“ Menschlichkeit, sagt sie, habe bei Bürokratie wenig Platz.
Journaldienst
34 Menschen haben sich seit Start des Projektes engagiert. Manche nur kurz, andere – wie Iman Elkhaled – seit dem ersten Tag. 1855 Mal konnte Klienten geholfen werden. Eigentlich, so erinnert sich die frühere Dolmetscherin, hatte sie damals ihren Vater zu einer Beratung begleitet. Im Bildungszentrum lief Elkhaled dann Projektleiterin Agnes Luschnitzky über den Weg und ließ sich begeistern.
Zwei Mal pro Woche wird nun ein Journaldienst besetzt. In den ersten Wochen seien dort maximal zwei Klienten erschienen. Mittlerweile werden in zwei Stunden durchaus 23 Menschen betreut. „Man merkt, die Leute erzählen das in ihren Communitys“, sagt Tauscher.
„Es ist bereichernd“
Sie ist seit November des Vorjahres dabei. Ihr Sohn habe sie ins Team geholt, nachdem sie 42 Jahre in der Pflege tätig war und in der Pension noch etwas Sinnvolles machen wollte. „Es ist so bereichernd. Es ist schön, zu sehen, wie man helfen kann.“ Erst kürzlich habe sie etwa für eine 14-Jährige mit Behinderung einen Schulplatz gefunden. „Ich habe mich mit der Mutter zusammengesetzt und mich dann durchgefragt.“
Elkhaled konnte für einen schwer kranken Senior einen Besuch beim Amtsarzt organisieren, nachdem er aufgrund seiner fehlenden Arbeitsfähigkeit zwischen Sozialamt und AMS hin- und hergeschoben worden war. „Ich mache das so gerne. Das fließt in meinem Blut“, sagt sie.
Finanziert wird das Projekt durch Spenden, der Betrieb ist bis Ende des Jahres gesichert. Wie es danach weitergeht, ist derzeit noch offen. Freiwillige werden jedoch weiterhin gesucht. Gerne auch welche mit Arabischkenntnissen.
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