Größte Häkelwiese im Mini-Museum

Im kleinsten Museum des Waldviertels zeigt Kurator Georg Walter 12.000 von Frauen gehäkelte Blumenblüten.
Ein älterer Mann mit Brille hält eine Postkarte vor einer bunten Wand aus gehäkelten Blumenmustern.

Beim ersten Besuch im Museum „klemuwa“ in Langschlag bei Grafenschlag im Bezirk Zwettl fragt sich so mancher, wenn er angekommen ist, wo es denn nun sei. Nicht sofort ist klar, dass es das unscheinbare vier Mal zweieinhalb Meter große Holzhäuschen ist. Selbst dann nicht, wenn man eigentlich gewahr ist, dass „klemuwa“ als Abkürzung für „Kleinstes Museum des Waldviertels“ steht.

„Wo ist denn jetzt der Stadl?“, hat Georg Walter die Besucherinnen und Besucher schon oft fragen gehört. Das Zuhause des Kurators, Betreuers und Gestalters liegt unweit des Museums im ehemaligen Bahnwartehäuschen Langschlag-Grafenschlag. Mit dem Zug kann man allerdings nicht zum Museum fahren, der Schienenverkehr ist hier schon längst eingestellt, nicht einmal mehr ein Gleis gibt es. Dafür die größte Häkelblumenwiese des Landes. Öffnet man die Tür zum „klemuwa“, steht man schon mitten drinnen – in einem gelb-grün-lila-rot-blauen Blütenmeer.

Alle Blüten sind Unikate. Tausende Stück, gehäkelt von fast 200 Personen aus ganz Österreich. Georg Walter hatte zwei Jahre vor Ausstellungsstart im Mai 2025 einen Häkelaufruf gestartet. „Der ist viral gegangen. Das war unglaublich. Dann hatten wir das Problem, dass wir nicht wussten, wohin mit über 12.000 Blumen“, erzählt der gelernte Fotograf und Grafik-Unternehmer. Jede Blüte sollte ausgestellt werden. „Wenn eine Frau 500 Stück gehäkelt hat, dann ist es ihr vielleicht nicht so wichtig, dass jede Einzelne ausgestellt ist, aber wenn jemand eine Blume beigesteuert hat, dann soll diese auch zu sehen sein“, meinte Walter. Im Museum war dafür definitiv zu wenig Platz – obwohl es beim Eintreten wie ein Raumwunder scheint.

Umhang für die Madonna

So kommt es, dass im angrenzenden „Kulturgarten“ ebenfalls Blütenteppiche ausgestellt sind – als Umhang einer Madonna aus Holz (Anm.: „Die hat mein Schwiegersohn geschnitzt – wir brauchten ja Sachen, wo wir die Blüten Herumdrapieren konnten.“), oder an der Decke des einstigen Buswartehäuschens von Lugendorf. Bedeutung

Holzskulptur einer stehenden Figur, mit bunten gehäkelten Blumen bedeckt, steht in einem gläsernen Schutzkasten im Grünen.

Die Häkelblumen-Madonna.

An einer Tafel kann man nachlesen, wer aller Blüten beigesteuert hat – etwa eine Frauenrunde aus Rappottenstein, die sich nach dem Aufruf immer zum Kaffee und zum Häkeln traf, oder Schulklassen. Rund 95 Prozent der Blumen wurden von Frauenhand gefertigt.

Die Galerie der Frauen

Damit bei all der Handarbeit nicht vergessen wird, dass Frauen auch in anderen Sparten begabt und engagiert sind, hat Georg Walter im Kulturgarten eine Galerie angelegt. Dort sieht man große Schwarz-weiß Porträts von 20 Frauen, die in der Region bedeutend sind bzw. Bedeutendes geschafft haben. Schauspielerinnen, Politikerinnen, Unternehmerinnen und zu guter Letzt: das Konterfei von einem selbst. Es schaut einem aus einem Spiegel entgegen. Wandert man durch den Kulturgarten, sieht man Objekte vergangener Ausstellungen.

Eine lange grüne Wand mit vielen gerahmten Schwarzweißporträts und darüber große Solarpaneele im Freien.

20 Porträts von Frauen, die für die Region bedeutend sind.

Seit 2014 gibt es das Museum. „Es ist meine Spielwiese, bei der mich meine Familie tatkräftig unterstützt“, erklärt der 62-Jährige. Er hat das Wartehäuschen aus den 1920er-Jahren vor dem Abriss bewahrt. Jedes Jahr wechselt die Ausstellung – nur heuer geht sie „wegen des großen Erfolges“ in die Verlängerung. „Es wird ganz schwierig werden die Häkelblumenwiese zu toppen“, meint Walter.

Im Kulturgarten sind unter anderem Objekte aus den vergangenen Jahren ausgestellt – etwa „Bildschirm“: ein Bilderrahmen mit einem Regenschirm drinnen. „2019 haben wir solche Querdenker-Rätsel präsentiert. Ein anderes Mal Redewendungen in Fotos dargestellt oder die Menschen aus der Region eingeladen, Porträts von ihnen vor Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt zu schicken, und sie mittels Wollfäden mit einer Weltkarte verbunden“, erzählt er.

Ihm ist wichtig, dass das Museum niederschwellig ist. Besonders freut sich Georg Walter, wenn der Besuch im „klemuwa“ dazu animiert, auch an anderen Orten ins Museum zu gehen. Darum kann das Mini-Museum auch ganzjährig, rund um die Uhr und bei freiem Eintritt besucht werden.

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