© Katharina Zach

Chronik | Niederösterreich
05/16/2019

Lokalaugenschein in S1-Tunnel: Sanierung kostet drei Millionen

Nach dem Lkw-Brand im Tunnel Rannersdorf wird Tag und Nacht gearbeitet. Der Sanierung musste sogar ein Sportplatz weichen.

Mitten in der Siedlung klafft ein Loch im Boden. Vor Kurzem war die Fläche noch Standort des Ballspielplatzes Rannersdorf. Doch nun sind dort statt jungen Sportlern Bauarbeiter zugange. Betonsägen warten auf ihren Einsatz, ein Arbeiter mit einem Bohrhammer sorgt für ohrenbetäubenden Lärm.

Dabei ist die Betriebsamkeit noch gar nichts im Vergleich dazu, was sich ein Stockwerk tiefer abspielt. Dort, im S1-Tunnel Rannersdorf, laufen nach dem verheerenden Lkw-Brand am 29. April die Sanierungsarbeiten der Tunnelröhre in Fahrtrichtung Vösendorf auf Hochtouren.

"Der Tunnel ist auf einer Länge von 600 Metern zerstört", berichtet Bauprojektleiter Peter Fliegenschnee von der Asfinag. Bis zu 50 Mann würden Tag und Nacht daran arbeiten, den Schaden zu beheben. "Unsere oberste Priorität ist es, die Strecke wieder freizugeben", sagt Geschäftsführer Andreas Fromm.

Er rechnet damit, dass es in der ersten Juni Woche soweit sein wird. Drei Millionen Euro wird die Sanierung kosten, man wolle versuchen, sich bei der Versicherung des Unglückslenkers schadlos zu halten, sagt Fromm.

In der Tunnelmitte ist noch immer Brandgeruch wahrnehmbar. Arbeiter entfernen dort mit großen Maschinen die Wandbeschichtung.

Schließlich wird der Brandherd sichtbar - direkt unter dem Sportplatz. Die Tunneldecke fehlt, der Boden ist mit Schotter übersät. Zum Schutz des Untergrunds - denn immerhin fallen während der Arbeiten auch große Brocken Beton zu Boden.

Im Asphalt, erzählen Asfinag-Mitarbeiter, hatte sich nach dem Feuer sogar ein Krater gebildet.

1.000 Grad heiße Flammen

Der mit Werkzeug beladene Lkw hatte im Tunnel für ein regelrechtes Inferno gesorgt. Das Fahrezeug war wegen eines technischen Defekts in Brand geraten, der Lenker konnte die Flammen nicht mehr selbst löschen und ließ das Fahrzeug zurück.

Laut Feuerwehr hatte die Rauchabzugsanlage des Tunnels Schlimmeres verhindert.

Das Feuer muss jedenfalls mehr als 1.000 Grad heiß gewesen sein, um derartige Schäden anzurichten. Die Tunneldecke wurde so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie auf einer Länge von 15 Metern bzw. auf einer Fläche von 300 Quadratmetern entfernt werden muss. Eben direkt unter dem Sportplatz.

Auch die Tunnelwände müssen teilweise entfernt und wieder aufgebaut werden. 500 Tonnen Material fallen dabei an. Dazu kommen 125 Tonnen für die beschädigte Fahrbahn. Eine Fläche von 200 Quadratmetern muss hier neu aufgebracht werden.

Nicht nur der Tunnel selbst, auch die Elektro- und Sicherheitsausstattungen müssen ersetzt werden. Durch die Hitze sind Kabel auf einer Länge von bis zu 600 Metern verbrannt oder verschmort, erklärt Kurt Portschy, der für die elektrotschnische Ausrüstung zuständig ist.

Nun müssen 20 Beleuchtungskörper, sechs Ventilatoren, vier Videokameras, eine Notrufstelle und Brandmeldekabel neu verlegt werden. Sogar die Tunnelfunkanlage wird erneuert.

Obwohl 24 Stunden am Tag gearbeitet wird, werden die Arbeiten laut Asfinag-Chef Fromm bis September dauern. Vieles wird aber während des laufenden Betriebs geschehen. Ab Juni wird der Tunnel mit einer provisorischen Decke verschlossen, die restlichen Arbeiten passieren dann auf der Oberfläche.

Untertags befahrbar

Währenddessen ist der Tunnel untertags zweispurig befahrbahr. Lediglich der Pannenstreifen ist gesperrt, die Geschwindigkeit muss also reduziert werden. In der Nacht werde wegen der Arbeiten nur eine Spur frei sein, heißt es von der Asfinag.

Das sind dennoch gute Nachrichten für Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier (SPÖ). Denn derzeit leiden die Anrainer massiv unter dem Verkehr jener Lenker, die auf dem Weg Richtung Süden nicht über die A4, sondern durch die Stadt ausweichen.

Zwar kontrolliere die Polizei und schicke Lkw wieder auf die A4 zurück, doch die Beamten könnten nicht immer im Einsatz sein, erzählt sie. Doch nicht nur den Verkehr bringt die Tunnelsanierung durcheinander. 

"Wir haben unsere Baustellen in der Stadt verschoben", sagt Baier. Man habe nicht noch mehr Stau provozieren wollen.