60 Jahre verschlossen: Hollabrunner Zeitzeugen beleben alte Passage
Friseurmeister Alfred Pfeifer (Mitte) teilte seine Erinnerungen an die Hollabrunner Sparkassegasse mit anderen Zeitzeugen, die Peter Hofmann und Lydia Sumbera zum Gespräch eingeladen hatten.
Einst konnte man von der Amtsgasse 25 in die parallel verlaufende Sparkassegasse – herausgekommen ist bei Nummer 22 – in Hollabrunn durchgehen. „Die beiden Tore sind seit etwa 60 Jahren verschlossen“, weiß Peter Hofmann, der mit Lydia Sumbera zu einer besonderen Veranstaltung einlud.
„Passage, die Erste“ war eine zweitägige Veranstaltung, in der die ehemalige Betriebsdurchfahrt mit unterschiedlichen künstlerischen Positionen bespielt wurde. In diesem Rahmen fand eine Gesprächsrunde statt, bei der Zeitzeugen am Wort waren, um ihre Erinnerungen an das Gebäude, an diese Passage aus vergangenen Zeiten, zu teilen.
Ein historisches Plätzchen für die Kultur
Aus dem Areal in der Hollabrunner Innenstadt soll ein Veranstaltungsraum für Kultur entstehen, regelmäßig soll hier in Zukunft etwas geboten werden. „Es hat ein besonderes Flair“, blickt Hofmann auf den alten Stadl. „Wir haben uns lange mit dem Ort beschäftigt, die Substanz erhalten und mit natürlichen Materialien renoviert“, sagt der Hollabrunner.
„Passage, die Erste“ hieß die zweitägige Veranstaltung in der die ehemalige Betriebsdurchfahrt, die die Hollabrunner Amtsgasse und die Sparkassegasse mit einander verbindet. Die Passage wurde künstlerisch bespielt, zudem wurden Zeitzeugen zu einer Gesprächsrunde eingeladen.
Seit etwa zwei Jahren wird der Passage in der Stadt wieder Leben eingehaucht. „Da ist es wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen“, sagt Hofmann. „Wir kennen Teile der Geschichte, sie hat aber Lücken, und die wollen wir gerne füllen“, ermutigte Sumbera die Zeitzeugen, die im Zuge des „Wein/4-Festivals“ mit Bildern und Dokumenten gekommen waren, ihre Erinnerungen zu teilen.
Wer war Herr Kraus? „Ah, der Schmalztoni!“
In der Runde war auch Stadtarchivar Gottfried Böck, der eine große Hoffnung hatte: „Herrn Kraus hat einmal dieses Haus gehört, aber man weiß nichts von ihm.“ „Ah, der Schmalztoni! Der war ein cleverer Geschäftsmann!“, half Friseurmeister Alfred Pfeifer sofort aus. Er ist ein Hollabrunner Urgestein und hat allerhand Geschichten auf Lager.
Der Raum in der Sparkassegasse 22, in dem derzeit Bilder von anno dazumal ausgestellt sind, war einst ein Gasthaus. „Mein Großvater war oft hier. Ich hab’ manchmal mitgehen dürfen und hab dort mein Kracherl bekommen“, schmunzelt er bei der Erinnerung. An den Hausknecht mit Hasenscharte, der hinten im Hof die Pferde versorgte, erinnert er sich ebenfalls noch.
35 Geschäfte und keine Leerstände
Alle Geschäftsleute der Sparkassegasse hätten sich hier nach Dienstschluss getroffen. Früher habe es 35 Geschäfte in der Sparkassegasse gegeben und – anders als jetzt – keine Leerstände.
Andere teilten ebenfalls gern Erinnerungen: In dem Lebensmittelgeschäft gab’s Schnitten mit Saccharin statt Zucker, die eine Familie hier immer für „die Omi“ holte. Oder: Ein Semmerl hat damals 55 Groschen gekostet. Wenn Kinder 60 Groschen hergegeben haben, dann haben sie kein Geld zurückbekommen, sondern ein Stollwerk – das habe eine Mutter sehr aufgeregt.
Fotos erinnern an anno dazumal
„Das ist so toll! Genau sowas haben wir gesucht“, freute sich Hofmann über Manfred Kotzinger. Der hatte nämlich Fotos mitgebracht: „Das ist da, wo wir jetzt sitzen“, sagte der Raschalaer und zeigt das Schwarz-Weiß-Bild von der alten Schupfen, das um 1900 entstanden ist. „Ich bin jeden Tag da durchgegangen“, blickt Kotzinger auf den Hof und auf das große Tor. Diese Betriebsdurchfahrt wurde etwa 1965 geschlossen, weiß Hofmann.
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