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Weinviertel: Nahversorgerin muss ihren Traum aufgeben

Der Sparmarkt in Hollabrunns größter Katastralgemeinde Breitenwaida schließt Ende September nach acht Jahren: „Es ist ein Minusgeschäft.“
Spar breitenwaida

„Es zahlt sich nicht mehr aus. Ich habe gekämpft und gekämpft, aber irgendwann muss man der Realität ins Auge sehen“, sagt Alija Gruber, die seit acht Jahren den Sparmarkt in Breitenwaida, Hollabrunns größter Katastralgemeinde betreibt.

Mit Ende September ist Schluss. Gruber wird das Geschäft nicht mehr weiterführen. Seit 2022 hätten sich die Rahmenbedingungen dramatisch verschlechtert: Der Strompreis hat sich verdreifacht, der Gaspreis ebenso. Die Personalkosten sind um gute 40 Prozent angestiegen - all das steht dem zurückgehenden Umsatz gegenüber. 

Lieferanten sind abgesprungen

„Anfang des Jahres hat Alija realisiert, dass es nicht mehr geht. Damals sind einige Lieferanten abgesprungen, weil die Absatzmenge zu gering ist“, sagt Grubers Ehemann Gerald. „Alle wollen einen Nahversorger im Ort - aber nur für die Dinge, die sie in großen Supermärkten vergessen haben“, weiß er. Die traurige Wahrheit sei, dass die Stammkunden, die wirklich all ihre Einkäufe im örtlichen Geschäft erledigen, langsam wegsterben.

Die meisten Kunden holen sich in der Früh „ein Kipferl, einen kalten Kaffee und vielleicht noch einen Energydrink“, schildert Gruber. Den Post-Partner musste die Pächterin bereits 2024 aufgeben. Seit Beginn des Jahres ist die Feinkost nur noch bis zu Mittag geöffnet, „wir können das Personal nicht mehr zahlen“.

Nur noch drei Mitarbeiterinnen

2018 hatte sich Alija Gruber ihren Lebenstraum erfüllt und das Geschäft in Breitenwaida übernommen. Damals noch mit sieben Mitarbeitern. Heute sind es nur noch drei, eine Mitarbeiterin davon ist geringfügig angestellt. Erst zu Jahresbeginn mussten sich die Grubers von zwei Mitarbeiterinnen trennen. Alija Gruber selbst ist jeden Tag im Geschäft, auch sonntags, um Arbeiten zu erledigen, die sich unter der Woche einfach nicht mehr ausgehen.

Spar Breitenwaida

Das Areal vor dem Sparmarkt im Breitenwaida gehört ebenfalls der KommReal - wie dieses verwertet wird, wird derzeit ausgelotet.

Mit der Gemeinde gab es immer wieder Gespräche, denn Eigentümerin der Liegenschaft ist die KommReal Hollabrunn GmbH, die Immobiliengesellschaft der Stadtgemeinde Hollabrunn. Alle wollten helfen, aber: „Seit 2022 wurde die Miete mehrmals erhöht“, sagt Gerald Gruber, der mit seiner Frau nun den Schlussstrich zieht: „Es ist ein Minusgeschäft.“

Vize hätte gern unterstützt

Einer der KommReal-Geschäftsführer ist Alexander Eckhardt. Er ist SPÖ-Vizebürgermeister und selbst Breitenwaidinger. „Meines Wissens wurden die Betriebskosten erhöht.“ Die KommReal habe seiner Meinung nach einen fairen Mietzins für die etwa 250 Quadratmeter große Verkaufsfläche verrechnet. „Ich hätte sie gerne unterstützt“, sagt Eckhardt. Er weiß auch, dass es für eine Mietzinsreduktion bereits zu spät war.

Eckhardt und Gemeinderat Günter Schnötzinger (ÖVP), ebenfalls Geschäftsführer der KommReal, versichern, dass die Sicherstellung der Nahversorgung höchste Priorität habe. Immerhin sind mehr als 800 Einwohner betroffen. Entwicklungsmöglichkeiten für den Standort mitten im Ort werden geprüft. Von einem Bauträgerprojekt mit Wohnungen und modernen Gewerbeflächen ist die Rede. 

Gemeinde will Einfluss behalten

Diese Pläne sind nicht neu, bereits im Dezember 2024 - vor den Gemeinderatswahlen - preschte die ÖVP damit vor. Was ist seitdem passiert? „Es wurden mehrere Gespräche geführt“, sagt Schnötzinger im KURIER-Gespräch. Es wird ausgelotet, was machbar ist. „Es ist erst spruchreif, wenn alles durchgerechnet ist“, sagt der Mandatar. Die Gemeinde ist Eigentümerin der Liegenschaft, klar sei, dass „wir unseren Einfluss behalten wollen“. Selbst Wohnungen bauen werde die Stadt sicher nicht.

Hybridmarkt sei denkbar

Für Schnötzinger handle es sich um ein Projekt, das realisierbar ist, aber Zeit brauche. Bis dahin soll die Nahversorgung sichergestellt werden. „Vielleicht tut frischer Wind gut“, meint Schnötzinger. Für kleinere Supermärkte seien Öffnungszeiten von früh bis spät, die durch Mitarbeiter besetzt sind, schwierig zu stemmen. Ein Hybridmarkt - ein Supermarkt, der zu bestimmten Zeiten ein Selbstbedienungsmarkt ist - sei eine denkbare Lösung.

Laut Eckhardt werde der Gemeinderat in der September-Sitzung einen Grundsatzbeschluss fassen, ob und wie an dieser Stelle gebaut werde.

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