Andrea Klotz und Henri Brugat leiten das einzige Lachzentrum Niederösterreichs

© Marlene Penz

Chronik | Niederösterreich
05/05/2019

Lachyoga-Bewegung appelliert für mehr Heiterkeit

Eins, zwei, drei – Cheese! Am ersten Sonntag im Mai soll in Europa gemeinsam gelacht werden.

Heute, Sonntag, um 14 Uhr dürfen Sie es. Einfach so. Einfach so losprusten. Denn am ersten Sonntag im Mai ruft die Lachyoga-Bewegung in Europa eine Minute lang zum gemeinsamen Lachen auf.

Was Lachyoga eigentlich ist? „Es ist eine Kombination von einfachen Lachübungen und Yoga, also eigentlich Atemübungen daraus. Das Ziel ist, zehn bis fünfzehn Minuten am Stück zu lachen“, erklärt Alma Gall, sie ist Lachyoga-Trainerin. Zuerst wird Lachen künstlich angeregt, dann sollen die Impulse von selbst kommen. „Wir schütten dabei Glückshormone aus, Stress wird reduziert und es hat eine positive Auswirkung auf unser Immunsystem“, führt Gall aus.

Auch im Lachzentrum in Pöchlarn im Bezirk Melk ist die „Zeit des Erlachens“ gekommen. „Wir haben einen Sinn für Humor – die Betonung liegt auf Sinn, und dieser lässt sich trainieren“, erklärt Andrea Klotz. Sie hat gemeinsam mit ihrem Partner Henri Brugat vor neun Jahren das einzige Lachzentrum im Bundesland gegründet.

Die beiden haben als Clowns gearbeitet, Henri Brugat eine Clownschule und einen Zirkus geleitet: „Wir sind ein Clown-Experten-Paar. Gemeinsam haben wir mehr als 70 Jahre Berufserfahrung.“

Sie arbeiten mit Gruppen oder Einzelpersonen daran, dass Humor stärker Einzug in das tägliche Leben nimmt. Es gehe darum, dass man Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann, sagt Andrea Klotz. „Natürlich löst Humor nicht alle Probleme, aber wenn ich mich in einem Jammertal befinde, dann komme ich schneller heraus.“

Wie ein Fingerabdruck

Jeder Mensch habe aber einen anderen Sinn für Humor, sind sich die beiden Experten einig: „Im Moment gibt es genauso viel unterschiedlichen Humor, wie Menschen auf der Erde, also etwa 7,5 Milliarden. So ist es auch mit dem Lachen, das ist einzigartig, wie ein Fingerabdruck.“

Das Ziel der beiden ist, diese Einzigartigkeit zu betonen. Das werde aber bei vielen durch Blockaden erschwert: „Lachen ist gesund, heißt es im Volksmund, was nicht gesund ist: wenn ich mein Lachen verhindere“, erklärt der gebürtige Franzose Henri. Damit sich Humor und damit das Wohlbefinden im Alltag vermehren, müsse man aber selbst aktiv werden.

Und die „Lachverständige“ Andrea hat auch praktische Tipps parat: „Lege ein Lachwurznbuch an, da schreibst du alles hinein, oder klebst ein, was dich zum Lachen bringt, oder richte dir eine Lachothek ein, bestückt mit lustigen Büchern, Filmen, oder ähnlichem.“

Ein besonders wertvolles Instrument, sei auch ein Spiegel, denn man kann sich auch selbst ein herzliches Lachen schenken.

Nachgefragt: Lachen ist angeboren, Humor kann trainiert werden

Willibald Ruch ist Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich und beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Humor, Lachen und Heiterkeit.

KURIER: Herr Ruch, was bewirkt Humor?
Willibald Ruch: Zum einen werden positive Gefühle ausgelöst, es können aber auch negative Gefühle abgemildert werden. Wenn eine Situation sehr angespannt ist, kann ein Witz die negative Emotion auflösen. Außerdem gibt es Hinweise, dass Humor die Kreativität steigern kann und dass die Schmerztoleranz ansteigt.

Kann man Humor eigentlich trainieren?
Lachen ist angeboren, es ist schon bei der Geburt da, nur die Auslöser dafür verändern sich im Laufe der Entwicklung. Humor kann trainiert werden. Es funktioniert gut, wenn man die Leute in Situationen der Kindheit zurückführt, in denen gelacht wurde. Dadurch steigt die Lebenszufriedenheit an.

Wer seinen Humor testen möchte, kann das kostenlos unter: www.charkterstaerken.org