© www.standhaft.at/Wolfgang Schranz

Chronik Niederösterreich Krems
01/11/2022

Die letzten Worte eines Kremser Kriegsgegners

Rudolf Redlinghofer war überzeugter Zeuge Jehovas. Vor genau 82 Jahren wurde er deshalb von den Nazis hingerichtet.

von Sophie Seeböck

Der KURIER berichtet verstärkt aus Krems und der Region Wachau. Wenn Sie über alle wichtigen Themen in der Region informiert bleiben wollen, dann können Sie sich hier oder am Ende des Artikels für den wöchentlichen Newsletter "Nur in Krems" anmelden.

"... mit der Waffe in der Hand meinem Nächsten gegenübertreten und ihn töten, nein, das kann ich nicht mit meinem Gewissen und dem Gesetz Gottes in Einklang bringen.“ Rudolf Redlinghofers Beweggründe für die Verweigerung des Wehrdienstes im Zweiten Weltkrieg, die er in einem Brief seiner Frau Agnes schildert, sind klar. Überzeugungen, die ihn schließlich aber das Leben kosten sollten.

Abschiedsbrief nur Stunden vor der Hinrichtung

„Kein Mensch in der weiten Welt kann sich solch eine Verfassung ausdenken, in der sich ein Mensch befindet, der nur mehr Stunden zu leben hat. Der Herr sende seinen Engel, dass er mich stärke“, schrieb Redlinghofer an sein „liebes Weib“, das er samt der zweijährigen Tochter in Krems zurücklassen musste, nur sechs Stunden vor seiner Hinrichtung. Neben der Ohnmacht über sein bevorstehendes Schicksal zeugen diese Zeilen aber von seinem Vertrauen in seinen Glauben als Bibelforscher, wie damals die Zeugen Jehovas häufig genannt wurden.

550 Zeugen Jehovas gab es zu Kriegsbeginn laut www.standhaft.at in Österreich. 157 von ihnen wurden hingerichtet - so auch Rudolf Redlinghofer.

1998 wurde Rudolf Redlinghofer aber von der Republik Österreich offiziell rehabilitiert. Gewissenstreue sei „kein Verbrechen, sondern eine der Grundsäulen menschlicher Integrität“, hieß es damals.

Dass Redlinghofers letzte Worte so gut dokumentiert sind, ist vor allem seinem Enkel Wolfgang Schranz zu verdanken. Für ihn ist die Geschichte seines Großvaters, die eines Mannes, „der seinem Gewissen treu blieb“. Nicht nur mit der Lebensgeschichte und Fotos seines Ahnen, sondern auch mit persönliche Briefen will er zeigen, woher sein Opa „die Kraft nahm, um sich gegen ein übermächtiges Regime zu stellen“. Dafür gründete er die Seite www.standhaft.at.

Nachvollziehen kann man das auch heute – genau 82 Jahre, nachdem Rudolf Redlinghofer am 11. Jänner 1940 in Berlin mit dem Fallbeil von den Nazis hingerichtet wurde – im Museum NÖ. Dort steht der Kremser Wehrdienstverweigerers „stellvertretend für die Hunderten Einzelschicksale“ der im Holocaust brutal verfolgten Zeugen Jehovas – 157 wurden hingerichtet – im Haus der Geschichte.

Im Original können dort auch die letzten Worte Redlinghofers nachgelesen werden. Sein Lebensgeschichte wird als eine von 15 Biografien von Personen, die durch die Nationalsozialisten verfolgt wurden, ausgestellt. Denn für das Museum NÖ steht fest: „Auch, wenn nicht jedes einzelne Opfer einen offiziellen Ort der Erinnerung bekommt, darf es nicht in Vergessenheit geraten.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.