Chronik | Niederösterreich
13.03.2013

Bürgermeister-Casting zieht sich in die Länge

Die SPÖ plagt sich, einen Nachfolger für Noch-Stadtchef Maurice Androsch zu finden.

Vor ein veritables Problem stellt der Aufstieg von Maurice Androsch, SPÖ, zum Landesrat die Stadt Groß Siegharts, Bezirk Waidhofen an der Thaya: Weil er rechtlich beide Positionen nicht besetzen darf, muss ein neuer Bürgermeister her. In der auf die Person Androsch zugeschnittenen Stadtführung ist man aus allen Wolken gefallen.

Während sich manche schon wundern, dass nach fünf Tagen noch keine Entscheidung bekannt wurde, sieht es aus, als müsste man noch zwei Wochen warten.

Seit vergangenen Freitag weiß man, dass Androsch, 42, in die Landesregierung einzieht. Am Wochenende informierte er die Parteispitze.

Zögerlich

Das Nachfolgekarussell scheint aber zögerlich in Gang zu kommen. Eine erste Sitzung Montagabend blieb ohne Entscheidung: Die ist auf 27. März vertagt, gab Stadtparteichef Androsch am Dienstag bekannt.

„Wunschkandidaten habe ich keinen. Wenn jemand Interesse daran hat, ist er oder sie eingeladen, sich zu melden. Wir werden das dann im Ausschuss beraten“, sagt der designierte Landesrat.

„Aus meiner Sicht wäre der derzeitige, Vizebürgermeister Gerald Matzinger, ein Kandidat. Mit ihm könnte man leben. Es hängt aber auch davon ab, wie er mit Altlasten umgeht. Ich meine speziell den Verein Kooperation und Bildung, der die Gemeinde viel Geld kostet“, meint Stadtrat Josef Bauer von der ÖVP. Er vermutet, dass der SPÖ die Aufgabe, einen Nachfolger für Androsch zu finden, nicht allzu leicht fällt, „sonst wäre schon eine Entscheidung gefallen“.

FPÖ-Gemeinderat Kurt Weber meint: „Gegen Matzinger ist nichts einzuwenden.“ Der hat allerdings schon verlauten lassen, er sei nicht drauf eingestellt. Derzeit pendelt der Polizist nach Traiskirchen.

Dass es grundsätzlich nicht leicht ist, ein Bürgermeisteramt zu besetzen, bestätigt auch Androsch: „Das muss jemand gerne machen.“

Schwere Suche nach Ersatz für SPÖ-Urgestein Leichtfried

„Es war der Wunsch der Partei sich zu erneuern, da will ich nicht im Wege stehen.“ So kommentierte der frühere SPÖ-Klubobmann Günther Leichtfried seinen Rückzug aus den Landesgremien und als Bezirksobmann seiner Partei. Nach Sepp Leitner zieht sich damit das zweite SPÖ-Schwergewicht im Bezirk zurück.

Leichtfried konnte zwar auf der beste SP-Ergebnis unter den NÖ-Bezirken und auf 1500 Vorzugsstimmen verweisen, für ein Direktmandat ist der Bezirk Scheibbs aber zu klein. Den Platz fünf auf der Landesliste habe er als Klubobmann gehalten, wollte Leichtfried Neo-Landesparteichef Ewald Stadler nicht im Wege stehen. Gestern Abend informierte er den Bezirksvorstand. Dort sollte jene Person auserkoren werden, die Stadler heute als Kandidat für ein SPÖ-Mandat genannt werden soll. Momentan gibt es im Bezirk mit Landesrat Stephan Pernkopf und den Abgeordneten Toni Erber und Bettina Rausch eine ÖVP-Übermacht.