Schauplatz der Bluttat war der Utoya-Park neben dem Bahnhof

© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
08/31/2019

Messerattacke nach knapp 2000 Betretungsverboten

Wiener Neustadt hat seit 2017 polizeiliche Schutzzonen. Am Donnerstag kam es in einer zu einem Mordversuch.

von Patrick Wammerl

Um der Drogen- und den Auswüchsen der Bandenkriminalität Herr zu werden, hat die Polizei im Mai 2017 am Wiener Neustädter Bahnhof sowie im Stadt- und später auch im Esperantopark polizeiliche Schutzzonen verhängt. Seither wurden knapp 1.950 Betretungsverbote gegen Kriminelle und Unruhestifter ausgesprochen.

Wie prekär die Lage dennoch ist, hat eine Messerattacke mit lebensgefährlichen Folgen Donnerstagabend deutlich gemacht. Der 30-jährige Asylwerber Morteza M. war in der Vergangenheit über Stationen in Salzburg-Bergheim und Neunkirchen nach Wiener Neustadt gekommen und in der Schutzzone bereits polizeilich aufgefallen. Weil er sich nicht an das gegen ihn ausgesprochene Betretungsverbot hielt, wurde der mutmaßliche Drogendealer kürzlich angezeigt.

Utoya-Park

Trotz des Verbotes hielt er sich im Utoya-Park neben dem Bahnhof auf. Der Park wurde im Gedenken an die 77 Opfer des Massakers auf der norwegischen Ferieninsel so benannt. Donnerstagabend fand dort die Bluttat statt.

Morteza M. soll mit dem 28-jährigen Burgenländer Andreas H. in Streit geraten sein. Ob es dabei um Drogen ging, ist Gegenstand von Ermittlungen. Wie Zeugen berichten, soll der Asylwerber seinem Kontrahenten ein Messer in die Brust gerammt haben. Die Polizei konnte den Flüchtenden rasch festnehmen. Andreas H. wurde durch den Angriff schwerst verletzt.

Er musste im Landeskrankenhaus Wiener Neustadt mehrere Stunden notoperiert werden und befindet sich auf der Intensivstation. Einige Augenzeugen des Messerangriffes mussten vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes betreut worden.

Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, fehlt von der Tatwaffe noch jede Spur. Unklar ist auch die genaue Herkunft des Verdächtigen. Es soll sich bereits als Afghane aber auch als Iraner ausgegeben haben. Die Überprüfungen dazu laufen.

Politik

Der Vorfall hat auch heftige politische Reaktionen aus dem Rathaus zur Folge. „Die Bevölkerung hat kein Verständnis mehr dafür, dass es immer häufiger zu solchen Delikten kommt. Wenn jemand mehrfach straffällig wird, egal ob aus dem Suchtmittelmilieu oder als Zuwanderer braucht es sofortige Maßnahmen“, sagt Vizebürgermeister Michael Schnedlitz (FPÖ).

„Ich fordere den Justizminister auf, umgehend Schritte in die Wege zu leiten, damit unsere Bevölkerung wieder sicher ist und die Exekutive in so vielen Fällen nicht mehr tatenlos zusehen muss, sondern die Befugnis hat, zu handeln“, so der Vizebürgermeister von Wiener Neustadt.