„Sie hat kalte Füße bekommen“: Deshalb platzte SPÖ-Putsch in NÖ
Weiter wie bisher, so lautet das Motto, das die SPÖ Niederösterreich am Mittwoch ausgegeben hat.
Wie berichtet, hatte das erweiterte Landesparteipräsidium in der Landeshauptstadt St. Pölten getagt, um über die Zukunft von Landesparteichef Sven Hergovich und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig zu entscheiden. Dass die roten Granden nach nur zwei Stunden die Parteizentrale schon wieder verließen, hatte seinen Grund: Bereits tags zuvor soll nach einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Hergovich und Königsberger-Ludwig klar gewesen sein, dass die Staatssekretärin und Stellvertreterin beim Landesparteitag am 30. Mai nicht gegen Hergovich antreten wird.
Wien blieb plötzlich ruhig
„Sie hat kalte Füße bekommen“, sagte ein Insider aus der Partei zum KURIER. Der Grund: Es sei rasch klar gewesen, dass vor allem die Gewerkschaft Hergovich die Mauer machen würde. „Und aus Wien war plötzlich nichts mehr zu hören“, so der Funktionär.
Mit „Wien“ sind Vizekanzler Andreas Babler und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim gemeint, die Königsberger-Ludwig dazu ermutigt haben sollen, die Kampfabstimmung gegen den Landesparteichef zu wagen. Doch dazu kommt es nun nicht mehr.
Ruf nach Rücktritten
Während die Protagonisten am Mittwoch um Beruhigung bemüht waren, gärt es in der Partei weiter. „Nach dieser Aktion sind sowohl Königsberger-Ludwig als auch Babler rücktrittsreif. So geht man mit einer Partei nicht um“, poltert etwa Alfredo Rosenmaier, SPÖ-Bürgermeister von Ebenfurth (Bezirk Wiener Neustadt-Land) und von 2013 bis 2018 roter Klubchef in Niederösterreich.
Klar auf die Seite von Hergovich stellt sich auch der Wiener Neustädter SPÖ-Vizebürgermeister und Landtagsabgeordnete Rainer Spenger. Hergovich sei „jung und eloquent und weiß, wo den Landsleuten der Schuh drückt“. Wie Spenger erklärt, sei „Sven nicht perfekt – das ist niemand –, aber dafür authentisch, ehrlich und loyal. Nicht die lauten Töne sind es, die ihn auszeichnen, sondern das ehrliche Bemühen, Tag für Tag das Beste zu geben.“
Heftig diskutiert wird das SPÖ-Chaos auch in den sozialen Medien, wo die Meinungen zu den vergangenen Tagen geteilt sind. „Zu einer Demokratie gehört es auch, dass ein Parteichef auf einem Parteitag herausgefordert werden kann“, so ein Genosse auf Facebook.
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