Mord an Frau in Kottingbrunn: Polizei fasst flüchtigen Komplizen
Am 5. August fand in Kottingbrunn die Tatrekonstruktion statt.
Vor wenigen Tagen demonstrierte Christian F. (27) in der Wohnung in Kottingbrunn bei der Tatortrekonstruktion noch, wie die Bluttat im Mai vonstattengegangen sein soll. In der Nacht auf Dienstag gelang den Ermittlern bei der Klärung des Mordfalles dann ein entscheidender Durchbruch. Drei Monate nachdem in der Wohnung im Bezirk Baden eine 28-jährige Frau mit drei Kopfschüssen aus nächster Nähe getötet wurde, ist am Montag in Deutschland der mutmaßliche Komplize des dringend tatverdächtigen Steirers festgenommen worden. Elvis V., er wird diese Woche 35 Jahre alt, könnte am Mord an der Sekretärin aus NÖ unmittelbar beteiligt gewesen sein. Er wird zumindest von Christian F. massiv belastet.
Auslieferung steht bevor
Elvis V. - ein italienischer Staatsbürger - wurde wegen Mordverdachts bzw. Beteiligung per EU-Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt international gesucht. Am Montag schnappte die Falle der Zielfahnder in Aalen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg zu, bestätigt die Polizei auf Anfrage des KURIER.
Der mutmaßliche Komplize von Christian F. soll demnächst an Österreich ausgeliefert werden. Mordermittler des Landeskriminalamtes wollen ihn dann mit Indizien und diversen Beweisen konfrontieren. Für die Kriminalisten spielt der 35-Jährige eine zentrale Rolle in dem Mordfall.
Derzeit sitzt der Steirer Christian F. als dringend Mordverdächtiger in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Er soll einer 28-jährigen Frau aus Kottingbrunn, die er zuvor über soziale Medien kennengelernt hatte, mit einer Kleinkaliberpistole (Kaliber 22) dreimal in den Kopf geschossen haben. Nachdem sie längere Zeit nichts von der jungen Frau gehört hatten, fanden Angehörige den Leichnam am 14. Mai in ihrer Wohnung. Eine Obduktion erhärtete den Mordverdacht.
Unterschiedliche Motive
Nach der Auswertung der letzten Telefonkontakte und diverser Chatnachrichten des jungen Opfers fiel der Verdacht der Ermittler bald auf Christian F. Er wurde am 20. Mai wegen dringenden Tatverdachts festgenommen. Der 27-Jährige hatte das Opfer zuvor über Facebook kennengelernt und die 28-Jährige ab und an getroffen. Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der Steirer mittels KI-generierter Fotos und Videos eine Scheinwelt in sozialen Medien aufgebaut und sich als erfolgreicher Bauunternehmer mit eigener Firma und sündteuren Sportwagen dargestellt. Was das Motiv und die genauen Tatumstände anbelangt, tischte der 27-Jährige den Ermittlern seit seiner Festnahme bereits mehrere Versionen auf.
Vor Kurzem überraschte der Steirer mit neuen Details. Er sei bei dem Mord nicht alleine gewesen, sondern wurde von seinem Freund Elvis V. unterstützt, gab Christian F. bei der Einvernahme zu Protokoll. Die beiden hatten sich via Internet kennengelernt und der 35-jährige Italiener, der in Aalen in Deutschland lebte, sei zu Christian F. in die Steiermark gezogen. Am Tag des Mordes sollen beide mit einem angemieteten Wagen aus Graz zu der jungen Frau nach Kottingbrunn gefahren sein. Auffallend ist für die Mordermittler, dass das Mobiltelefon des mutmaßlichen Komplizen ab dem Zeitpunkt auf Flugmodus gestellt war. Vermutlich, um keine verräterischen Spuren zu hinterlassen. Zum Tatzeitraum gab es diese aber dennoch. Und zwar durch Einkäufe auf der Wegstrecke.
Am 5. August fand in Kottingbrunn die Tatrekonstruktion statt.
Bei der Tötung der Frau in ihrer Wohnung soll Elvis V. dabei gewesen sein, behauptet sein „Freund“. Den Abzug drückte nach eigenen Aussagen aber der 27-jährige Steirer. Der Plan sei gewesen, das Opfer auszurauben und das Geld zu verprassen. Tatsächlich soll das Duo Geld und die Bankomatkarte der 28-Jährigen gestohlen haben. Nach der Tat war Elvis V. untergetaucht und nun an seiner alten Adresse in Aalen festgenommen worden. Nach seiner Auslieferung soll er von den Mordermittlern einvernommen werden. Laut Christian F.s Anwältin, Astrid Wagner, bestätigt das Schussgutachten des Sachverständigen Ingo Wieser im Wesentlichen die Angaben ihres Mandanten. Demnach sollen die tödlichen Schüsse im Zuge eines Streits gefallen sein.
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, unter anderem Hilfe und Informationen bei folgenden Adressen:
- Frauen-Helpline: online unter frauenhelpline.at und telefonisch unter 0800-222-555
- Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): online unter aoef.at
- Frauenhaus-Notruf: unter 057722
- Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217
- Polizei-Notruf: 133
Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Auf der Webseite finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.
Kommentare