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Grabräuber in NÖ: So viel Beute machen sie mit einem Goldzahn

Die Kriminellen schlugen bereits in sieben Bezirken zu. Wegen der Tragweite hat das Landeskriminalamt den Fall übernommen.
In der Stadtgemeinde Ebenfurth fanden nach dem Coup Ermittlungen statt.

An die 200 Gräber wurden in sieben Bezirken in Niederösterreich in den vergangenen Monaten bereits geplündert oder zumindest von Kriminellen geöffnet. Ob sich der gewaltige Aufwand, mehrere hundert Kilogramm schwere Grabsteinplatten zu entfernen, für die Gangster auch finanziell lohnt, bleibt laut Kriminalisten dahingestellt.

Wie berichtet, haben es die Grabräuber auf Schmuck und Goldzähne der Verstorbenen in Grüften und Gräbern abgesehen. Drei bis vier Gramm wiegt im Schnitt im menschlichen Gebiss eine einzelne Zahnkrone. Bei einem 75-prozentigen Goldanteil oder 18 Karat liegt der Ankaufspreis aktuell zwischen 85 und knapp 100 Euro pro Gramm. Mit einer gestohlenen Krone können die Kriminellen daher bis zu 400 Euro Beute machen.

Störung der Totenruhe 

So sehr die Taten bei den Betroffenen und Angehörigen der Hinterbliebenen auch für Entsetzen und Trauer sorgen, haben die Kriminellen aus strafrechtlicher Sicht nicht sehr viel zu befürchten.

Ermittelt wird wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe und des Einbruchsdiebstahls. Wer Schmuck von einer Beisetzungs-, Aufbahrungs- oder Totengedenkstätte entfernt, dem drohen maximal drei Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldbuße bis zu 180 Tagessätze. In einigen Fällen in den vergangenen Wochen sind die Grabräuber auch völlig leer ausgegangen.

Gebet und Segnung

Zu diesem Ergebnis ist man zumindest bei einem der jüngsten Coups im Bezirk Wiener Neustadt gekommen. In der Stadtgemeinde Ebenfurth hatte es Einbruchsspuren an mindestens zehn Gräbern gegeben. Bürgermeister Alfredo Rosenmaier (SPÖ) und der Gemeinde war es wichtig, dass die Einbrüche lückenlos geprüft werden.

Im Fall einiger verdienter Gemeindebürger wurden die Gräber im Beisein der Kriminalpolizei von einem Steinmetzbetrieb geöffnet. Dabei stellte sich heraus, dass die Bande leer ausgegangen war, weil die Grüfte zuvor bereits zugeschüttet wurden. 

Auf Wunsch des Besitzers einer Grabstätte, in der der frühere Bürgermeister und Ehrenbürger Mauritius Parzer bestattet ist, wurde durch Pfarrer Florin Farcas ein Gebet gesprochen und die Grabstelle erneut gesegnet.

Ein Mann mit violettem Schal segnet ein Grabmal mit Kreuz auf einem kleinen Friedhof neben einer Mauer.

Pfarrer Florin Farcas sprach am Friedhof in Ebenfurth ein Gebet, nachdem eine Gruft geöffnet worden war.

Landeskriminalamt hat übernommen

Die Kriminellen haben in Niederösterreich bereits in sieben Bezirken – Wiener Neustadt, Tulln, Baden, Mistelbach, Krems, Korneuburg und Bruck an der Leitha – zugeschlagen. Als letzter Tatort ist Großweikersdorf im Bezirk Tulln bekannt, wo bis zu 50 Gräber Einbruchsspuren aufwiesen.

Wegen der Dimension hat den Fall mittlerweile das Landeskriminalamt Niederösterreich übernommen. Gebeten wird in dem Zusammenhang um Hinweise an jede Polizeidienststelle oder an das LKA NÖ (Tel.: 059 133 30-3333).

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