Chronik | Niederösterreich
02/20/2019

Ins Gymnasium nur noch mit Bestnoten

AHS oder Neue Mittelschule? 15.200 Volksschulkinder und ihre Eltern müssen sich bis Freitag entscheiden.

Neue Mittelschule oder Gymnasium? Die Frage wird für ehrgeizige Eltern oft zur familiären Zerreißprobe. Bis kommenden Freitag müssen 15.200 Volksschulkinder und deren Eltern in Niederösterreich die Entscheidung treffen, wo sie ihre weitere Schullaufbahn fortsetzen. gerade im städtischen Bereich ist der Andrang auf die Allgemein Höheren Schulen (AHS) jedoch so groß, dass nur noch Kinder mit einem makellosen Halbjahreszeugnis eine Chance auf einen AHS-Platz haben.

Erfahrungsgemäß schlagen in Niederösterreich rund 40 Prozent der Schüler den Weg in Richtung Gymnasium ein und rund 60 Prozent wählen eine Neue Mittelschule, heißt es vonseiten der NÖ Bildungsdirektion. In der Schulstadt Wiener Neustadt ist der Andrang auf die Gymnasien jedoch deutlich stärker. Einer der Gründe dürfte die hohe Zahl der Kinder mit fremder Muttersprache in den Mittelschulen sein. Eltern fürchten dadurch ein schlechteres Ausbildungsniveau. In der Folge kommt es zu einem Ansturm auf Gymnasien.

Hälfte abgewiesen

Besonders im Bundesgymnasium Zehnergasse war die Situation in den vergangenen Jahren angespannt. Wegen des breiten Ausbildungsangebots in dem Sport-, Sprach-, Kunst- und Wirtschaftsrealgymnasium liefen Eltern der Schule die Türen ein. „Wir hatten in einem Jahr 286 Anmeldungen und mussten fast 127 Schüler davon abweisen. Für die betroffenen Eltern haben sich leider Dramen abgespielt“, sagt Direktor Werner Schwarz. Um diese Eskalation im heurigen Jahr zu vermeiden, startete die Schule erstmals ein Aufnahmecoaching. „Wir haben mit den Eltern schon im Vorfeld abgeklärt, ob wir überhaupt die richtige Schule sind. Mit zwei Zweiern oder einem Dreier im Zeugnis geht sich eine Aufnahme bei uns nicht mehr aus“, so Schwarz.

Der Leistungsdruck ist auch bei der Aufnahme in anderen AHS deutlich zu spüren. Laut Günther Hofmann vom Bundesgymnasium Gröhrmühlgasse ist es wegen des Andrangs vollkommen sinnlos, ein Kind mit einem „Befriedigend“ in einem Gymnasium anzumelden. Hofmann rechnet heuer mit 200 Anmeldungen für 145 Plätze in den ersten Klassen.

Für Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Bildungsdirektor Johann Heuras sei es bei der Schulauswahl wichtig, die Wünsche des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. „Im Zweifelsfall ist ein ehrliches Gespräch mit der Klassenlehrerin zu empfehlen. Für das Wohl des Kindes ist es das oberste Gebot, diese Frage gemeinsam mit dem Kind zu klären“.

Beide Schultypen hätten gleichermaßen ihre Vorteile. So hat zum Beispiel die AHS die stärkere Selbstständigkeit beim Lernen im Fokus. In der NMS wiederum steht die individuelle Förderung des Kindes im Mittelpunkt, so die Landesrätin.