© KURIER/Katharina Zach

Niederösterreich
01/03/2017

NÖ: Ehepaar mit Baseballschläger getötet

Der 48-jährige Sohn dürfte mit der Pflege seiner Eltern überfordert gewesen sein. Noch am Montag wandte er sich an die Pflegeberatung.

von Katharina Zach, Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

Mit einem Anruf beim Polizei-Notruf hat Dienstag, um 6.30 Uhr, der 48-jährige Gerald B. in Perchtoldsdorf ein grauenvolles Verbrechen an seinen Eltern gemeldet. Die Polizei fand in dem Einfamilienhaus die Leichen des Ehepaares.

Den Spuren nach zu schließen, wurden Wilfried (85) und Hannelore B. (75) in ihrem Haus erschlagen. „Als Tatwaffe wurde ein Baseballschläger sichergestellt“, bestätigt Leopold Etz von der Mordkommission des nö. Landeskriminalamtes. Der mutmaßliche Täter soll Gerald B. selbst sein.

Die beiden Opfer waren seit ihrer Geburt taub und seit einigen Jahren auch pflegebedürftig. Da sie zwei ebenfalls gehörlose Töchter und einen nicht beeinträchtigten Sohn hatten, dürfte sich in erster Linie dieser die vergangenen Jahre um die Eltern gekümmert haben, gab der 48-Jährige gegenüber der Polizei bekannt.

Die beiden waren laut Polizeisprecher Johann Baumschlager bettlägrig. Ob B. mit der Betreuung neben seinem Job bei den ÖBB überfordert war, ist Gegenstand von Ermittlungen. Erste Aussagen deuten in diese Richtung. So soll sich der Gesundheitszustand der Eltern in den vergangenen Wochen verschlechtert haben.

Am Dienstag dürfte der Sohn die Nerven verloren haben. Als Beamte der Polizeiinspektion Perchtoldsdorf kurz vor 7 Uhr am Tatort eintrafen, kam der Mann aus dem Haus und ließ sich widerstandslos festnehmen. Im Gebäude entdeckten die Polizisten die blutüberströmten Leichen.

Die Tatortspezialisten des LKA waren am Dienstagvormittag mit der Spurensicherung beschäftigt. Den Ermittlungen zufolge wurde das Ehepaar durch „massive Schläge auf den Kopf“ getötet.

Hilfe angefordert

KURIER-Informationen zufolge hat B. noch am Tag vor der Tat, am 2. Jänner, die Pflegeberatung des Hilfswerks Perchtoldsdorf angefordert. Montagmittag sei eine Pflegefachkraft vor Ort gewesen, die B. über die Hilfsangebote aufgeklärt und Unterstützung bei der Beschaffung von Pflegebehelfen und Behördengängen angeboten hat, heißt es beim Hilfswerk NÖ. „Angeboten wurde ein Beginn einer mobilen Betreuung durch unser Personal in den nächsten Tagen.“ Die Gesprächssituation sei unauffällig gewesen. Der Sohn habe sich demnächst melden wollen. Datz kam es nicht mehr.

In der schmucken Einfamilienhaus-Siedlung ist der Schock groß. "Ich kann mir das gar nicht vorstellen", sagt eine Nachbarin. "Er hat sich immer um sie gekümmert." Auch Anrainerin berichtet von netten Verhältnissen. Der Sohn sei immer mit dem Hund spazieren gegangen, zuletzt habe er den Zaun um das Haus erneuert. Auch Töchter und Enkerl seien öfters zu besuch gekommen. Eine Veränderung ist ihr zuletzt jedoch aufgefallen: "Zu den Feiertagen hatten sie öfters in der Nacht die Rettung da."

Wilfried B. setzte sich als Ehrenmitglied des „Wiener Gehörlosen Sportclub 1901 & Kulturverein“ für die Förderung von Gehörlosen ein. 1998 wurde ihm für sein Engagement das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Im Vorjahr hatten er und seine Frau noch die Goldene Hochzeit gefeiert.

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