Geschäftsmann verdiente mit gepanschtem Diesel Millionen

© Bild: Finanzpolizei

55-jähriger Verdächtiger betrieb von NÖ aus ein internationales Firmennetzwerk.

Die Rechnung ging nicht auf: Ein Geschäftsmann wollte im südlichen Niederösterreich das große Geld machen. Mit einem einfachen, aber hoch effektiven Trick: Er mischte Diesel mit minderwertigen Ölen. Dadurch wurde das Produkt steuerfrei, wenn auch nicht legal. Den gepanschten Diesel soll er an Abnehmer in osteuropäischen EU-Staaten verkauft haben. Mit gewaltigem Gewinn. Allein dem Fiskus dürften dadurch Steuereinnahmen von zumindest 18,6 Millionen Euro entgangen sein. Der Betrag könnte allerdings noch deutlich steigen.

Hausdurchsuchungen

Seit Anfang 2012 ermittelt die Zollfahndung Niederösterreich mit dem zuständigen Finanzamt, der Finanzpolizei und Kollegen aus Berlin – auch dort gab es einen Firmensitz. Bei einer Finanzprüfung waren Ungereimtheiten aufgefallen. So kam der Fall ins Rollen.

Bei Hausdurchsuchungen in Niederösterreich, Kärnten und Deutschland wurden zahlreichen Unterlagen und elektronische Daten beschlagnahmt, die den Verdacht der Ermittler erhärteten. Insgesamt waren 22 Mitarbeiter des Zolls, sieben Finanzpolizisten und zwei Mitarbeiter der Abgabenexekution an den Hausdurchsuchungen beteiligt. Bei der Gelegenheit wurden 460.000 Liter Diesel, 162.000 Liter andere Öle und 73.000 Euro Bargeld sichergestellt.

„Durch das gemeinsame Agieren konnten nicht nur die wichtigen Beweismittel sichergestellt, sondern auch gleich Abgabensicherungsmaßnahmen in Millionenhöhe getroffen werden“, freut sich Einsatzleiter Michael Kalcher von der Zollfahndung. „Nur mit koordiniertem Vorgehen kann der Abgabenbetrug wirksam bekämpft werden. Die Sicherstellung von Vermögen verhindert nicht nur weitere Steuerausfälle sondern ist auch die wirksamste Methode, kriminelle Netzwerke zu stören“, meint Wilfried Lehner, Leiter der Stabstelle Finanzpolizei.

NoVA-Sünder

Im Zuge dieser Amtshandlung erregte übrigens auch noch eine teure Limousine die Aufmerksamkeit der Beamten. Das Fahrzeug hatte ein deutsches Kennzeichen montiert. Der Besitzer dürfte sich dadurch die Normverbrauchsabgabe (NoVA) gespart haben.

Allein im Vorjahr wurden 80 Millionen Liter des gepanschten Treibstoffes verkauft, so der Vorwurf. Und dafür soll der Geschäftsmann weder Umsatz- noch Mineralölsteuer gezahlt haben. Die illegale Mischung dürfte der 55-Jährige, der auch einen Firmensitz in Kärnten hat, über eine weitere Dependance in Deutschland vertrieben haben. Mittlerweile wurde das Insolvenzverfahren gegen den Betrieb in Niederösterreich eingeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gegen elf Personen.

Der gestreckte Treibstoff kann bei Fahrzeugen teure Schäden anrichten. Der Betrug mit gepanschtem Diesel ist trotzdem europaweit im Vormarsch.

Erstellt am 05.03.2013