(K-)Eine akademische Frage für Korneuburg
Das Spital soll zu einer Ausbildungsstätte werden.
Korneuburg ist Bezirkshauptstadt. Das neue Weinviertel-Klinikum Süd wird jedoch nur ein paar Kilometer weiter, im deutlich größeren Stockerau errichtet. „Ich sehe die Entscheidung für Stockerau mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Die Region gewinnt, auch wenn das Krankenhaus nicht in der Bezirkshauptstadt stehen wird“, sagte ÖVP-Stadtchef und Landtagsabgeordneter Christian Gepp nach der Bekanntgabe des neuen Standorts am Montag.
Doch Korneuburg geht nicht leer aus. Das bestehende Krankenhausgebäude soll nämlich zu einem Ausbildungszentrum für Pflegeberufe werden. Derzeit gibt es Ausbildungsmöglichkeiten in Hollabrunn und Stockerau, die bis 2040 nach Korneuburg verlagert werden sollen. Erhalten bleibt hingegen weiterhin die Gesundheits- und Krankenpflegeschule im Landesklinikum Mistelbach – das neue Klinikum Weinviertel Nord – sowie der Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, der vom IMC Krems angeboten wird.
Ausbilden für Region
Ein strategischer Schachzug, denn in Hollabrunn soll, ebenfalls im Zuge des Gesundheitsplans 2040+, ein Gesundheits- und Pflegecampus entstehen. Dazu gehört ein Pflege- und Betreuungszentrum mit 144 Plätzen, ein psychosoziales Zentrum mit 72 Plätzen, ein Mutter-Kind-Haus mit bis zu 18 Plätzen sowie eine neue Tagesstätte für Senioren mit bis zu 20 Plätzen. Genug Arbeit also für die Pflegekräfte von morgen – und für all jene, die es noch werden wollen.
„Strukturelle Weichenstellungen sind notwendig. Die demographische Entwicklung lässt uns keine andere Wahl“, erklärt dazu ÖVP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Konkret besagen Prognosen, dass die Zahl der Über-65-Jährigen stark ansteigen wird. Im Gegenzug gibt es weniger Nachkommen, die sich um diese Menschen kümmern könnten. Daher wird ein Anstieg von 42 Prozent an Menschen in stationärer Pflege erwartet.
„Man muss jetzt beginnen, die Fachkräfte, die man dafür braucht, auszubilden“, sagt Teschl-Hofmeister. Und man müsse auch alles daran legen, junge Menschen in der Region zu halten. Denn die unmittelbare Nähe zu Wien und das breite Bildungsangebot der Bundeshauptstadt locken viele Studentinnen und Studenten an. Hier will Niederösterreich gezielt gegensteuern.
Nur ein Traum?
Soweit, so klar. Was sich aus den Informationen der Landesregierung hingegen nicht herauslesen lässt, ist die Art der Ausbildung. Nur von einem „Ausbildungscampus“ ist die Rede – was alte Diskussionen neu entfacht. Denn sowohl Korneuburg als auch Stockerau wollen seit Jahren ein Fachhochschul-Standort werden. Bisher ist das aber nur Mistelbach gelungen.
„Natürlich wäre eine Fachhochschule toll, aber so wird es nicht beschrieben“, rechnet Gepp nicht mit einer akademischen Ausbildung. Der bestehende Klinikbau soll laut den zugänglichen Informationen zum Gesundheitsplan bis 2040 adaptiert werden und eine „realitätsnahe Ausbildungsatmosphäre“ bieten. Es vergeht also noch viel Zeit, bis in Korneuburg tatsächlich neue Pflegekräfte ausgebildet werden.
Allerdings heißt es vom Land auch: „Zusätzlich sind in einem zukünftigen Entwicklungsprojekt auch Ausbildungen auf Fachhochschul-Ebene, Kooperationen mit medizinisch-universitären Einrichtungen sowie Ausbildungen für Sozialbetreuungsberufe angedacht.“ Der Traum von der eigenen Fachhochschule, er lebt damit wohl weiter.
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