Chronik | Niederösterreich
03.09.2018

In der Fotofalle: Neues Wolfsrudel in NÖ bestätigt

Bis zu fünf Jungtiere wurden in Karlstift im Waldviertel geknipst. Damit wird die Debatte um die Raubtiere weiter angeheizt.

Die Risse in der Region rund um Bad Großpeterholz im Waldviertel schienen eindeutig. Was Bevölkerung, Politik und Jägerschaft schon lange vermutet haben, ist nun durch Fotoaufnahmen und DNA-Analysen bestätigt.

Neben dem Wolfsvorkommen am Truppenübungsplatz in Allentsteig gibt es bereits ein weiteres Rudel, welches sich in Niederösterreich gemütlich gemacht hat. In Karlstift sind vier bis fünf Welpen eines Wurfes in der dortigen Forstverwaltung am 26. August kurz vor 7 Uhr früh in eine Fotofalle getappt. „Wir hatten in unserem Gebiet in den vergangenen Monaten immer wieder Sichtungen, auch am helllichten Tag. Angst oder Scheu vom Menschen haben die Wölfe dabei nicht gezeigt“, erklärt ein Mitarbeiter der Forstverwaltung.

Für Wolfsanwalt Georg Rauer bestätigen die Fotoaufnahmen, dass ein weiteres Rudel in Niederösterreich sesshaft geworden ist. „Es passt genau ins Bild der vergangenen Wochen. Wir hatten in dem Gebiet vermehrt Risse und Sichtungen von zwei Tieren zusammen“, berichtet Rauer.

Durch eine Überprüfung im Labor ist die DNA eines weiblichen und eines männlichen Wolfes bestätigt. Wesentlich für Rauer ist, dass die DNA keine Übereinstimmung mit dem Rudel im 60 Kilometer entfernten Allentsteig aufweist. Das ist ein Beweis dafür, dass die Elterntiere etwa aus Deutschland oder Polen zugewandert sind und sich hier vermehren.

Rendezvous

Das Paar dürfte vier bis fünf Jungtiere zur Welt gebracht haben, die im Bereich Karlstift den sogenannten Rendezvous-Platz haben – gemeint ist damit jener Ort, an dem die Wolfswelpen großgezogen werden.

Die Raubtiere dürfte wegen der geringeren Wilddichte einen bei weitem nicht so reich gedeckten Gabentisch wie am Truppenübungsplatz Allentsteig haben. Daher geht man davon aus, dass die Risse von Nutztieren (Schafe, etc.) in nächster Zeit zunehmen werden. Sofern die Tierhalter nicht noch weiter in sinnvolle Schutzmaßnahmen investieren. Indes steigt, wie vom KURIER berichtet, in den betroffenen Gebieten die Sorge der Bevölkerung. „Wir haben Anfragen von Elternvereinen, die Videos von Wölfen gesehen haben und sich Sorgen um kommende Schulausflüge machen“, erklärt der Wolfsreferent der nö. Landwirtschaftskammer, Daniel Heindl.

Egal welche Meinung man zu den Tieren habe, warnt Heindl, von der Zahl der Tiere nicht überrannt zu werden. „Wie man sieht, vermehren sie sich rasant.“ Laut Rauer trennen sich die Jungtiere bereits im zweiten Lebensjahr von ihren Eltern, um ein eigenes Rudel in einem eigenen Revier zu bilden.

Patrick Wammerl