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Wie die Hitze auf Psyche und Arzneien wirkt

Der Klimawandel belastet das Gesundheitssystem: Bei Hitze nehmen psychiatrische Notfälle und Aggressionen zu. Manche Medikamente verändern die Wärmeregulation des Körpers.
Medikamentenlagerung

Die Folgekosten des Klimawandels werden das Gesundheitswesen am stärksten treffen: Angesichts der steigenden Anzahl an Hitzetagen und Unwetterereignissen samt ihren Folgen gelte es dringend, Vorbereitungen zu treffen, fordert der ärztliche Leiter des Landesklinikums Mauer Christian Korbel.

Der Psychiatrie-Primar hat in Ergänzung zur NÖ Landesausstellung über die psychische Gesundheit das Symposium „Klima und Psyche“ organisiert. Und angesichts der Fülle an dramatischen Aspekten und Herausforderungen, die sich auf das Gesundheitswesen infolge der Klimaerwärmung ergeben, kamen die Teilnehmer ordentlich ins Schwitzen.

Dramatische gesundheitliche Folgen

Neben den Unwettern, die für Notfälle und Gesundheitsschäden sorgen, bringen die Hitzewellen auch andere dramatische gesundheitliche Folgen mit, schildern Korbel und der Meteorologe Marcus Wadsak. Das sei nicht nur aktuell ein Thema, sondern werde uns noch Jahrzehnte begleiten, so der Wetterexperte beim Symposium. In der Psychoklinik Mauer weiß man längst: Extrem heiße Tage sorgen für mehr psychiatrische Notfälle, mehr aggressives Verhalten von Patienten sowie mehr Suizide.

Für die eigene Klinik heiße das schon jetzt und auch in den kommenden Sommern, dass die Urlaubsplanung des Personals angepasst werden müsse, um dem Ansturm Herr zu werden. Ebenso gelte es, diese Mitarbeiter selbst vor der Hitze zu schützen, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Medikamente

Unter den vielen Aspekten nimmt aber das Wechselspiel von Hitze mit Psychopharmaka geradezu gespenstische Formen an. Medikamente beeinflussen häufig die Thermoregulation von Patienten. So bewirken Antidepressiva und Beruhigungsmittel, dass man weniger schwitzt, was die Thermoregulation und die Kühlung des Körpers beeinträchtige, so Korbel. Gefährlich sei, dass trotz Hitze auch das Durstgefühl gedämpft werde.

Primar Korbel und Marcus Wadsak

Primar Korbel und Marcus Wadsak.

Zu dramatischen Zuständen könne etwa das bei Depressionen eingesetzte Medikament Lithium führen. Die Arznei mit einem kleinen therapeutischen Spiegel zwischen Nutzlosigkeit und Vergiftung kann zur Gefahr werden, wenn Patienten zu wenig trinken oder gar dehydriert sind. Dann steige der Lithium-Spiegel, so Korbel, und damit auch die Gefahr einer Vergiftung. „In diesen Bereichen müssen wir unsere Leute gut schulen“, kündigt er an.

Auch die Lagerung von Medikamenten muss bei Temperaturen um die 36 Grad neu durchdacht werden. Viele Tabletten müssten laut Hersteller für die optimale Wirkung bei Zimmertemperaturen unter 25 Grad gelagert werden. Doch das sei in vielen Klinikräumen gar nicht mehr möglich, schildert der Primar. „Wir haben umgebaut und Kühlungsmöglichkeiten für die Medikamente bereitgestellt.“

Dienstpläne

Weitere direkte Auswirkungen auf die Dienstpläne zeigen sich auch bei Katastrophen. Opfer, die angesichts ihrer überfluteten Häuser zusammenbrechen, kommen in die Kliniken. In der Folge kam man etwa bei der Jahrhundertflut 2024 in Mauer zu einem Personalnotstand. Viele Beschäftigte hatten den Schlamm selbst im Haus oder konnten wegen überschwemmter Straßen nicht zum Dienst erscheinen. Und ein nicht geringer Teil der Belegschaft stand selbst bei Blaulichtorganisationen im Einsatz. „Da müssen wir schauen, dass wir einsatzfähig bleiben“, sagt der Klinikchef.

Generell müsste sich der gesamte Gesundheitssektor samt den Spitalsbetreibern bewusst werden, dass sie selbst rund acht Prozent des CO2-Ausstoßes verursachen, sagt Korbel. Es gehe darum, selbst aktiv zu werden, die Lieferketten sowie Heiz- und Kühlsysteme der Kliniken zu überdenken. Korbel: „Außerdem wollen wir Vorbild sein.“

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