Ein Jahr danach: Alle reden noch über „21 Tage ohne Smartphone“

Fabian Scheck und 70 Gänserndorfer Gymnasiasten verzichteten 21 Tage auf ihre Smartphones. Im KURIER-Gespräch erzählt er, was sich seitdem verändert hat.
Fabian Scheck

„Verrückt!“ Das sagt Fabian Scheck, wenn er gefragt wird, wie sein vergangenes Jahr war. Scheck ist jener Bio-Lehrer am Gänserndorfer Konrad-Lorenz-Gymnasium (KLG), der mit etwa 70 Schülerinnen und Schülern die Smartphones für 21 Tage ausschaltete. Das ist ein Jahr her. Was seitdem passiert ist, hat die Erwartungen des Pädagogen, der mit „ein bissl Medienrummel“ rechnete, weit übertroffen. 

KLG 21 Tage ohne Smartphones

So sah es aus, als die 6.  Klassen des Konrad-Lorenz-Gymnasiums im Vorjahr gemeinsam ihre Smartphones ausschalteten - begleitet vom ORF.

„Es ist eine richtige Bewegung entstanden“, schildert Scheck. Diese strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus. Sogar eine Lehrerin aus São Paulo in Brasilien hat mit ihm Kontakt aufgenommen. Die New York Times schickte einen Korrespondenten, ein slowakischer und ein französischer TV-Sender waren in Gänserndorf, Schulen aus Deutschland und der Schweiz meldeten sich ebenso. „Es sind überall dieselben Themen: Die Jugendlichen vereinsamen; ihr einziges Hobby ist das Handy“, fasst der Auersthaler zusammen. 

Gänserndorfer Gym wird am Vormittag handyfrei

Nachdem er mit den 6. Klassen 2025 die Smartphones ausschaltete, folgte im November die ganze Schule,  500 Mädchen und Burschen im KLG verzichteten auf ihre Handys. Ab September am Vormittag wird das KLG smartphonefrei sein. Was bisher nur für die Schüler der Unterstufenklassen galt, gilt dann für alle.

Die Nachfrage riss nicht ab, immer mehr Schulen wollten das Handy-Experiment durchführen. Das Echo war auch beim ORF groß. Denn über die 21 Tage ohne Smartphone gibt es eine „Dok1“-Sendung, die das Projekt – ebenso wie der KURIER – von Anfang an begleitete. In Kooperation mit dem Bildungsministerium entstand eine österreichweite Aktion für Schulen. Mit an Bord war Oliver Scheibenbogen, der die Erkenntnisse wissenschaftlich einordnet  – wie bereits beim ersten Experiment in Gänserndorf. 

70.000 Jugendliche nahmen 2026 an Handy-Experiment teil

„Die Anmeldezahlen sind explodiert“, spricht Scheck von 70.000 Jugendlichen, die sich am Experiment freiwillig beteiligten. „Die Zahl kann noch höher sein, wenn Schulen ohne wissenschaftliche Begleitung auf Smartphones verzichtet haben“, meint er, dass nicht alle Teilnehmer angemeldet waren. Nun stellt sich Scheck die Frage: „Schaffen wir das Experiment auch mit 70.000 Erwachsenen?“

Jetzt ist Scheck regelmäßig Gast bei politischen Runden und teilt sein Wissen. Auch wenn es um das Gesetz zum Social-Media-Verbot für Jugendliche geht. Ein Entwurf soll Mitte 2026 vorliegen. „Man kann dazu stehen, wie man will, aber es wird darüber gesprochen“, ist Scheck stolz, dass sein Experiment das angestoßen hat. 

Jugendliche empfanden Zeit ohne Smartphone als schönste Zeit

Abgesehen von den erschreckenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, sprechen es die Jugendlichen klar aus: Die 21 Tage ohne Smartphone waren für viele die schönste Zeit ihres Lebens; Familie und Freunde seien zusammengewachsen – so das Feedback, das Scheck hundertfach erhält.
Darum hat der Bio-Lehrer eine große Vision: Das Experiment jährlich wiederholen, nicht nur in Österreich. „In Deutschland war es ein großes Thema“, weiß er.

Es gibt nun die Plattform handyfreieschule.org, dort teilen jene Schulen, die den Schultag ohne Smartphone bestreiten, ihre Erfahrungen und unterstützen andere in der Umsetzung. Für Scheck hat das Experiment gezeigt, dass „ein Einzelner mit Glück und Hartnäckigkeit etwas verändern kann“. Er hofft, dass „wir in einigen Jahren dasitzen und sagen: Was wir mit dem Handy gemacht haben, war nicht gut, aber wir haben noch die Kurve gekriegt“.

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