Chronik | Niederösterreich
25.03.2017

Flüchtlingslager Traiskirchen: "Ging um Geld und Einfluss"

Franz Schabhüttls kritischer Abschied als Lagerleiter in Buchform.

Gar nicht leise sagt Franz Schabhüttl zum Abschied Servus: 26 Jahre, die Hälfte davon als Leiter, war er in der Erstaufnahmestelle Ost tätig. Pünktlich zur Pensionierung stellt er seine Erinnerungen an das Leben im Flüchtlingslager vor und geht dabei vor allem mit der Rolle der NGOs hart ins Gericht.

In "Brennpunkt Traiskirchen", das er gemeinsam mit Journalist Andreas Wetz geschrieben hat, beleuchtet Schabhüttl vorrangig den Sommer 2015, als das Lager mit bis zu 4740 Flüchtlingen heillos überfüllt war. "Bereits ein Jahr zuvor warnte die Innenministerin (damals Johanna Mikl-Leitner, Anm.) vor dem Ansturm, doch das wurde als Panikmache abgetan. Dann war das nicht schaffbar und das Lager Traiskirchen hatte den Schwarzen Peter. Bis zu 2000 Flüchtlinge hatten kein Dach über dem Kopf", gibt Schabhüttl zu. Die Versorgung der Menschen sei jedoch jederzeit gewährleistet gewesen. "Wir hatten Hygiene und Betreuung der Leute im Griff."

Spenden im Müll

Dann aber sei die Wirklichkeit verzerrt worden. "Es drangen Schauergeschichten an die Öffentlichkeit über vermeintlich unhaltbare Zustände" schreibt Schabhüttl. Medien und NGOs, etwa die Caritas mit ihrem "medienwirksam aufgestellten Spendenbus", hätten dafür gesorgt, dass "der Bevölkerung Bilder in die Köpfe gepflanzt wurden, die es nicht gab."

Die Folge sei eine "Lawine mit Spenden" gewesen. "Doch unsere Lager mit Neuwaren waren voll. Als Reaktion mussten wir wöchentlich 50 Tonnen brauchbare Waren entsorgen", so Schabhüttl. Dabei sei es um "viel Geld und Einfluss gegangen. Die Caritas hat 15.000 Mitarbeiter, die beschäftigt und bezahlt werden müssen", meint Schabhüttl. Er habe großen Respekt vor ihrer Arbeit, aber "auf dem Gebiet Asyl agiert die Caritas wie ein Wirtschaftsbetrieb."

Bei Ärzten ohne Grenzen habe er überhaupt keinen Grund für ihre Anwesenheit gesehen. Auch später sei einiges nicht ideal gelaufen. Als Christian Konrad als Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung tätig war, wurde etwa ein Warte- und Obdachlosenzelt errichtet, das nie notwendig gewesen sei, aber eine siebenstellige Summe verschlungen habe.

Warum er nicht schon damals auf die vermeintlichen Missstände hingewiesen habe? "Ich habe immer gesagt, was ich jetzt sage, aber gewisse Wahrheiten will man nicht hören", meint Schabhüttl dazu. Die Kritisierten sehen das naturgemäß anders.

"Demaskiert"

Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, will das nicht unwidersprochen lassen: "2000 Menschen waren obdachlos. Manche mussten wochenlang unter freiem Himmel schlafen." Diese Menschen versorgte die Caritas mit Schlafsäcken, Zelten, trockener Kleidung. "Es wurden keine Spenden weggeworfen, sondern Müll entsorgt." Die obdachlosen Flüchtlinge hätten nicht einmal die Möglichkeit gehabt, ihre Kleidung zu waschen.

"Wenn Hofrat Schabhüttl der Meinung ist, dass an der Versorgung der Flüchtlinge in Traiskirchen 2015 nichts zu beanstanden war, irren alle, die das damals anders gesehen haben. Von der Bundesregierung abwärts", sagt Peter Wesely, Sprecher von Christian Konrad. "Letztlich ist es eine Frage, wie sich Schabhüttl selbst demaskiert, in seiner Nicht-Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen."