Weinviertel: "Kellergassenpapst" Helmut Leierer feierte 95er
Wenn Kellergassenpapst Helmut Leierer (2.v.l.) seinen 95er feiert, gratulieren nicht nur der Präsident der Raschalaer Köllamauna, Franz Stockinger, und sein Vorgänger Werner Daim (r.), sondern auch Wolfgang Amadeus Mozart (Reinhold Rieger) persönlich.
"Helmut Leierer hat uns gezeigt, dass eine Kellergasse mehr ist, als eine Ansammlung alter Keller - sie ist ein Stück Identität", sagt Werner Daim über seinen Freund Helmut Leierer. Beide sind Ehrenpräsidenten der Raschalaer Köllamauna. Im Raschalaer Zeughaus im Bezirk Hollabrunn feierte Leierer am Valentinstag seinen 95. Geburtstag.
Helmut Leierer, der Architekt und Bewahrer der Kellergassen, ist 95 Jahre alt.
Leierer gilt als Architekt und Bewahrer der Kellergassen, der seit Jahrzehnten die Kellergassenkultur prägt. Er zählt zu den profundesten Kennern der Kellergassenarchitektur in Niederösterreich. Mit seinem Fachwissen, seiner Beharrlichkeit und seinem unermüdlichen Engagement hat der Architekt wesentlich dazu beigetragen, dass die Kellergassen – ein einzigartiges kulturhistorisches Erbe – erhalten, gepflegt und in ihrer ursprünglichen Form weitergegeben werden.
Helmut Leierer im Kampf für historische Strukturen
Der nun 95-Jährige war landesweit als Experte für die Erhaltung und Revitalisierung von Kellergassen tätig, er beriet Gemeinden, Vereine und Winzer in Fragen der traditionellen Bauweise und er setzt sich bis heute konsequent dafür ein, dass historische Strukturen nicht modernen Trends geopfert werden.
Helmut Leierer samt aktuellen Vorstand der Raschalaer Köllamauna vor dem Pinkelstein in der Raschalaer Kellergasse.
"Zukunft Kellergassen – Baugestaltung" heißt das Buch über die Architektur und Erhaltung der Kellergassen, das Leierer verfasst hat und mittlerweile als Standardliteratur für Kellerbesitzer, Kulturvereine und Denkmalpfleger gilt.
Es dokumentiert nicht nur historische Bauformen, sondern vermittelt auch praxisnahe Empfehlungen für die fachgerechte Sanierung – ein Beitrag, der maßgeblich zur Professionalisierung der Kellergassenpflege beigetragen hat.
Das Ganze im Blick behalten
"Viele der Entscheidungen, die wir heute treffen, tragen noch immer seine Handschrift. Helmut hat uns gelehrt, genau hinzuschauen, nichts achtlos zu verändern und immer das Ganze im Blick zu behalten. Dafür sind wir ihm unendlich dankbar", schildert Daim Leierers großen Einfluss.
Wer in der Raschalaer Kellergasse unterwegs ist, hat manchmal das Glück, dass Leierer persönlich durch den Schaukeller führt. Die Kellergasse der Hollabrunner Katastralgemeinde verdankt dem Kellergassenpapst ihren heutigen Charakter.
Traditionelle Techniken und Materialien
Bei sämtlichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen pochte er auf die Einhaltung traditioneller Techniken und Materialien – ein Einsatz, der dem Ort ein unverwechselbares Erscheinungsbild bewahrt hat. Seine fachlichen Inputs, aber auch seine humorvollen Karikaturen, sind im Verein bis heute hochgeschätzt.
Damit hat er das Bewusstsein für die Bedeutung der Kellergassen als kulturelles Erbe gestärkt; heut ist die Weinviertler Kellerkultur sogar Unesco Weltkulturerbe.
Franz Stockinger ist aktueller Präsident der Raschalaer Köllamauna und weiß: "Die Raschalaer Kellergasse lebt von ihren Geschichten, ihren Legenden und den Menschen, die sie über Generationen geprägt haben. Helmut Leierer gehört zweifellos zu jenen Persönlichkeiten, die dieses Erbe bewahrt und weiterentwickelt haben.“
50 Jahre Pinkelstein in Raschala
Zu den Legend zählt ganz klar der Raschalaer Pinkelstein, der heuer sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Leierer war federführend an der Entstehung dieser Figur beteiligt, die längst zum lokalen Kulturgut geworden ist und Besucher wie Einheimische gleichermaßen amüsiert.
„Tradition ist für uns keine nostalgische Erinnerung, sondern eine tragende Säule. Unsere Aufgabe ist es, Veranstaltungen, Bräuche und die Besonderheiten der Kellergasse zu pflegen und gleichzeitig für kommende Generationen lebendig zu halten. Helmut Leierer hat uns dafür ein Fundament gelegt, das stabiler nicht sein könnte", ist Stockinger dankbar, dass Leierer dieses Bewusstsein geschaffen hat.
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