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Weinviertler Ehepaar: Mit diesem Rezept hält die Liebe mehr als 60 Jahre

Elisabeth und Otto Schöffl feiern im August ihre Diamanthochzeit. Im KURIER-Gespräch plauderten die beiden aus dem Nähkästchen.
Diamanthochzeit

Was ist das Geheimnis einer Ehe, die Jahrzehnte überdauert? „Toleranz“, sagt sie. „Die Liebe“, sagt er. Elisabeth und Otto Schöffl sind bald 60 Jahre verheiratet. Mit viel Weinviertler Schmäh, einer Portion Selbstironie und spürbarer Liebe blicken die beiden auf ihre langjährige Beziehung zurück und geben zu: „Ja, es gab auch Krisen.“

„Die Lisl und den Otto“ kennt man in Hollabrunn und darüber hinaus. Sie, weil sie die Mundart hochhält. Ihn, weil er sich als „Mühlenprofessor“ der Geschichte der Mühlen verschrieben hat. Umtriebig sind beide.

„Die Lisl und den Otto“ kennt man in Hollabrunn und darüber hinaus. Sie, weil sie die Mundart hochhält und bei fast jeder Kulturveranstaltung dabei ist, auf der Bühne oder im Publikum. Er, weil er ebenso bei den Veranstaltungen zu sehen ist und sich als „Mühlenprofessor“ der Geschichte der Mühlen in Niederösterreich verschrieben hat - beide sind auf jeden Fall mit dem Adjektiv „umtriebig“ zu beschreiben. 

Doppelhochzeit im August 1966

Das Ehepaar Schöffl lebt in Hollabrunn am Waldrand. Das Haus ist gefüllt mit vielen Erinnerungsstücken, unzähligen Familienfotos und Büchern. Seit mehr als 60 Jahren gehen Lisl und Otto ihren Weg gemeinsam. 

„Am 13. August haben wir standesamtlich geheiratet. Am 14. August sind wir zur Kirche geschritten“, erinnert sich Elisabeth an den August 1966. Es war eine Doppelhochzeit, Ottos Bruder Gottfried hat an diesem Tag ebenfalls geheiratet; auch seine Ehe besteht bis heute. 

Hochzeit im handgenähten Designerkleid

„Es war das Volksfest von Roseldorf. Der ganze Ort hat gebacken“, erinnert sich Elisabeth an das Fest. Die bald 82-Jährige hat zwar auf dem Land, im Heimatort ihres Mannes, geheiratet, aber: „Ein handgenähtes Brautkleid von Lambert Hofer musste schon sein“, erinnert sie sich. Eine große Investition, aber: „Wenn man vorhat, nur einmal zu heiraten, dann geht das“, scherzt Otto. Das Hochzeitskleid ließ Schöffl später zu einem Ballkleid umarbeiten.

Elisabeth und Otto Schöffl

Elisabeth und Otto Schöffl bei ihrer Hochzeit am 14. August 1966.

„Wir zwei sind relativ verschieden. Das ist eine Bereicherung, sonst wär's ja fad“, meint der 87-Jährige mit einem Schmunzeln. Beide haben sich von Anfang an gut gefallen: „Natürlich gab es eine körperliche Anziehung“, sagt Elisabeth. Mit einem Augenzwinkern ergänzt sie: „Den Charakter musst du mitnehmen.“ Da lacht Otto: „Na, das red ma uns nachher noch aus.“ Er schätzt übrigens die Tüchtigkeit seiner Frau und dass sie jedes Problem lösen könne. 

Eine Fügung des Schicksals

Wie sich der Mühlenprofessor und die Dichterin des Weinlandes einst kennengelernt haben? Da ist Elisabeth überzeugt, dass das Schicksal seine Finger im Spiel gehabt hat. „Wie kann es sonst sein, dass zwei, die fünf Kilometer nebeneinander aufgewachsen sind, sich in Wien kennenlernen?“ Otto ist ein Roseldorfer (Bezirk Hollabrunn), Lisl eine Stoizendorferin (Bezirk Horn) - die beiden Nachbarorte liegen fünf Kilometer auseinander.

Diamanthochzeit

Feiern im August ihren 60. Hochzeitstag: Elisabeth und Otto Schöffl aus Hollabrunn plaudern aus dem Nähkästchen.

Bei einer Tanzveranstaltung der „Niederösterreicher in Wien“-Jugendgruppe sind sie sich zum ersten Mal begegnet und ins Auge gestochen. Otto unterrichtete damals in Amstetten. Doch er wollte zurück aufs Land, ins Weinviertel. „Und ich bin der Liebe gefolgt“, erzählt Elisabeth, warum sie von Wien nach Roseldorf gezogen ist. 

Ein Jahr nach der Hochzeit kam das erste Kind, zwei weitere folgten. „Ich hatte einen Kulturschock“, vermisste sie das Leben in der Stadt. Schöffl war in Wien Landesvorsitzende der weiblichen ÖVP-Jugend und Sekretärin von Europasprecher König in der Kärntnerstraße.

Mütterseminare aufgebaut und Goldenes Verdienstzeichen bekommen

„Ich komme von einem Bauernhof, ich habe Kraft.“ Darum brauchte sie neben ihren drei Kindern, mit denen das Paar später in Hollabrunn lebte, mehr Erfüllung. Die Ausbildung zu Erwachsenenbildnern folgte. „Wir waren überall mit unseren Kursen, haben Mütterseminare aufgebaut“, erinnert sich die Hollabrunnerin. 

Die Schöffls waren da selbst Referenten oder holten Experten. „Dafür habe ich das Goldene Verdienstzeichen der Republik bekommen“, ist die 81-Jährige stolz.

Und weil sie noch mehr Beschäftigung am Land suchte, wurde Elisabeth Schöffl zur Eheseminarreferentin, die Ausbildung machte sie bei der Erzdiözese Wien. Ebenso wie Otto: „Ich hab mittun müssen. Partnerschaft allein is ja auch fad“, scherzt er.

Größter Erfolg im Eheseminar: Eine Trennung

Vor etwa 15 Jahren haben die beiden mit den Eheseminaren aufgehört, aber: „Die Leute reden uns immer noch darauf an, wenn sie uns sehen.“ Die beiden haben ein Gespür für Menschen und gern verkuppelt. Ihr größter Erfolg: „Vor uns hat sich ein Paar getrennt. Das wäre ein Desaster geworden“, sagt Elisabeth. 

In ihrer eigenen Ehe gab es immer wieder Streitigkeiten. „Das gehört dazu“, sagt Otto. Hat es Krisen gegeben? „Ja. Es gab einmal eine große Krise“, gibt Lisl zu. Aber: „An Scheidung hab ich nie gedacht“, ergänzt Otto.

Die beiden machen vieles gemeinsam, sie schrieben etwa 40 Bücher, drei davon über Beziehungen. Machen sie auch etwas jeder für sich? „Ja, sicher macht Lisl etwas ohne mich: kochen und waschen“, lacht der Mühlenprofessor. Elisabeth nennt allerdings ihre Schreibakademie und die Poetenschmiede als Beispiele. 

Christlicher Hintergrund als Grundfeste

Glauben die beiden, dass eine Ehe, die heute geschlossen wird, noch 60 Jahre bestehen kann? „Ich glaub’ schon, vor allem, wenn man einen christlichen Hintergrund hat, so wie wir“, spricht die Mundartdichterin von den Grundfesten. Ratschläge an Junge will Otto trotzdem nicht geben: „Die leben heute in einer ganz anderen Welt als wir.“ Trotzdem: „Sich nicht entlieben, streiten, aber nicht gleich weggehen“, sind Tipps für eine gute Beziehung. 

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