© Thomas Lenger

Chronik Niederösterreich
10/21/2021

Frau in Baden getötet: Fahndung nach Polizeibeamten läuft

In Deutsch-Brodersdorf wurde die Leiche einer Frau gefunden. Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft seit Mittwochabend.

von Patrick Wammerl

Im Bezirk Baden wurde am späten Mittwochnachmittag die Leiche einer Frau in ihrem Wohnhaus in Deutsch-Brodersdorf entdeckt. Sie dürfte erdrosselt oder erwürgt worden sein.

Als dringend tatverdächtig gilt der Lebensgefährte der 42-jährigen Getöteten. Es handelt sich dabei um Markus J., einen 44-jährigen Polizeibeamten der Drogenabteilung beim Landeskriminalamt Wien (LKA).

Die Hinweise auf ein Gewaltverbrechen hätten sich bestätigt, sagte Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner Donnerstagfrüh. Es werde wegen des Verdachts des Mordes ermittelt. Schwaigerlehner verwies auch darauf, dass eine Obduktion angeordnet worden sei.

Auto des Verdächtigen gefunden

Es gebe in dem Fall keine Hinweise auf eine Gefährdung anderer Personen, sagte der Sprecher weiter. Das Auto des Verdächtigen wurde in einem Windschutzgürtel in Moosbrunn (Bezirk Bruck a.d. Leitha) sichergestellt. In dem Waldstück startete am Donnerstag eine groß angelegte Suchaktion der Polizei.

Laut Polizeisprecher Johann Baumschlager waren 75 Beamte örtlicher Dienststellen, der Einsatzeinheit sowie der schnellen Interventionsgruppe an der Suchaktion beteiligt. Außerdem wurden drei Diensthunde und zwei Drohnen eingesetzt. Es wird vermutete, dass der gesuchte Polizist seine Dienstwaffe bei sich hat. Womöglich hat er sich in dem Waldstück selbst gerichtet.

Reglose Person

Die Bluttat hat sich im gemeinsamen Wohnhaus des Paares in einer Wohnsiedlung in Deutsch-Brodersdorf ereignet. Dort wurden Einsatzkräfte am Mittwoch gegen 17 Uhr zu Hilfe gerufen. Angehörige der Frau waren anscheinend an der Adresse um nach dem Rechten zu sehen. Dabei fanden sie am Unglücksort die reglose Person und schlugen Alarm. Trotz aller Bemühungen kam für Claudia S. jede Hilfe zu spät. Ersten Spuren nach zu schließen, starb die Frau durch massive Gewalteinwirkung in ihrem Halsbereich. Sie dürfte erwürgt worden sein. Weitere Spuren  und Hinweise führten rasch zum Lebensgefährten der Toten. Er versieht seit Jahren Dienst beim Wiener Landeskriminalamt, zuletzt war er bei den Drogenfahndern im Einsatz gewesen.

Da die Einsatzkräfte davon ausgehen mussten, dass der tatverdächtige Polizist auch bewaffnet ist, wurde die Cobra für die Suche nach dem Flüchtigen alarmiert. Unterstützt wurde die Aktion durch einen Helikopter des Innenministeriums mit dem speziellen Infrarot-FLIR-System (Forward Looking Infrared). Es dient für Suchaktionen speziell in der Nacht. In einem Waldstück nahe des Tatortes bei Gramatneusiedl wurde schließlich in den Abendstunden von den Einsatzkräften ein verdächtiges Auto gefunden. Demnach soll es sich um den Wagen des Mannes handeln. Allerdings fehlte von dem Kriminalbeamten jede Spur.

Die mutmaßliche Tötung einer Frau im Bezirk Baden wäre der 22. Frauenmord in diesem Jahr. Erst im September waren zwei Somalierinnen von einem Landsmann in Wien getötet worden. Österreich liegt bei Gewaltverbrechen an Frauen im europäischen Spitzenfeld. In der EU waren 2019 mehr als ein Drittel der Mordopfer Frauen. In Österreich lag der Anteil bei mehr als 50 Prozent und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt, wie aus Daten der Statistikbehörde Eurostat hervorgeht.

Nur Zypern (67 Prozent), Lettland (63) und Malta (60) verzeichneten demnach einen noch höheren Wert, in Schweden und Estland lag er indes bei 23 Prozent. Die österreichische Bundesregierung hatte im Mai nach einer Serie an Frauenmorden ein Maßnahmenpaket gegen die Gewalt in der Privatsphäre geschnürt. So soll künftig der Datenaustausch zwischen den einzelnen Einrichtungen verbessert, die Fallkonferenzen verstärkt und die Tatmotive besser durchleuchtet werden. Zudem soll jede Polizeiinspektion in ganz Österreich über speziell ausgebildete Präventionsbeamte verfügen.

Femizide

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen können auch Femizide sein. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 222 555
Männernotruf: (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 246 247

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