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Chronik Niederösterreich Krems
11/11/2021

Kremser Wachtmeisterin als „Lichtblick in einer leidvollen Zeit“

Wie eine Gefängnisaufseherin während des Zweiten Weltkrieges das Leben ihrer Inhaftierten veränderte.

von Sophie Seeböck

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Hedwig Stocker trat 1941, also mitten im Zweiten Weltkrieg, ihren Dienst als Oberwachtmeisterin in der Haftanstalt Krems an. Zuvor arbeitete sie als Kindermädchen unter anderem für einen späteren Kreispropagandaleiter der NSDAP. „Wer die Eckdaten des Berufslebens von Hedwig Stocker betrachtet, glaubt auf den ersten Blick einen Beweis für die NS-Kontinuitäten im Justizwesen zu entdecken“, erzählt Robert Streibel.

Zivilcourage

Der Historiker wagte aber einen zweiten, genaueren Blick und entdeckte eine „Frau mit Zivilcourage, die von den weiblichen politischen Häftlingen geschätzt und geliebt wurde“, wie er erzählt. Das geht aus von der Familie der Aufseherin aufbewahrten Briefen und Dokumenten hervor.

„Noch in der Haftzeit zeichneten und bastelten Gefangene Karten für ,ihre‘ Aufseherin“, so Streibel. Gleich 17 Gefangene hatten sich 1942 auf einem selbst gebastelten Herz für ihre Wachtmeisterin verewigt. „Sie waren der Lichtblick in unserer leidvollen Zeit“ oder aber auch „Von Opfern lebt die Liebe. Ihre unparteiische Gerechtigkeit war uns Hilfe & Trost“ ist darauf zu lesen.

„Auffallend an dieser Dankbarkeit ist, dass die Gefangenen dies noch während der Haftzeit ,ihrer‘ Aufseherin mitteilten“, betont Streibel, dass Stocker bereits nach wenigen Monaten das Vertrauen der Inhaftierten gewonnen hatte.

Rettung im Gartenhaus

Stockers Nächstenliebe endete aber nicht in der Haftanstalt. Zu Kriegsende versteckte die Wachtmeisterin die politische Gefangene Maria Polak in ihrem Gartenhaus, damit die SS sie nicht noch als Exempel ermorden konnte. Durch dieses Eingreifen überlebte Polak den Krieg.

„Da es nicht viele Menschen gegeben hat, die in der Zeit des Nationalsozialismus Zivilcourage und Menschlichkeit gezeigt haben, möchte ich Frau Hedwig Stocker auch geehrt wissen“, erzählt Streibel. Deshalb stellt er im Juni diesen Jahres ein Ansuchen an die Stadt Krems, dass ein bisher namenloser Park in Stein nach ihr benannt werden sollte. Seit Oktober trägt die Grünfläche in unmittelbarer Nähe des Landesgerichts den Namen Hedwig-Stocker-Park.

Historisch gäbe es für Streibel aber noch einiges aufzuarbeiten. Angeregt durch Stockers Geschichte galt und gilt seine Forschung den damaligen Inhaftierten. Die Geschichte zweier griechischen Häftlingsfrauen, Sofia Mavrakis und Anita Parantou, die sich auch an Hedwig Stocker erinnern, wird nun auch in einem Hörbuch erzählt.

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