Ein Ort in Sorge: Wenn der Lift stillsteht
Der Ort und sein Lift: Lacken.
Zusammenfassung
- Das Skigebiet Lackenhof steht trotz Übernahme durch das Land NÖ 2021 erneut vor dem Aus, da eine Einigung mit den Grundeigentümern fehlt.
- Der wirtschaftliche Betrieb ist wegen Klimawandel, unklarer Zukunft und fehlender Planungssicherheit für Betriebe und Personal schwierig.
- Investoren sehen Potenzial, doch ohne Zustimmung der Grundbesitzer und Umsetzung eines Ganzjahreskonzepts bleibt die Zukunft des Ortes ungewiss.
Franz Heher steht in seiner Werkstatt, zieht gerade die frisch gewachsten Ski ab, stellt sie in die Reihe zu den anderen und seufzt tief. Seit beinahe 20 Jahren betreibt er den Skiverleih und die Skischule „Sport 2000 Ötscher“ in Lackenhof (Bezirk Scheibbs), viele Kinder machten bei ihm ihre ersten Schwünge. Doch die Ungewissheit, wie es mit dem Skigebiet Lackenhof weitergeht, ist auch heuer groß.
Ein Rückblick
Im Jahr 2021 übernahm das Land den Liftbetrieb von der Schröcksnadel-Gruppe und verhinderte die spontane Schließung. Mit der Region wollte man ein Konzept mit Blick auf den Ganzjahrestourismus erarbeiten. Nun, einige Jahre später, ist die Ungewissheit groß, eine Einigung mit den Grundeigentümern fehlt. Ob das Skigebiet nächste Saison weiterbetrieben wird, entscheidet sich im Juli, wenn der Landtag das Budget beschließt.
„Das macht die Situation nicht einfacher“, erläutert Heher. Normalerweise beginnt bereits im Jänner die Planung für die nächste Saison.
„Wir haben mit den Zulieferfirmen ein Storno vereinbart. Wenn es wirklich aus ist mit dem Skigebiet.“
Fehlende Planbarkeit macht zu schaffen
Die fehlende Planbarkeit macht nicht nur ihm zu schaffen, auch Nächtigungsbetriebe hadern mit Personal und Stammkunden. „Wenn ich zu meinem Personal und Gästen nicht sagen kann, ob es nächstes Jahr weitergeht, dann werden sie nicht mehr kommen“, gibt Heher zu bedenken. Er ist auch als Obmann des Tourismusverbandes aktiv.
Franz Heher bei seinem "Frühjahrsputz" im Sport 2000 Ötscher.
Schneeproblem
Der Klimawandel macht Skigebieten unter 1.200 Metern zu schaffen. Ohne technische Beschneiung wäre der Betrieb nicht möglich. In Lackenhof ist die Beschneiung diese Saison gut gelungen, die Rückmeldungen der Gäste waren durchwegs positiv.
Was Lackenhof zugutekommt, sind die vielen Nordlagen – eine Beschneiung ist hier einfacher. Auch Events, wie die Nacht der Ballone oder der Skitag des niederösterreichischen Blasmusikverbandes, brachten Tausende Besucher - heuer waren etwa 80.000 Skifahrerinnen und Skifahrer zu Gast.
Immerhin 10.000 mehr als vergangenes Jahr - und doch sind es für einen ökonomisch nachhaltigen Winterbetrieb zu wenig. Um das Skigebiet wirtschaftlich betreiben zu können, brauche man rund 50.000 Besucherinnen und Besucher mehr.
Investoren sind vorhanden
Doch die Hoffnung keimt: „Wer investieren will, kann hier durchaus Geld machen, wir betreiben selbst Ferienwohnungen und sind gut ausgelastet“, so Heher. Und einen Investor in Lackenhof gäbe es: Martin Lenikus. Der Immobilienentwickler betreibt mehrere Hotels in Wien, unter anderem das „Leo Grand“ im ersten Bezirk, das zuletzt mit dem Wiener Stadterneuerungspreis ausgezeichnet wurde.
Für ihn hat Lackenhof „das Potenzial, zu einem europäischen Vorzeigedorf zu werden, weil viele gute Kräfte an dieser Vision arbeiten.“ Lenikus hat zwar bis dato vier Häuser in Lackenhof erworben, belässt diese aber den lokalen Betreibern zur kostenlosen Bewirtschaftung. In einem schriftlichen Statement schreibt er: „Solange das von uns gemeinsam mit Ecoplus und dem Land NÖ entwickelte Konzept nicht umgesetzt werden kann, werden wir keine weiteren Investitionen tätigen.“
Pattsituation
Vonseiten der landeseigenen Ecoplus Alpin GmbH wartet man auf ein „Ja“ der Grundbesitzer. „Ohne ausdrückliche Zustimmung können wir im Bereich der Seilbahn- und Freizeitinfrastruktur kein auf ganzjährigen Tourismus setzendes Konzept verwirklichen“, so Markus Redl, Geschäftsführer der Ecoplus Alpin GmbH.
Auf KURIER-Anfrage bei den Grundbesitzern heißt es in einem schriftlichen Statement des Stiftes Melk: „Wir versuchen grundsätzlich, in derartigen Angelegenheiten Gespräche mit den Vertretern des Landes NÖ immer auf Augenhöhe und in einem gegenseitigen respektvollen Umgang miteinander zu führen und wollen daher dazu keine Stellungnahme über die Medien austauschen.“ Das Stift Lilienfeld reagiert auf die Anfrage nicht. Auch die Prinzhorn GmbH zeigte sich nicht gesprächsbereit.
Auf dem Eibenkogellift haben viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, sowie Gäste aus Wien ihre ersten Pistenerfahrungen gemacht.
„Bürgermeister Andreas Fallmann hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um vertiefende Gespräche mit den Grundeigentümern zu führen – und diesen wollen wir nicht vorgreifen“, fügt Markus Redl hinzu.
An Ideen mangelt es nicht
Franz Heher erzählt von zwei Arbeitsgruppen-Sitzungen in den vergangenen neun Monaten. Diese hätten nur das Radfahren in der Region behandelt. Zuallererst müsse man sich die Frage stellen, was die Gäste brauchen. „Das Angebot nach 16 Uhr fehlt“, weiß Heher.
Steht der Lift still, wird es auch im Ort ruhig. Eine Loipe mit Flutlicht wäre für Heher eine machbare Lösung. Aus seiner Sicht das Wichtigste: ein Wellnesshotel.
Die Problematik in Lackenhof ist komplex, Kurt Hackl (ÖVP) erwartet sich bis Ostern ein Statusupdate der Stakeholder aus der Region: „Für mich steht aber jetzt schon fest: Wir werden bis zum Sommer zu einer Entscheidung kommen, wie es mit dem Ganzjahrestourismus in Lackenhof weitergeht.“
Der Weg nach Lackenhof ist weit, die Straße ist eine Sackgasse. Doch sie zahlt sich immer aus, lächelt Franz Heher. Der Unternehmer macht sich wieder an die Arbeit, der Verleih muss „sommerdicht“ gemacht werden. Ob auch im nächsten Jahr Kinder wieder das Skifahren bei ihm lernen dürfen, wird sich zeigen.
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