50 Jahre Pinkelstein: „Der Sta muss UNESCO-Weltkulturerbe werden!“
In Raschala wurde der Pinkelstein groß gefeiert. Jene, die die Kellergasse und die Legende des Steins hochhalten, erhielten einen goldenen Pinkler - der Währung im Freistaat Raschala.
Es ist ein kleiner Stein in der Raschalaer Kellergasse (Bezirk Hollabrunn), der eine große Legende erzählt: Der Pinkelstein. Mit einer gehörigen Portion „Herzblut, Humor und auch Sturheit“ lassen die Raschalaer Köllamauna diese Legende seit 50 Jahren leben, wie Franz Stockinger, amtierender Präsident des Vereins, ausführte.
Am Wochenende feierten die Raschalaer ihren Stein. Da kam natürlich auch Mozart (Reinhold Rieger) vorbei, der den Stein ins Rollen brachte, indem er auf seiner Reise von Wien nach Prag die alte Poststraße nahm, die durch Raschala führt, und sich dort an einem Stein erleichterte - so erzählt es die Legende.
Garant für ein langes Leben
Einer der Schöpfer dieser Legende und der Hüter der Kellergassen ist Helmut Leierer, der heuer seinen 95. Geburtstag gefeiert hat. Heinz Skarke war ebenfalls dabei, als 1976 die Historie begann - und feierte heuer seinen 90er. Für die Raschalaer ist der Pinkelstein also ein Garant für ein langes, gesundes Leben.
In Raschala wurde der Pinkelstein groß gefeiert. Jene, die die Kellergasse und die Legende des Steins hochhalten, erhielten einen goldenen Pinkler - der Währung im Freistaat Raschala.
Am 29. Februar fand das erste Pinkelsteinfest statt, das seitdem in jedem Schaltjahr am Faschingssonntag über die Bühne geht. Von Anfang an mit dabei: Der Hollabrunner Theaterverein. Unvergessen ist etwa das Männerballett mit dem mittlerweile verstorbenen Erich Wessner als afroamerikanische Primaballerina. Im ersten Jahr war Gerhard Schneider eine der Ehrenjungfrauen, die ihren großen Auftritt hatten.
Seit 1996 ist Raschala ein Freistaat
Dass 1996 der Freitstaat Raschala ausgerufen wurde, weiß auch Landtagspräsident Karl Wilfing. Der meldete sich regelmäßig im Landtag ab, wenn er ins Raschalaer Ausland fährt. Er weiß: „Wenn man Mozart fühlen will, dann gibt es dafür nur drei Orte, die auch in internationalen Tourismusführern zu finden sind: Salzburg, Wien und Raschala.“
Die Kellergassen und ihre Kultur prägen das Weinviertel. Darum sollten die Kellergassen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Doch das sei schwierig, weil es über 1.000 Kellergassen sind. Weil es damit nicht funktioniere, fordert der Landtagspräsident: „Der Sta muss UNESCO-Weltkulturerbe werden!“
Mit Sturheit und Know-how zum Erfolg
Stockinger fasste die Geschichte des Steins und den Protagonisten launig zusammen, ehrte seinen Vorgänger Werner Daim, „ohne dessen Sturheit“ viele Projekte in der Raschalaer Kellergasse wahrscheinlich nie verwirklicht worden wären; etwa der Schaukeller oder die Radlerrast. Aber da man nicht nur die Präsidenten ehren soll, sondern auch die Männer der Tat, holte Stockinger Manfred Biller vor den Vorhang, der mit Know-how und Tatenkraft zur Verfügung stand.
Ohne Margarete Oberpeilsteiner und Walter Frank geschehe ebenfalls nichts in der Raschalaer Kellergasse. Um alle diese Persönlichkeiten - und noch einige mehr - zu ehren, reaktivierten die Raschalaer ihre Prägemaschine.
Ein Pinkler sind 100 Tröpferl
Denn seit der Freitstaat ausgerufen wurde, hat die Hollabrunner Katastralgemeinde ihre eigene Währung, den Pinkler. „Ein Pinkler sind hundert Tröpferl“, erinnerte Kellergassenpapst Leierer. Und bevor das Kellerfest weiterging, erhielten alle, die sich um die Kellergasse verdient gemacht hatten, einen goldenen Pinkler.
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