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Tödlicher Absturz: Experte erklärt, wie man Motorausfall eventuell überlebt

Ein Szenario wie der Absturz mit zwei Toten in NÖ ist Inhalt jeder Pilotenausbildung. Fluglehrer Oliver Karall erklärt, worauf es ankommt.
NIEDERÖSTERREICH: ZWEI TOTE UND ZWEI SCHWERVERLETZTE BEI FLUGZEUGABSTURZ IN GAMING

Das Flugzeugwrack zerschellte auf der Passhöhe des Zellerrain (Bezirk Scheibbs) auf über 1.000 Meter Seehöhe. Die Koordinaten jener Stelle, wo die Piper 28 Archer gegen den Bergrücken prallte, finden sich auf der Trauerparte von Michael K..

Der 47-jährige Familienvater und Unternehmer pilotierte die Unglücksmaschine, die am vergangenen Sonntag – wie berichtet – im Zuge eines Rundflugs vermutlich nach einem schweren technischen Gebrechen in den Wald stürzte. Neben dem Privatpiloten starb die 47-jährige Passagierin Sylvana G., ihr 41-jähriger Lebensgefährte und dessen 15-jährige Nichte überlebten den Absturz – das Mädchen wie durch ein Wunder beinahe unverletzt.

Sie konnte das Krankenhaus nur einen Tag nach dem Crash bereits wieder verlassen und lieferte den Ermittlern wichtige Hinweise darüber, was sich in den Minuten vor dem Absturz an Bord des Sportflugzeuges abspielte.

Oliver Karall bildet Linien- und Privatpiloten aus. Motorausfälle werden simuliert.

Oliver Karall bildet Linien- und Privatpiloten aus. Motorausfälle werden simuliert.

Kein Öldruck, Totalausfall des Motors

Laut den derzeit vorliegenden Untersuchungsergebnissen und Zeugenbefragungen gehen die Ermittler von einem schweren technischen Gebrechen als Unfallursache aus. Der Pilot meldete zunächst über Funk einen Verlust des Öldrucks. Die Maschine verlor rasch an Höhe und hatte mehrere Motoraussetzer. Das bestätigte auch die 15-Jährige.

Im letzten Funkspruch vor dem Absturz meldete Michael K. einen „Totalausfall des Motors“. Ein Schreckensszenario, welches im Zuge jeder Ausbildung zur Privatpilotenlizenz (PPL) simuliert wird und beherrscht werden muss, erklärt Oliver Karall. Der Luftfahrt-Experte ist Geschäftsführer und Ausbilder der in Wiener Neustadt ansässigen Aviation Academy Austria, die Linien- und Privatpiloten aus- und weiterbildet.

In vier bis sechs Monaten kann man in Österreich den Privatpilotenschein erlangen. Karall ist aktuell mit Flugschülern am Flugplatz Medulin, südlich der istrischen Stadt Pula, um dort Trainings und Ausbildungsflüge zu absolvieren. Der Absturz der einmotorigen Piper 28 im Ötschergebiet wurde bei der Ausbildung in Medulin sofort zum Anlass genommen, um es mit den Flugschülern zu thematisieren und auch zu simulieren.

Das Wrack der Maschine vor dem Abtransport nach Wien zur Untersuchung.

Das Wrack der Maschine vor dem Abtransport nach Wien zur Untersuchung.

Wichtige „Emergency-Übung“

Wie Karall erklärt, ist das Szenario eines Motorausfalles im Flug eine der wichtigsten „Emergency-Übungen“ bei der Privatpiloten-Ausbildung. „Dabei wird im Cockpit vom Fluglehrer der Motor auf Leerlauf gedrosselt, um einen Ausfall zu simulieren. Die Flugschüler müssen danach versuchen, im Gleitflug die Maschine kontrolliert zum Boden zu bringen und auf einem definierten Teil der Landebahn zu landen“, sagt Karall.

Wichtige Kriterien dafür sind die Flughöhe und die bestmögliche Gleitgeschwindigkeit, um im Notfall mit der Maschine noch die maximale Reichweite zu sichern, schildert der Fluglehrer und Ausbilder.

Kilometerweiter Gleitflug

Wie Karall erläutert, würde man bei einem Motorausfall über dem Flachland versuchen, ein Feld oder einen geeigneten Platz für eine Not- oder Außenlandung zu finden. Das ist bei guten Bedingungen mit jedem Flugzeug, auch mit einer Piper PA 28 Archer, möglich. Die Gleitzahl dieses Modells liegt bei etwa 8:1. Das bedeutet, dass die Maschine aus einer Flughöhe von 1.000 Metern im reinen Gleitflug eine Strecke von etwa acht Kilometern zurücklegen kann – im besten Fall.

Landungen sind auch im Gleitflug möglich.

Landungen sind auch im Gleitflug möglich.

Berge ohne Motor nicht zu überwinden

Ein regelmäßiges Training solcher Notverfahren ist sinnvoll und hilfreich, um es in einer Notlage besser abrufen zu können, so der Flugtrainer. Wieso es dem Piloten am vergangenen Sonntag nicht gelungen ist, kann mehrerlei Gründe haben. Der Absturz ereignete sich im stark gebirgigen Ötscher-Gebiet in großer Seehöhe. Berge sind ohne Motor mit dem Flugzeug nicht zu überwinden, im Gleitflug ist kein Steigen möglich.

Findet sich in der Nähe kein flacher Platz für eine Notlandung, sei es sehr schwierig, die Maschine sicher auf den Boden zu bringen, erklärt Karall.

Fundament des Fliegens

Was außerdem dazu kommt, ist die enorme Stresssituation im Cockpit, die man nicht unterschätzen darf. „Ein akuter Notfall in der Luft ist immer etwas anderes als eine simulierte Übung im Zuge der Ausbildung“, sagt Karall.

In seinem Aviation Flight Center mit Sitz am Flugplatz in Wiener Neustadt, werde auf die theoretische Ausbildung, speziell auch Systemkenntnisse, besonders großer Wert gelegt, „denn ein umfassendes theoretisches Wissen ist das Fundament des Fliegens“, heißt es dazu.

Der persönliche Theorie-Unterricht in der Flugschule umfasst deshalb 67 Stunden, die praktische PPL-Ausbildung beinhaltet 45 Flugstunden. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.

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