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Boom hält an: Die Suche nach dem Glück am Pilgerweg

Immer mehr Menschen schnüren die Wanderschuhe und machen sich auf den Weg zu heiligen Orten. Die Gründe sind vielfältig.
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Anton Höhlmüller packt seinen Rucksack. Ein paar Äpfel, eine große Wasserflasche, je nach Wetter einen Pullover oder eine Regenjacke – mehr braucht er nicht. Seit 1983 pilgert er jedes Jahr von Purgstall (Bezirk Scheibbs) nach Mariazell in der Steiermark (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag).

An seine erste Wallfahrt erinnert er sich noch genau. „Damals war ich in der Hauptschule und hatte danach fürchterliche Blasen an den Füßen. Ich habe mir geschworen: Das mache ich nie wieder“, erzählt er und lacht. Doch er ging wieder. Und wieder. Heute organisiert er die Wallfahrt der Pfarre Purgstall selbst.

Nicht allein

Mit seiner Begeisterung ist Höhlmüller längst nicht mehr allein. „Jedes Jahr gehen um die 60 Menschen mit mir mit“, erzählt er. Im stärksten Jahr waren es 210. Immer mehr Menschen in Niederösterreich schnüren ihre Wanderschuhe und brechen zu Pilgerreisen auf.

„Wir sehen, dass sich immer mehr Menschen fürs Pilgern entscheiden. Gleichzeitig entstehen laufend neue Pilgerrouten“, sagt Yvonne Simek, Betreuerin der Destination Mostviertel bei der Niederösterreich Werbung. Die Via Sacra führt seit über 800 Jahren 120 Kilometer nach Mariazell und gilt als ältester Pilgerweg Österreichs. Die Stadt mit der Basilika ist der bedeutendste Pilgerort in Mitteleuropa. Und obwohl der Ort von vielen aufgesucht wird, hat er immer mehr Konkurrenz: Mit dem Aufschwung entstanden neue Angebote, etwa der Bernhardiweg im Waldviertel oder die Via Trinitatis im Mostviertel.

Doch warum machen sich die Menschen auf den Weg? Für Höhlmüller ist der Grund, jedes Jahr aufzubrechen, derselbe geblieben. „Ich möchte dem Herrgott Danke sagen. Das gibt mir etwas.“ Gleichzeitig will er eine Tradition weiterführen. „Die Gründer unserer Wallfahrt waren im Zweiten Weltkrieg an der Front. Sie haben gelobt, jedes Jahr nach Mariazell zu gehen, wenn sie wieder gesund nach Hause kommen. Den Gedanken möchte ich erhalten.“

Viele Gründe

Doch viele Menschen pilgern heute aus anderen Gründen. „Man muss zwischen Wallfahren und Pilgern unterscheiden“, sagt Simek. „Wallfahren ist meist religiös geprägt. Viele Pilgerinnen und Pilger suchen dagegen eine Auszeit, wollen Zeit in der Natur verbringen oder sich selbst etwas Gutes tun.“

Das macht die Motive vielfältig. Manche wollen Abstand vom Alltag gewinnen, andere suchen die sportliche Herausforderung, wieder andere sind auf der Suche nach Gott. Einige nutzen auch mehrere Tage zu Fuß, um einen Lebensabschnitt bewusst abzuschließen oder einen Neuanfang zu beginnen.

Der Trend zum Pilgern ist auch wirtschaftlich spürbar. Wandern zählt zu den wichtigsten touristischen Angeboten Niederösterreichs. Mehr als ein Viertel aller Urlaube im Bundesland entfällt auf Wanderurlaub. Pilger bleiben oft mehrere Tage oder sogar Wochen und verbringen damit mehr Zeit in der Region als viele andere Gäste.

Wirtschaftlich spürbar

Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, spricht von einem Aufschwung: „Weitwandern liegt im Trend – da Weitwandernde häufig mehrere Tage unterwegs sind, können sie dazu beitragen, die Aufenthaltsdauer zu verlängern und noch mehr Gäste für einen Urlaub in Niederösterreich zu begeistern.“

Gleichzeitig bringen Wanderurlauber und Pilgerinnen und Pilger Geld. In der Saison 2022/23 brachten die Gäste einen Umsatz von 101,6 Millionen Euro.

Für Anton Höhlmüller spielen solche Zahlen keine Rolle. Wenn er mit seiner Gruppe Richtung Mariazell aufbricht, geht es um etwas anderes: um Glaube, Gemeinschaft, Natur und die Zeit, die man sich unterwegs nimmt. Darauf freue er sich das ganze Jahr über: „Das ist ein tolles Gefühl, wenn man die Wanderschuhe schnürt und es wieder losgeht.“

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