Wegen beschränkter Chancen auf Auslandsurlaube und der langen Shutdown-Zeit sind  die Berge  heuer für viele besonders verlockend 

© Getty Images/cinoby/IStockphoto.com

Alm-Problematik
08/05/2020

Herde auf der Weide in Panik versetzt

Nach rüder „Kulikitaka“-Attacke auf Rinder will Bauer die Täter über Facebook-Hinweise aufdecken

von Wolfgang Atzenhofer

„Die ganze Herde wurde über die Weide und einen Weg gehetzt. Zum Glück waren gerade keine Wanderer unterwegs. Für die wäre das lebensgefährlich gewesen.“

Der Tierzüchter und Bio-Bauer StefanTröstl ist zornig und verzweifelt. Am Sonntag informierten ihn Wanderer, dass seine Charolais-Herde am Türnitzer Eibl in den nö. Voralpen von einer anderen Wandergruppe absichtlich erschreckt und in Panik versetzt worden sei. Tröstl ist überzeugt, dass die Tiere Opfer der seit kurzem boomenden „Kulikitaka“-Challenge wurden. Dabei erschrecken gewissenlose „Tierfreunde“ Alm-Rinder absichtlich für ein Handy-Video. Auf den heuer in ganz Österreich durch die Corona-Krise ohnehin extrem frequentierten Wanderrouten ist dies ein weiteres Problem.

Die Spuren sind für Tröstl eindeutig: Zwei Weidezäune wurden von den sonst friedlichen Tieren zertrampelt. Noch am Montag fand Tröstl die Mutterkühe und den Stier stark verschmutzt und dicht aneinandergedrängt vor. Die Kälber schützte die Herde in der Mitte. Schon beim kleinsten Geräusch reagierten die Rinder panisch. Und die Hungergruben an den Kuhkörpern zeigten, dass sie aufgrund des Stresses kaum gefressen hatten, schildert ihr Besitzer.

Im Mai waren schon zwei Kälber der Herde Tröstls in den Tod gestürzt, weil sie von Hunden gehetzt wurden. „Nach dem neuen Vorfall ist zu befürchten, dass zwei trächtige Kühe die Kälber verlieren“, beklagt er. Um die „Kuherschrecker“ aufzudecken, bittet er über Facebook um entsprechende Wahrnehmungen vom Sonntagnachmittag am Eibl oder auch um Hinweise auf veröffentlichte Videos. Für immer rücksichtsloseres Verhalten mancher Besucher auf der Alm hat Tröstl kein Verständnis.

Appell

Wurden ihm doch bereits Bilder vom Sonntag übermittelt, auf denen junge Wanderer ein Lagerfeuer auf seiner Weide entzündet hatten. „90 Prozent der Wanderer verhalten sich vernünftig. Für den Rest muss die Politik den Bauern endlich Kontrollmechanismen und Rechtssicherheit verschaffen. Wie soll ich beweisen, dass jemand die Kühe so erschreckt hat, dass sie dann jemand verletzten“, fragt er und versendet auch einen Appell an wichtige Agrarpolitiker. Der vor zwei Wochen von Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) veranstaltete „Almengipfel“ hat für Tröstl keine befriedigende Lösung gebracht. Köstinger hat dabei angekündigt, eine weitere Infokampagne über das richtige Verhalten auf den Almen zu starten.

Josef Mayerhofer, Obmann des nö. Alm- und Weidewirtschaftsvereins mit 112 Weiden ortet „große Verunsicherung“ unter den Mitgliedern. Vorfälle gäbe es speziell mit jungen Leuten, die aus dem Bedürfnis nach Action über die Stränge schlagen, schildert er.

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