„Macht euch kaputt“: Lehrer warnt Schüler vor Smartphone-Sucht

Das BG/BRG Klosterneuburg ist mit 20 Klassen bei den "21 Tage ohne Smartphone" dabei. Zur Einstimmung kamen die Pioniere aus Gänserndorf.
BG/BRG Klosterneuburg

Fabian Scheck bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: „Social Media und der freien Zugang zum Internet machen euch kaputt.“ Scheck ist jener Bio-Lehrer der Konrad-Lorenz-Gymnasiums in Gänserndorf, der mit den 6. Klassen das Projekt „21 Tage ohne Smartphone“ ins Leben rief.

Das Bildungsministerium lädt dazu nun alle Schulen in Österreich ein. Start ist am 4. März. Eine Schule die sich daran beteiligt, ist die von Hemma Poledna. Das BG/BRG Klosterneuburg ist seit 2024 handyfrei. Die Direktorin ist stolz, dass die Mädchen und Burschen von 20 der 52 Klassen freiwillig an der Aktion teilnehmen wollen: „Das ist ziemlich cool und mutig.“

Klosterneuburger Bürgermeister hofft auf Social-Media-Verbot

Um die Jugendlichen darauf einzustimmen, lud die Schulleiterin Scheck und einige seiner Schüler nach Klosterneuburg ein. Zur Podiumsdiskussion war auch Bürgermeister Christoph Kaufmann (ÖVP) gekommen. Er sei beeindruckt, wie viele 21 Tage ohne ihr Smartphone leben wollen. Seine Haltung ist deutlich: „Ich hoffe, dass ein Social-Media-Verbot kommt.“ Warum? „Weil es verändert“, sagt er als Vater einer sechsjährigen Tochter.

Er selbst habe sein Handy immer "irgendwo liegen, das macht meine Mitarbeiter narisch", erzählt er lachend. Diverse Facebook-Gruppen der Stadt meide er und gibt zu: "Wenn ich mir das alles reinziehen würde, würde ich morgen den Schlüssel vom Rathaus abgeben."

Die Obfrau des Elternvereins, Eva Walder, kennt das sogenannte "Doomscrolling" von sich selbst. "Nur noch ein Video - und auf einmal ist eine Stunde um", schildert sie. Walder appelliert an die Jugendlichen darum, auch die Eltern mit ins Boot zu holen und auf den Handykonsum zu achten. "Hut ab, das ist eine tolle Sache", lobt sie alle, die drei Wochen auf ihr Handy verzichten wollen. Sie selbst werde ebenfalls mitmachen.

„Die Sozialen Medien machen euch kaputt; es braucht Regeln zu eurem Schutz.“

von Fabian Scheck

Bio-Lehrer

Scheck und seine Schüler erhielten Applaus, als sie auf die Bühne kamen, immerhin waren sie die Protagonisten einer „Dok1„-Sendung im ORF und so den Klosterneuburgern bekannt, denn die Dok schauten alle gemeinsam, bevor die Gäste eintrafen. 

Überlegen, wie man handyfreie Zeit füllt

Der Rat der Gänserndorfer: Bei durchschnittlich sechs Stunden Handyzeit pro Tag sollten sich die Teilnehmenden vorab überlegen, wie sie die gewonnen Zeit füllen wollen. Die drei Schülerinnen auf dem Podium gaben zu, dass sie ohne ihr Smartphone glücklicher waren. Auch Deniz, der das Experiment zwischendurch sogar abbrechen wollte, nahm viel Positives aus seiner Zeit ohne Handy mit. Er war produktiver und: „Die Bindung untereinander wurde besser. Das ist sehr schön.“

In der "Dok1" waren die Jugendlichen immer wieder am Computer oder Laptops zu sehen. Das war erlaubt: "Ihr sollt nicht aus der digitalen Welt verschwinden. Aber ich sollt euch überlegen: Wo brauche ich das Smartphon? Wie könnt ihr es nutzen, so, dass es euch hilft und nicht kaputt macht."

Haare ab aus Langeweile

Die Gymnasiasten löcherten die Gänserndorfer mit vielen Fragen, wie das Leben ohne Handy war, ob sie neue Hobbies haben und mehr Zeit mit ihrer Familie verbrachten - und: Warum sich Deniz die Haare abrasiert hat. Das war nämlich in der TV-Aufzeichnung zu sehen. Da musste er lachen. Er empfahl jedenfalls, keine einschneidende Veränderungen an der eigenen Frisur nur aus Langeweile vorzunehmen.

Mittwochfrüh werden die Smartphones ausgeschalten

Die Erwachsenen am Podium waren sich einig: „Die Sozialen Medien machen euch kaputt; es braucht Regeln zu eurem Schutz“, sagt Scheck. Kaufmann nickt: „Wir müssen uns was überlegen. Wir schützen hier die Kinder nicht.“  

Mittwoch um 7.45 Uhr werden Schüler aus 20 Klassen gemeinsam ihre Handy im Gym ausschalten.

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