Gastpatienten-Streit: Krebszentrum kennt keine Ländergrenzen

Niederösterreich will am Beispiel von MedAustron in Wiener Neustadt demonstrieren, weshalb der Gastpatienten-Streit entbehrlich ist.
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Jährlich erkranken etwa 40.000 Menschen in Österreich an Krebs. Für viele von ihnen ist MedAustron in Wiener Neustadt so etwas wie der letzte Hoffnungsschimmer. Das Krebstherapiezentrum ist das einzige in Österreich für eine besondere Art der Strahlentherapie und eines von nur sechs Instituten weltweit, die diese anbieten.

Das zur Gänze mit Haftungen in der Höhe von 300 Millionen Euro vom Land Niederösterreich finanzierte Krebszentrum ist der neueste Trumpf Niederösterreichs im Match mit der Stadt Wien um das leidige Thema Gastpatienten.

MedAustron sei ein „Best Practice Beispiel“ dafür, dass Landesgrenzen in der Spitzenmedizin nichts verloren haben, erklärten ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner, MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger und der Gesundheitssprecher der ÖVP-NÖ, Franz Dinhobl, bei einem Medientermin am Montag.

Jeder vierte Patient stammt aus Wien

In zehn Jahren wurden bei MedAustron 3.600 Patienten mit speziellen Kohlenstoff-Ionen und Protonen behandelt, 2.600 davon aus ganz Österreich - der Rest kam aus dem Ausland. „25 Prozent der Behandelten stammen aus Wien, also jeder vierte Patient. Es ist nicht wichtig, woher die Patienten kommen, sondern ob sie die für sie beste medizinische Behandlung erfahren“, erklärt Schneeberger.

ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner, MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger und der Gesundheitssprecher der ÖVP-NÖ, Franz Dinhobl

ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner, MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger und der Gesundheitssprecher der ÖVP-NÖ, Franz Dinhobl 

Bruch bestehender Verträge

Laut Matthias Zauner ist die Behandlung von Gastpatientinnen und Gastpatienten zwischen den Bundesländern im Finanzausgleich ganz klar geregelt. Beim letzten Finanzausgleich habe man vereinbart, dass Niederösterreich für die Behandlung der Gastpatienten in Wien auf 500 Millionen Euro verzichtet. „Der Wiener Bürgermeister Ludwig hat das unterschrieben. Wien bricht damit bestehende Verträge, wenn Patienten aus Niederösterreich abgewiesen werden“, so Zauner.

Deshalb wehrt man sich derzeit mit der Kampagne „Schluss mit Blockieren. Wien muss operieren“ und einer Musterklage von einem betroffenen Patienten.

Der Teilchenbeschleuniger von MedAustron in Wiener Neustadt

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Dass es aber auch ganz anders gehe, zeige das Beispiel MedAustron, so Schneeberger und Dinhobl. Die Patienten werden aus allen Bundesländern über das sogenannte Tumorboard zugewiesen. Wie der Ärztliche Direktor, Professor Eugen B. Hug, zuletzt erklärte, werden nach anfänglicher Skepsis mittlerweile aus jeder Radioonkologie Österreichs Patienten nach Wiener Neustadt überwiesen. National ist MedAustron damit in die onkologische Therapielandschaft integriert. Besonders für mittel- und osteuropäische Länder sei man eine wichtige Anlaufstelle, da es in diesen Regionen noch kein vergleichbares Institut gibt.

Behandlung auf E-Card

Mit 500 Patienten jährlich findet man schon lange nicht mehr das Auslangen. Der Bedarf liegt in Zukunft bereits bei rund 1.000 Patienten jährlich. Die Gesamtfinanzierung von MedAustron liegt beim Land NÖ, die Behandlungskosten trägt die Kasse. „Die Wiener Kliniken sind nicht zu 100 Prozent von Wien finanziert. Und trotzdem werden Gastpatienten aus NÖ dort abgewiesen“, echauffieren sich Schneeberger, Zauner und Dinhobl.

Einen medizinischen Durchbruch konnte man im Vorjahr in Wiener Neustadt feiern. Mit dem Behandlungssystem „Mateo“ hat MedAustron den ersten Patienten mit Augenkrebs erfolgreich mit Protonen bestrahlt. Die neue Behandlung verhindert, dass Patienten durch operative Eingriffe ihr Augenlicht oder gar das gesamte Sehorgan verlieren.

MedAustron ist das größte Zentrum für die Behandlung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. 30 Prozent der Patienten sind unter 16 Jahre. Bestrahlt werden bereits Gehirntumore bei Kindern unter zwei Jahren. Im Durchschnitt seien pro Patient 22 Bestrahlungseinheiten nötig, heißt es vonseiten des Krebszentrums.

Strahl zu Forschungszwecken

Neben der medizinischen Behandlung findet bei MedAustron auch wissenschaftliche Forschung statt. Das Zentrum verfügt über einen Teilchenbeschleuniger, der unterschiedliche Strahlung für Forschungszwecke bereitstellt. Dazu kommen modern ausgestattete Labore, die interdisziplinäre Forschungsprojekte in Bereichen wie Strahlenbiologie, Medizinphysik und Weltraumforschung ermöglichen. Seit einem Jahrzehnt arbeiten heimische Hochschulen wie die TU Wien, die FH Wiener Neustadt oder die MedUni Wien mit dem Zentrum zusammen.

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