Grabräuber: Unheimliche Serie in Niederöstereich nimmt kein Ende
Graböffnung am Friedhof Pottendorf durch die Polizei und einen Steinmetz-Betrieb
Grabräuber gibt es seit Menschengedenken. Seit die Ägypter im 5. Jahrtausend vor Christus damit begannen, ihren Verstorbenen Beigaben in die Gräber zu legen, gab es Menschen, die sich daran bereicherten.
Dass im 21. Jahrhundert Kriminelle immer noch Gräber schänden und Skeletten die Goldzähne herausbrechen, sorgt besonders bei Angehörigen für Entsetzen. Seit über einem Jahr sorgt eine unheimliche Serie von Einbrüchen in Gräber und Grüfte an den verschiedensten Tatorten in Niederösterreich für Ermittlungen der Polizei.
Viele Vorfälle werden nicht oder erst spät entdeckt und gelangen daher oft nicht an die Öffentlichkeit. Vor wenigen Tagen wurden in Pottendorf und Wampersdorf (Bezirk Baden) mehrere offensichtlich gewaltsam geöffnete Gräber und Grüfte entdeckt. Wieder hatten Grabräuber zugeschlagen.
Die Ermittlungen der Polizei in den Fällen gestalten sich teilweise als sehr schwierig. Denn zu Ermittlungszwecken können die Gräber erst dann geöffnet werden, wenn Angehörige zustimmen und die Arbeiten auch veranlassen. Die Kosten für die Öffnung sowie die anschließende Sanierung (Umbettung der Verstorbenen in neue Särge und neuerliche Beisetzung) sind horrend.
In den jüngsten Fällen gingen bei der Polizei am 16. April erste Anzeigen ein. Insgesamt sollen rund zwölf Gräber in der Marktgemeinde Pottendorf betroffen sein. „Es wurden laut meinen Informationen 12 Gräber geöffnet“, bestätigt Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner.
Blechsärge gewaltsam aufgeschnitten
Die Polizei ermittelt derzeit wegen Einbruchdiebstahls sowie Störung der Totenruhe. Ob tatsächlich Gegenstände aus den Gräbern entwendet wurden, ist bislang unklar. In vielen Fällen lässt sich das erst feststellen, wenn Angehörige die Öffnung der betroffenen Grabstätten veranlassen.
Am Mittwoch, dem 22. April 2026, kam es in Pottendorf zu zwei solchen Öffnungen durch beauftragte Steinmetze. In einer Gruft waren Blechsärge gewaltsam aufgeschnitten und massiv beschädigt worden. In einer weiteren Gruft wurden vier Särge teilweise aufgeschnitten und von den kriminellen Grabräubern geöffnet.
Graböffnung am Friedhof Pottendorf durch die Polizei und einen Steinmetz-Betrieb
Störung der Totenruhe
Die betroffenen Angehörigen zeigen sich tief erschüttert. Nach der Öffnung der Grabstätten müssen die Verstorbenen exhumiert und umgebettet werden, bevor sie wieder beigesetzt werden können. Die Kosten dafür belaufen sich auf mehrere tausend Euro. Neben der finanziellen Belastung wiegt für viele vor allem die massive Störung der Totenruhe ihrer Angehörigen schwer.
Die Tätergruppe dürfte indes weiterhin aktiv sein. Die Polizei sicherte an den geöffneten Grabstätten Spuren, die Ermittlungen laufen.
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