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Chronik Niederösterreich
10/01/2019

Mädchen erwürgt und geschändet: Syrer ab heute vor Gericht

Besondere Sicherheitsvorkehrungen im Landesgericht Wiener Neustadt. Der Prozess ist öffentlich. Die Bluttat führte zu Protestmärschen.

von Patrick Wammerl

Es war eines der abscheulichsten Verbrechen der vergangenen Jahre. Manuela K. war erst 16 Jahre jung, als sie im vergangenen Jänner im Anton Wodica-Park in Wiener Neustadt erdrosselt, geschändet und die Leiche unter Ästen und Blättern verscharrt wurde. Ab heute steht der als schwer gewalttätig bekannte Ex-Freund des Mädchens am Landesgericht Wiener Neustadt vor einem Geschworenen-Jugendgericht. Der syrische Asylwerber Yazan A. muss sich wegen Mordes, Störung der Totenruhe und mehrfacher Körperverletzung und Nötigung verantworten. Weil der Syrer zum Tatzeitpunkt 19 war, gilt das Jugendstrafrecht und damit maximal 15 Jahre Haft.

Öffentlicher Prozess: "Familie will völlige Transparenz"

Unter Zurufen seiner Verwandten wurde Yazan A. begleitet von fünf Justizbeamten in den Verhandlungssaal gebracht. Auch die Familie des Opfers verfolgt den Prozess. Die Mutter der getöteten Manuela K. will nicht, dass die Öffentlichkeit vom Verfahren ausgeschlossen wird. Laut Opferanwalt Christoph Völk wurde daher auch kein Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt. „Die Familie weiß um das Schicksal des Mädchens und will völlige Transparenz“, so Völk.

"Es geht hier in dem Verfahren nicht nur um den Mord an der erst 16-jährigen Manuela. Es geht auch um eine Vielzahl weiterer Vergehen und Verbrechen", sagt die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsplädoyer.

Der Mord an Manuela K. hat die Öffentlichkeit wachgerüttelt wie kaum ein anderes Gewaltverbrechen. Mehr als 700 Menschen hatten nach der Tragödie an einem Protest- und Trauermarsch teilgenommen. Das Entsetzen und der Ärger richteten sich vor allem gegen die herrschende Gesetzeslage und die Ohnmacht der Politik.

Abschiebung blieb Yazan A. erspart

Obwohl der mordverdächtige Yazan A. als Ex-Freund des Mädchens vor dem Mord mehrmals wegen gewaltvoller Übergriffe, sexueller Belästigung, Körperverletzung und anderer Delikte angezeigt und auch verurteilt worden war, blieb ihm eine Abschiebung in seine Heimat Syrien erspart. Ein Asylaberkennungsverfahren scheiterte an den bestehenden Gesetzen und Regelungen.

Diesen Umstand kreidet vor allem die Familie des Mordopfers der Regierung an. „Dass bei einer Asylaberkennung im Vorjahr die Tat womöglich verhindert hätte werden können, macht mich traurig und wütend zugleich“, reagierte Wiener Neustadts ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger nach dem Mord äußerst scharf.

Auch Verwandten des Opfers gedroht

Die Beweislage gegen den mittlerweile 20-jährigen Syrer ist erdrückend. Laut Anklage soll er seine Ex-Freundin aus Eifersucht, Wut und Erniedrigung in der Mordnacht verfolgt und nach einem Lokalbesuch in den frühen Morgenstunden im Park neben der Wohnadresse des Mädchens abgepasst haben.

Vor der Tat veröffentlichte Yazan A. freizügige Fotos von seiner Ex-Freundin Manuela in sozialen Medien. Als ihr Stiefbruder und Großcousin ihn darauf ansprachen und verlangten, dass er die Bilder löscht, attackierte er die Beiden mit einem Messer und verletzte einen an der Hand. Er drohte die Zwei abzustechen und schrieb diese Drohung auch der Mutter des 16-jährigen Mädchens, so die Staatsanwältin.

Der Angriff auf Manuela war sehr massiv. Auch DNA und Spermaspuren des Syrers wurden sichergestellt. Nach der Tat soll der Täter seine blutverschmierte Jeans samt Gürtel in einen Mistkübel im Park entsorgt haben. Auch das Handy des Verdächtigen war zur Tatzeit in einem Sender beim Park eingeloggt. Laut Angaben eines Bekannten tauchte Yazan A. kurz nach dem Vorfall in dessen Wohnung auf, duschte und verlangte neue Kleidung. Er gab an, von Tschetschenen überfallen worden zu sein. Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, zeigt der 20-Jährige keinerlei Reue und fiel bei allen Einvernahmen durch übermäßige Arroganz und Überheblichkeit auf.