SPÖ-Machtkampf: Zieht Staatssekretärin Königsberger-Ludwig Kandidatur zurück?
Seit dem Wochenende kommt die SPÖ nicht zur Ruhe. Ausgelöst wurde das durch die Ankündigung, dass SPÖ-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig gegen den niederösterreichischen Landesparteivorsitzenden Sven Hergovich in eine Kampfabstimmung gehen will. Am kommenden Montag soll der Landesparteivorstand die Nominierung absegnen, am 30. Mai ist der Landesparteitag angesetzt.
Das Umfeld um Königsberger-Ludwig hatte gehofft, dass diese Ankündigung Landesrat Sven Hergovich dazu bewegt, von selbst das Handtuch zu werfen. Der Abschied von der Funktion des Landesparteivorsitzenden sollte ihm mit einem Versorgungsjob versüßt werden. Hergovich allerdings hat innerparteilich zum Gegenangriff geblasen. Per Mail wurde für heute das Landesparteipräsidium nach St. Pölten geladen, um über die neue Situation zu beraten. Im Vorfeld sickerte nun durch, dass dabei ein Kompromiss eine Kampfabstimmung verhindern könnte. Man weiß, dass entscheidende Kräfte in der SPÖ - dazu zählt etwa Arbeiterkammerpräsident Markus Wieser - von so einer Auseinandersetzung wenig halten. Die Partei solle für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kämpfen und innerparteiliche Querelen hintanhalten, so sein Credo.
Doch wie könnte so ein Kompromiss aussehen?
Im Vorfeld der Sitzung hatte sich das Gerücht verdichtet, dass Ulrike Königsberger-Ludwig von einer möglichen Gegenkandidatur absieht. Damit ihr Umfeld, das sie zu diesem Schritt gedrängt hatte, und die innerparteilichen Gegner von Sven Hergovich befriedet werden, könnte Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander geopfert werden. Zwander gilt als die rechte Hand von Sven Hergovich. Sein Einsatz für Ex-Kanzler Christian Kern als Gegenkandidat von Bundesparteiobmann Andreas Babler ist aber nicht überall mit Wohlwollen aufgenommen worden. Im Vorfeld der heutigen Sitzung soll es gestern am Abend mehrere Sitzungen auf Bezirksebene gegeben haben. Mit dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Funktionärinnen und Funktionäre keine Kampfabstimmung will, so ein Parteiinsider.
Sollte der Kompromiss dazu führen, dass Sven Hergovich Landesparteivorsitzender bleibt, dann färbt das auch auf Bundesparteiobmann und Vizekanzler Andreas Babler ab. Er und sein Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim waren aktiv daran beteiligt gewesen, dass sich Ulrike Königsberger-Ludwig aufstellen lässt. Babler hatte am Montag noch aktiv das Wort für sie ergriffen.
Die Sitzung des Landesparteipräsidiums beginnt um 15 Uhr, ein Ergebnis wird gegen 17 Uhr erwartet.
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