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Caritas: „Wir wollen Pflegekräfte nicht mehr aus Osteuropa anwerben“

Christoph Riedl von der Caritas St. Pölten über ein Pilotprojekt, bei dem Pflegekräfte aus Pakistan nach Österreich geholt werden.
Christoph Riedl mit Brille und Tattoo sitzt auf einer Treppe vor einem dunklen Eingang.

Christoph Riedl ist Generalsekretär der Caritas der Diözese St. Pölten. Gemeinsam mit dem KURIER ist er nach Pakistan gereist, um Pflegekräfte zu besuchen, die zukünftig in Österreich arbeiten werden.

KURIER: Pakistan war in den vergangenen Wochen verstärkt in den internationalen Medien präsent, weil das Land bei Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran eine wichtige Rolle gespielt hat. Wie haben Sie diesbezüglich die Stimmung hier erlebt?

Christoph Riedl: Pakistan wird international häufig vor allem mit Terrorismus oder Unsicherheit in Verbindung gebracht. Viele wünschen sich, dass ihr Land differenzierter wahrgenommen wird und als konstruktiver Partner in der internationalen Gemeinschaft gesehen wird. Die Gespräche haben vielen Menschen das Gefühl gegeben, dass Pakistan auf der Weltbühne auch eine positive Rolle spielen kann.

Sie wollen nun Pflegekräfte nach Österreich holen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. 

Ja, wir haben gemeinsam mit unserem Partner MALC, der in Pakistan unter anderem ein Krankenhaus betreibt, ein Pilotprojekt gestartet. Im ersten Schritt sprechen wir von zehn bis fünfzehn Personen, wobei zunächst wahrscheinlich vier Pflegekräfte nach Österreich kommen werden. Für uns ist das ein wichtiges Lernprojekt. Wir wollen Erfahrungen sammeln, mögliche Hürden erkennen und herausfinden, wie wir diesen Weg langfristig verantwortungsvoll gestalten können.

Entzieht man damit aber nicht umgekehrt Pakistan die benötigten Fachkräfte?

Die Diskussion über den sogenannten Brain Drain ist uns sehr bewusst. Für uns ist klar, dass wir Pflegekräfte nicht mehr aus osteuropäischen Ländern anwerben wollen, wie das in der Vergangenheit häufig passiert ist. Denken wir etwa an die 24-Stunden-Betreuung: Viele Menschen kommen aus Rumänien, Polen oder den Balkanländern. Diese Staaten stehen inzwischen selbst vor erheblichen demografischen Herausforderungen und benötigen ihre Pflegekräfte dringend. Dort Personal abzuwerben, halten wir nicht für verantwortungsvoll.

Was ist in den Drittstaaten anders?

Pakistan hat eine sehr junge und wachsende Bevölkerung. Entscheidend war für uns aber noch ein weiterer Punkt: Für jede Pflegekraft, die über unser Projekt nach Österreich kommt, finanzieren wir gleichzeitig ein Stipendium für eine weitere Person in Pakistan, die eine Pflegeausbildung absolvieren kann und anschließend im Land bleibt. Damit wollen wir verhindern, dass unsere Zusammenarbeit zulasten der lokalen Versorgung geht.

Die Pflegekräfte lassen ihre Familien zurück. ist das nicht auch schwierig?

Ich hätte nicht erwartet, wie groß der Wunsch vieler Pflegekräfte ist, nach Österreich zu kommen. Beeindruckend war auch, wie stark ihre Familien diesen Schritt unterstützen. Man muss wissen, dass es in Pakistan durchaus üblich ist, für Ausbildung oder Beruf in eine andere Region oder sogar ins Ausland zu gehen. Besonders beeindruckt hat mich das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird. Eine Familie, die wir besucht haben, vertraut uns ihre 25-jährige Tochter an, die unverheiratet nach Österreich kommen wird. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Sollen die Pflegekräfte für immer hierbleiben?

Wenn sie langfristig in Österreich bleiben möchten, gibt es rechtliche Möglichkeiten, später auch die Familie nachzuholen. Vielleicht entscheiden sich manche aber auch nach einigen Jahren für eine Rückkehr nach Pakistan und bringen ihr erworbenes Wissen dort ein. Beides ist möglich. Niemand verpflichtet sich, für immer in Österreich zu bleiben. Es soll für beide Seiten eine Chance sein.

Was tut die Caritas konkret, damit sich diese Menschen in einem völlig neuen Umfeld gut zurechtfinden?

Die Vorbereitungen starten bereits in Pakistan mit Deutschkursen. In Österreich stellen wir ihnen Wohnraum direkt bei unseren Einrichtungen zur Verfügung. Darüber hinaus werden sie von erfahrenen Kollegen bewusst bei ihrem Start begleitet. Sie helfen ihnen dabei, unsere Kultur, unsere Gesellschaft und den Arbeitsalltag kennenzulernen, und stehen ihnen auch persönlich zur Seite. Denn natürlich bedeutet der Umzug nach Österreich einen Kulturschock. Dabei geht es nicht nur um das deutlich kühlere Klima.

Zum Abschluss: Haben Pakistan und St. Pölten auch etwas gemeinsam?

Ich würde sagen: die Menschen. Wenn man miteinander ins Gespräch kommt, begegnet man auf beiden Seiten großer Offenheit und Herzlichkeit. Freundliche Menschen sind letztlich überall das, was einen Ort besonders macht.

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