BG/BRG Klosterneuburg: Ohne Handy in der Schule? Das geht!

Das BG/BRG Klosterneuburg ist seit 2024 eine handyfreie Schule. Im März nehmen 20 Klassen an der Aktion "21 Tage ohne Smartphone" teil. Zum Kick-off kommt der Initiator persönlich.
Ein Mädchen schaut ins Smartphone.

"Wir waren die erste  AHS in Niederösterreich, die handyfrei geworden ist“, sagt Hemma Poledna, Direktorin des BG/BRG Klosterneuburg (Bezirk Tulln). Seit 2024 dürfen die Schüler in den 52 Klassen ihr Smartphone vom Betreten der Schule bis 15.30 Uhr nicht benutzen. Das Konzept wurde mittlerweile auch vom Gymnasium in Bruck/Leitha übernommen.

Am 4. März gehen 20 Klassen noch einen Schritt weiter: Da starten die österreichweiten „21 Tage ohne Smartphone“. Zu dieser Aktion lädt das Bildungsministerium ein. Vorangegangen war das Pionier-Experiment am Konrad-Lorenz-Gymnasium in Gänserndorf, das der KURIER im Vorjahr begleitete: Die Schüler der sechsten Klassen sollten 21 Tage auf ihr Smartphone verzichten, die Erfahrungen wurden wissenschaftlich aufbereitet.

Zurück zu Klosterneuburg: „Wir haben gemerkt: Da stimmt etwas nicht“, beschreibt die Direktorin den Weg zur handyfreien Schule. In den Pausen und bei Busfahrten war es ruhig, die Schüler hingen alle an ihrem Smartphone, sprachen nicht mehr miteinander. „Wir haben überlegt, wie wir das stärken können, was Schule eigentlich ist: Gemeinschaft oder auch Geduld entwickeln“, ergänzt Pädagogin Theresia Frass-Knierzinger.

Das Handy lenkt zu sehr ab

Es gab diverse Handyregelungen, die zu einem täglichen Kampf zwischen Lehrenden und Schülern führten. Fakt ist: Das Smartphone lenkt ab. „Studien zeigen, dass der Lernerfolg besser ist, je weiter das Handy weg ist“, weiß die Direktorin. Sie gibt zu, dass sie selbst ihr Handy bei der Arbeit in einen anderen Raum legt, um  nicht abgelenkt zu werden. Darum könne sie kaum von den Jugendlichen verlangen, ihr Smartphone zu ignorieren. Dem Schulentwicklungsteam am BG/BRG war klar: „Wir als Pädagogen müssen das in die Hand nehmen“, so Poledna.

Es folgte eine Abstimmung unter den Lehrern – dabei sprachen sich 82 Prozent für das Handyverbot aus –, Informationen für Eltern und Schüler. Die Jugendlichen haben sich anfangs gewehrt. Darum war die Schulleiterin überrascht, dass gerade von ihnen ein Wunsch kam: „Sie wollten klare Regelungen. Eine davon: Wer mit dem Handy erwischt wird, dem wird es weggenommen und die Eltern müssen es abholen. Bereits beim ersten Verstoß.“ Diese Regel gilt nun am Gymnasium. Für die Lehrer ist das Handyverbot nicht ganz so streng, sie nutzen es etwa für Klassenbucheinträge, sollen aber Vorbild im Umgang mit der Handynutzung sein.

Ist eine Schule ohne Smartphones nicht ein Widerspruch zur heutigen Digitalisierung?  „Es geht trotzdem. Wir brauchen den Schülern ja nicht erklären, wie ein Handy funktioniert, sondern wie man KI richtig einsetzt oder ein Algorithmus funktioniert“, dazu brauche es kein Smartphone, ist Frass-Knierzinger überzeugt.

Schüler wollten selbst Handy-Fasten

Dass die Schüler nun an „21 Tage ohne Smartphone“ teilnehmen, war schnell klar: Das Projekt in Gänserndorf wurde von der ORF-Sendung „Dok 1“ begleitet. Nach der Ausstrahlung im September 2025 kamen einige Jugendliche zu Andrea Adrowitzer: „Sie wollten, dass wir das auch ausprobieren“, so die Mathematik-Professorin.

Handyfrei in der "Light-Version"

Von der 1. bis 7. Klasse sind Schüler dabei. Die Lehrer sind zuversichtlich, dass die Jugendlichen durchhalten: „Sie wollen es unbedingt machen.“ Es gibt aber auch eine „Light-Variante“, die die Schüler selbst wählen dürfen. Etwa, dass sie auf Spiele und Social Media – dazu zählt auch Youtube – verzichten. Andere setzen sich ein Zeitlimit von 15 Minuten pro Tag. Die Pädagogen begrüßen jede Variante: „Wenn ein Schüler die Handyzeit von sechs Stunden pro Tag auf 15 Minuten reduziert, dann ist das ein Erfolg“, ist Adrowitzer überzeugt. Sie wird selbst am Experiment teilnehmen. 

Dass die Kinder für ihre Eltern nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sind, war Thema. „Ich als Mutter sage, mein Kind ist ohne Handy sicherer am Schulweg unterwegs“, hat Frass-Knierzinger ein Bild vor Augen: Die Schüler starren ins Handy, auch während sie eine Straße überqueren.

BG/BRG Klosterneuburg

Das BG/BRG Klosterneuburg ist seit 2024 handyfrei. Die klaren Regeln kamen von den Schülern selbst. 

Die Pädagogin hofft, dass durch das österreichweite Experiment  ein gesellschaftlicher Wandel eingeläutet wird. Welche Folgen massive Handynutzung in jungen Jahren hat, zeigen zahlreiche Studien auf. Darum wünscht sich die Lehrerin für Kunst und Gestaltung, dass es in ein paar Jahren verpönt sein wird, neben einem Kleinkind das Handy zu nutzen. „So, wie man nicht über eine rote Ampel geht, wenn ein Kind dabei ist.“

Podiumsdiskussion mit dem Initiator

Um die Schüler und Lehrer auf die 21 Tage ohne Smartphone einzustimmen, gibt es Ende Februar eine Kick-off-Podiumsdiskussion im Gymnasium, an der Bürgermeister und Schulqualitätsmanagerin teilnehmen. Und Fabian Scheck, jener Professor, der das Projekt in Gänserndorf startete. Er bringt einige  seiner Schüler  zur Motivation mit. Die Direktorin ist dem Pädagogen dankbar:  „Ohne ihn und seinen mutigen Start hätten wir das jetzt nicht.“

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