© Sophie Seeböck

Chronik Niederösterreich Krems
04/27/2021

NS-belastete Straße: Kremser Gasse nach Pädagogin benannt

Da Maria Grengg mit NS-Gedankengut in Verbindung steht, wurde die nach ihr benannte Straße auf Margarete-Schörl-Gasse umgetauft.

von Sophie Seeböck

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Über 30 Jahre lang war die Kremser Heimatdichterin und Malerin Maria Grengg Namensgeberin des kurzen Straßenstücks in Stein. Seit Dienstagnachmittag ist dies nun aber Vergangenheit. 

Grengg selbst und die nach ihr benannte Gasse sorgten immer wieder für Diskussionen, da sie "offen ihre ideologische Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus und die Verehrung von Adolf Hitler" bekundet hatte und "viele ihrer Werke antisemitisch und rassistisch" seien. In der Sitzung des Kremser Gemeinderates Ende Februar wurde nach hitzigen Debatten der Beschluss zur Namensänderung der Straße gefasst.

Rund zwei Monate später ziert nun der Name "Margarete-Schörl-Gasse" das neu angebrachte Straßenschild. Die 1912 geborene Margarete Schörl war eine Ordensfrau und Pädagogik-Pionierin, die das Kremser Kindergartenwesen maßgeblich reformierte. Laut SPÖ-Bürgermeister Reinhard Resch sei sie daher die richtige Namensgeberin "für einen Straße, die zu einem Kindergarten, einer Volksschule und einem Hort führt".

Neben neuen Straßenschildern wurde auch ein Informationsschild zu ihrer Person angebracht. Außerdem wird mit einer weiteren Tafel über die Namensänderung informiert.

Zur Person

Nach dem Tod ihrer Eltern wuchs Schörl in Rohrendorf bei ihrer Tante auf. Nachdem Abschluss der Höheren Lehranstalt für Frauenberufe am Institut der Englischen Fräulein in Krems, trat sie dem Orden bei und legte im Jahr 1937 die Prüfung zur Kindergärtnerin ab. Schon früh führte Schörl Aufzeichnungen über ihre Beobachtungen der Entwicklung des kindlichen Zeichnens und nahm eine Schallplatte über die Sprachentwicklung der Kinder auf.

Als Leiterin des Kindergartens im Kremser Institutshaus der Englischen Fräulein wandte sie sich von der traditionellen Kindergartenpädagogik ab und entwickelte, basierend auf ihren präzisen Beobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, einen am Kind orientierten Betreuungsstil.

Zu Unterrichtszwecken drehte Schörl bereits 1948 einen Film über ihre Tätigkeit und gab ihre Art der Kindergartenpädagogik international in Vorträgen und Kursen weiter, bis sie 1991 verstarb. Margarete Schörl ist auch Teil der laufenden Ausstellung des museumkrems "Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems".

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